Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2012

07:03 Uhr

Altersvorsorge

Die neue Lebensversicherung

VonMichael Detering

Die Versicherer leiden unter den tiefen Zinsen. Ihren alten Kunden haben die Unternehmen noch große Versprechen gemacht. Das soll in der nächsten Generation der Policen anders werden. Womit Versicherte rechnen können.

Eine Allianz fürs Leben? Das war einmal in der Lebensversicherung. Künftig suchen die Versicherer Partner auf Zeit. dpa

Eine Allianz fürs Leben? Das war einmal in der Lebensversicherung. Künftig suchen die Versicherer Partner auf Zeit.

Früher waren die Versprechen der Versicherer groß: Vier Prozent Verzinsung versprachen die Konzerne noch in den 1990er Jahren den Kunden – garantiert, Jahr für Jahr, bis zum Ende der Vertragslaufzeit. Wer heute einen Vertrag abschließt, erhält hingegen nur noch einen Garantiezins von 1,75 Prozent. Und selbst der wird für die Versicherer angesichts der mickrigen Zinsen an den Kapitalmärkten immer schwieriger zu erwirtschaften.

Die Lebensversicherer sind daher auf der Suche nach Alternativen zum klassischen Garantiezins. „Der Weg hin zu verschiedenen Garantien findet schon statt“, sagt Markus Faulhaber, der designierte Vorstandschef der Allianz Leben. „Die Versicherer müssen sich dem ökonomischen Umfeld stellen.“ Schon seit längerem würde in den Produktabteilungen über neuartige Konzepte nachgedacht.

Worüber die Versicherer nachdenken

Modelle

Viele Versicherer bieten bereits Produkte ohne den klassischen Garantiezins an. Welche Modelle gibt es?

Klassisch

Für Kunden, die auf Nummer sich gehen wollen, gibt es die klassische Rentenversicherung mit dem altbekannten Garantiezins. Dieser liegt bei neu abgeschlossenen Verträgen derzeit branchenweit bei 1,75 Prozent. Hinzu kommt noch eine sogenannte Überschussbeteiligung – wie hoch diese ausfällt, hängt vom Anlageergebnis des Versicherers ab.

Gar nichts

Das Gegenstück für mutigere Kunden ist die fondsgebundene Rentenversicherung. „Wer die Chancen der Kapitalmärkte nutzen möchte, wählt eine Fondsvariante“, sagt eine Sprecherin des Versicherers R+V. Hier gibt es oft keine Garantien. Der Anleger partizipiert voll an der Entwicklung an den Kapitalmärkten – wenn es bergauf geht, kann die Rendite besser sein als bei einem klassischen Produkt, wenn es bergab geht, kann der Anleger allerdings auch Verluste erleiden.

Jährlich

Inzwischen gibt es auch Zwischenlösungen. Bei den Rentenversicherungen „Allianz Index Select“ und „R+V Privatrente Index-Invest“ partizipiert etwa der Kunde an der Entwicklung des Aktienindex EuroStoxx 50. Der Vorteil gegenüber einem direkten Aktienengagement: In Jahren, in denen die Kurse fallen, erleidet der Kunde keine Verluste. Die Allianz und die R+V garantieren, dass die Rendite nie unter null Prozent fällt. Jede Sicherheit hat allerdings ihren Preis. Im Gegenzug erhält der Kunde in Jahren mit steigenden Kursen nur bis zu einer bestimmten Grenze die erzielten Gewinne. Derzeit liegt dieser monatliche „Cap“ bei vier Prozent, sodass der Kunde insgesamt maximal eine jährliche Wertentwicklung von 48 Prozent erzielen könnte.

Nichts verlieren

Wer sich bei der staatlich geförderten Riester-Rente für eine fondsgebundene Police entscheidet, erhält die Garantie, dass zumindest seine Beiträge zum Laufzeitende noch erhalten sind. Eine solche Mindestgarantie verlangt der Gesetzgeber. Inzwischen bieten die Versicherer oft auch für Fondspolicen ohne Riester-Förderung eine solche Garantie an. Bei der Provinzial Münster heißt es, nach den Finanzmarktkrisen der letzten Jahre stehe zumindest eins schon mal fest: „Die Kunden wünschen sich Garantien in ihren Altersvorsorgeprodukten - mindestens den Erhalt der eingezahlten Beiträge.“

Trend

Auf besonders große Resonanz stoßen die neuen, abgespeckten Modelle allerdings derzeit nicht. „In der aktuellen Kapitalmarktphase fragen Kunden verstärkt höhere Garantien nach, in anderen Phasen denken sie chancenorientierter“, sagt Allianz-Vorstand Markus Faulhaber. Entsprechend habe der Anteil der klassischen Produkte zuletzt wieder zugenommen. Sie machen bei der Allianz rund 70 bis 80 Prozent des Neugeschäfts aus. Die meisten anderen verkauften Produkte haben zumindest noch eine der neuartigen Garantien.

Was ist das Problem? Die Europäische Zentralbank hat die Märkte mit Geld geflutet, um Banken und Staaten vor dem Untergang zu bewahren. Doch die Politik des lockeren Geldes hat Folgen: Die Versicherungskonzerne finden an den Kapitalmärkten kaum noch ausreichend rentable Anlagemöglichkeiten für ihre Kundengelder, die Zinsen etwa für sichere Staats- oder Unternehmensanleihen sind im Keller.

Hinzu kommt: Der Zeitrahmen, für den die Versicherer Garantien abgeben, wird durch die veränderte Nachfrage der Kunden immer länger. „Der Trend in der Altersvorsorge geht hin zur Rentenversicherung, das heißt zu einem Produkt mit langer Anspar- und langer Auszahlungsphase“, sagt eine Sprecherin der SV Sparkassenversicherung. Doch gerade für lange Garantien müssen die Versicherer nach den neuen Aufsichtsregeln Solvency II besonders viel Kapital vorhalten.

Die Diskussion um die Zukunft des Garantiezinses ist inzwischen voll entbrannt. Viele Versicherer bieten bereits neuartige Konzepte an. Inzwischen werden aber noch ganz andere Modelle angeregt.

Zinsvergleich: Bankkonten schlagen Versicherungsdepots

Zinsvergleich

Bankkonten schlagen Versicherungsdepots

Kunden parken jedes Jahr Milliardenbeträge bei ihren Lebensversicherern. Ein Vergleich jedoch zeigt: Sowohl über drei, zwölf Monate und 36 Monate bringen viele Sparprodukte der Banken deutlich mehr Zinsen.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.04.2012, 08:03 Uhr

Die EZB hat ebenso wie die FED mit ihrer expansiven (endlos Geld druckenden Politik) den ueber Euro oder USD verfuegenden Buerger gnadenlos enteignet. Man muss sich mal vorstellen - 1 Draghi und 1 Bernanke koennen tun und lassen was sie wollen und die Politik schaut wohlwollend zu. Unglaublich aber wahr - hier und jetzt.

Hamburg

11.04.2012, 08:31 Uhr

Liebes Handelsblatt, der Bericht über die Allianz Index Select ist schlichtweg falsch. Monatlicher Cap bei 4 %, das bedeutet max. 48 % Rendite p.a. - DAS recherchiert doch bitte mal genauer und den Redakteur bitte noch einmal in den Mathe-Unterricht schicken ;)

acidwater1

11.04.2012, 09:04 Uhr

Wer heute eine LV abschließt (bis 120.000 € ohne Abzüge trotz Schulden erlaubt, jedoch keine Kapitalabfindung) sichert nur den Staat vor HartzIV-Zahlungen an den Versicherten im Alter ab - denn die LV wird angerechnet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×