Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2013

07:50 Uhr

Altersvorsorge

„Es ist fahrlässig, auf Aktien zu verzichten“

VonJens Hagen

Die Zinsen sind so niedrig wie niemals zuvor, und die Börsen feiern eine Hausse. Trotzdem meiden die Deutschen Aktien bei der Vorsorge fürs Alter. Warum Finanzprofis das für einen Fehler halten.

Bulle und Bär: Aktien haben in Deutschland keinen guten Ruf. dapd

Bulle und Bär: Aktien haben in Deutschland keinen guten Ruf.

Die Börsenbilanz kann sich sehen lassen. Im vergangenen Jahr legte der Deutsche Aktienindex (Dax) knapp 30 Prozent zu. Seit dem Tief von 3.588 Punkten im März 2009 ging es hoch auf zuletzt 7.716 Punkte - damit haben sich die Aktienkurse hierzulande mehr als verdoppelt.

Privatanleger lässt die Hausse der vergangenen fünf Jahre aber kalt. Selbst bei langfristigen Investments, bei denen vorübergehende Kursverluste nicht ins Gewicht fallen, setzen die Anleger nicht auf Aktien.

Welche Altersvorsorge besonders beliebt ist

Top 5

Privat abgeschlossene Riesterrente:

22 Prozent

Basis: Repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank. Gefragt wurde, welche Vorsorgearten Kunden bevorzugen.

Top 4

Private Rentenversicherung:

23 Prozent

Top 3

Betriebliche Altersversorgung, Zusatzversorgung für den öffentlichen Dienst:

26 Prozent

Top 2

Ein eigenes Haus, eine eigene Wohnung:

42 Prozent

Top 1

Staatliche Rente aus der Rentenversicherung für Arbeiter oder Angestellte, Beamtenpension:

76 Prozent

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Postbank zeigt: Nur sieben Prozent der Deutschen planen, im Ruhestand auf Aktienerträge zuzugreifen. Das ist ein Drittel weniger als noch 2003.

Der Ruf der Aktie hat laut Umfrage in den vergangenen Jahren gelitten. Nur noch zehn Prozent der Deutschen halten diese Anlageklasse für eine „ideale Vorsorgeform“. Gerade einmal jeder achte Deutsche schätzt, dass Aktien oder Aktienfonds „hohe Erträge und eine gute Rendite“ bringen. Zum Vergleich: Goldmünzen halten 21 Prozent der Deutschen für renditestark, vermietete Immobilien sogar 32 Prozent.

Welche Altersvorsorge unbeliebt ist

Flop 5

Bausparvertrag:

14 Prozent

Basis: Repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank. Gefragt wurde, welche Vorsorgearten Kunden bevorzugen.

Flop 4

Festgeldanlage, Sparbrief:

9 Prozent

Flop 3

Andere Wertpapiere wie Aktien, Aktienfonds oder Zertifikate:

7 Prozent

Flop 2

Rente aus berufsständischem Versorgungswerk:

6 Prozent

Flop 1

Gold (Barren, Münzen usw.):

4 Prozent

„Es wäre bedauerlich, wenn die Bundesbürger bei der langfristigen Anlage - etwa zur Vorsorge - das Vertrauen in die Börse verlieren“, sagt Susanne Klöß, Generalbevollmächtigte Produkte bei der Postbank. „Ein der persönlichen Situation angemessener Aktien-Anteil im Depot kann bei einer seriösen Finanzplanung durchaus sinnvoll sein.“ Nach Jahres-Prognosen der Postbank sollen die vier Indizes Dax, Eurostoxx 50, S&P 50 und Topix bis Ende 2013 über den aktuellen Niveaus liegen.

Finanzprofis raten zum Kauf von Aktien. „Es ist fahrlässig bei der langfristigen Vermögensplanung auf Aktien zu verzichten“, sagt Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Er verweist auf die höheren laufenden Erträge im Vergleich zu Zinsprodukten. Aktien seien derzeit noch niedrig bewertet und die Aussicht auf Kursgewinne deshalb gut. „Nicht zuletzt bieten Aktien eine Absicherungsfunktion gegen eine zinslose Inflation“, sagt Flossbach.

