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03.12.2012

07:55 Uhr

Altersvorsorge

Die klassische Lebensversicherung hat ausgedient

Schärfere Regulierung und Minizinsen: Die Lebensversicherer stehen kräftig unter Druck. Für die Sparer hat das gravierende Folgen. Möglicherweise muss das Produkt Lebensversicherung revolutioniert werden.

Jahrzehntelang galten Lebensversicherungen als verlässliches Produkt. Doch damit ist Schluss. dpa

Jahrzehntelang galten Lebensversicherungen als verlässliches Produkt. Doch damit ist Schluss.

FrankfurtAlle Jahre wieder... warten deutsche Lebensversicherungs-Kunden kurz vor Weihnachten auf Nachricht von Allianz & Co. Doch heuer wird die Rendite der Verträge im nächsten Jahr, die um diese Jahreszeit verkündet wird, für Enttäuschung sorgen. Experten rechnen mit einem Rückgang der Gesamtverzinsung im Branchenschnitt um 0,3 Prozentpunkte auf 3,6 bis 3,7 (Vorjahr: 3,93) Prozent.

Denn die Versicherer stehen doppelt unter Druck: Dauerniedrigzinsen machen es ihnen schwer, die versprochenen Renditen mit ihren Anlagen zu erwirtschaften. Dazu kommt die Regulierung von "Solvency II", die langfristige Verpflichtungen bestraft. Neue Konzepte müssen her. "Denn der Kunde schreit nach Rendite", wie Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer sagt.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Rang 1

Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)

Rang 2

Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

Rang 3

Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

Rang 4

Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 5

Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

Rang 17

Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 59

Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

Rang 60

Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

Rang 61

Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

Rang 62

Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

Rang 63

Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Die Lebensversicherung der Zukunft könnten ohne herkömmliche Garantie auskommen, die die Versicherer jahrzehntelang bindet. Lars Heermann sieht von der Kölner Ratingagentur Assekurata in neuen Produkten eine Chance für die Branche: "Wenn man es jetzt nicht macht, wann dann?" Den Konzernen ist der Garantiezins - im Branchenjargon Höchstrechnungszins - schon lange ein Dorn im Auge. Spätestens seit die Bundesregierung ihnen nur noch erlaubt, 1,75 Prozent auf die Vertragslaufzeit zu versprechen. Der Rest der Gesamtverzinsung, die Überschussbeteiligung, kann jedes Jahr neu festgelegt werden. "Man muss sich wirklich fragen, ob das Geschäftsmodell, wo der Garantiezins über die ganze Laufzeit festgelegt ist, noch zukunftsfähig ist", sagt Altersvorsorge-Experte Bert Rürup.

Denn beim Garantiezins stehen Aufwand und Ertrag in einem Missverhältnis: Ausreichend sichere Investments dafür zu finden, ist im Niedrigzinsumfeld schwer. Viele müssen den Reservetank befüllen, die sogenannte "Zinszusatzreserve", die ihnen der Bund auferlegt hat, um die Garantien erfüllen zu können. Das drückt auf die Rendite.

Dabei kommt beim Kunden selbst von den 1,75 Prozent nur ein Bruchteil an: Bezogen auf den gesamten Beitrag seien das gerade noch 0,93 Prozent, hat die Assekurata ausgerechnet. Den Rest fressen Provisionen, Verwaltungskosten und die Risiko-Rückstellungen für den Fall auf, dass der Versicherte vorzeitig stirbt. Als Verkaufsargument taugt das längst nicht mehr.

Die Umstellung von der klassischen Lebensversicherung auf Policen mit monatlichen Renten hat das Problem noch verschärft. Denn nun müssen die Versicherer nicht wie früher im Schnitt 20 Jahre im Voraus kalkulieren, sondern bis zu 60 Jahre.

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

03.12.2012, 08:06 Uhr

Welcher " Vollpfosten " hat denn heutzutage noch eine Lebensversicherung ? Meine LV ist in Hardware (Immos, Gold und edle Karossen mit Fun-Faktor) !

Mazi

03.12.2012, 09:09 Uhr

Draghi hat das Altersvorsorgemodell der deutschen Bevölkerung mit Unterstützung der hiesigen Volksvertreter ausgehebelt, zerstört.

Was läuft nun?
Welchen Plan haben unsere Abgeordnete?
Werden wir jetzt alle Pensionäre?
Zahlen wir dann auch nicht mehr in unsere Altersversorgung ein (wie die Beamten und Politiker)?
Es kann doch nicht sein, dass der kleine Mann einzahlt, andere den Topf leeren und ihm am Ende erklärt wird, dass besagter leerer Topf zu gleichen Teilen unter den Einzahlern aufgeteilt wird?

Hier muss noch einmal über die Definition der Bildung krimineller Vereinigungen und deren strafrechtliche Konsequenz unter besonderer Berücksichtigung der Abgeordnetenimmnität nachgedacht werden!

Johannes

03.12.2012, 09:25 Uhr

Natürlich gibt es hier rentable und weniger rentable Anbieter. Dann macht's wie ich, schaut euch nen guten Anbieter aus und neht den! Dieses Versicherer-Bashing des Handelsblatt's ist nicht angebracht, punkten Sie doch eher mit Qualitätsjournalismus! Viel Erfolg dabei!

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