Umfrage: „Womit erzielt man eine gute Rendite für die Altersvorsorge?“

Platz 15

Rürüp-Rente:

1 Prozent der Befragten antwortete, dass man mit der Rürüp-Rente eine gute Rendite erzielen kann.

Basis: Repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank. Gefragt wurde, welche Anlageklassen eine gute Rendite bringen.

Platz 14

Einkünfte aus Arbeit bis zum Lebensende:

8 Prozent

Platz 13

Festverzinsliche Wertpapiere wie Bundesschatzbriefe, Pfandbriefe u.Ä.:

8 Prozent

Platz 12

Fonds:

9 Prozent

Platz 11

Bausparvertrag:

10 Prozent

Platz 10

Einkünfte aus eigenem Betrieb, eigenem Geschäft:

11 Prozent

Platz 9

Riester-Rente:

11 Prozent

Platz 8

Andere Wertpapiere wie Aktien oder Zertifikate:

12 Prozent

Platz 7

Festgeldanlage, Sparbriefe, Sparverträge:

13 Prozent

Platz 6

Staatliche Rente aus der Rentenversicherung für Arbeiter oder Angestellte, Beamtenpension:

19 Prozent

Platz 5

Rente aus einer Lebensversicherung:

19 Prozent

Platz 4

Betriebliche Altersversorgung, Zusatzversorgung für den öffentlichen Dienst:

20 Prozent

Platz 3

Gold:

21 Prozent

Platz 2

Ein eigenes Haus, eine eigene Wohnung:

31 Prozent

Platz 1

Einnahmen aus Haus- und Grundbesitz:

32 Prozent

Viele Verbraucherschützer bemängeln bei den klassischen Altersvorsorgeprodukten wie Rentenversicherungen niedrige Zinsen, hohe Kosten, mangelnde Transparenz und kundenunfreundliche Sterbetafeln. „Aktien oder Aktienfonds sind zwar kein Altersvorsorgeprodukt, taugen aber zum Ansparen sehr gut“, sagt Axel Kleinlein, Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Kommentare (22)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

SMasel

14.01.2013, 09:36 Uhr

Überrascht doch nicht wirklich, oder? Wenn man nur DAX30 Titel berücksichtigt, fallen mir nur ein paar Papiere ein, die in den letzten 10 Jahren tatsächliche Rendite eingebracht haben. Bsp. für völliges Versagen ThyssenKrupp ein Managament zum Davonlaufen. Daimler hat es trotz des Managements geschafft zu überleben (spricht für die Produkte). Addidas übernimmt alle 8 Jahre eine andere Firma und landet auf dem Bauch. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Wenn es nicht Versagen in der Führung ist, dann kommen Bilanzbetrug, Schlamperei, Schadenersatzzahlungen hinzu. Ganz ehrlich wer will da noch Aktien kaufen. Die sog. Finanzexperten sind auch nur daran interessiert ihre Provosionen abzuräumen.

Grund und Boden haben eine Performance die keine Aktie erreicht und mir ist etwas das ich anfassen kann und das jeden Währungscrash überlebt, tausendmal lieber als eine Aktie. Als Altersvorsorge sind Aktien in diesen Finanzmärkten nicht mehr zu gebrauchen.

Account gelöscht!

14.01.2013, 09:54 Uhr

Aktien?......Finger weg, für die private Altersvorsorge.

Leser

14.01.2013, 10:02 Uhr

Fahrlaessig?
Tut mir leid, diese Wertung ist nicht nach zu vollziehen. Wer sich mit Anlagen nicht auskennt und/oder nicht ausreichend Zeit dafuer hat, sollte meiner Meinaung nach die Finger davon lassen. Er fuettert sonst nur die Anderen. Wie wollen die sonst IHRE Gewinne generieren.
Beispiel: Vermoegenswirksame Leisungen!? Meine Frau zahlte in einen Fond 76.Eur por Monat.Anzahl der Einzhlungen 144 Monate plus 1 Jahr Ruhezeit.Eingezahlter Betrag 10944 Euro. Bestand zum 03.01.2012 5831.27 Euro. Woher soll da das Vertrauen in Aktien und Verwalter kommen? Ein Sparbuch ist da wohl die bessere Loesung! Oder?.... Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ein Einzelfall ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×