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29.08.2016

13:49 Uhr

Altersvorsorge

Fast jeder vierte junge Mensch spart gar nichts

VonMartin Dowideit

Die Deutschen als Volk der Sparer? Das gilt am wenigsten für junge Menschen. Nach Daten der Volks- und Raiffeisenbanken hinken aber auch andere Gruppen deutlich den eigenen Sparzielen hinterher.

DüsseldorfEtwas weniger als zehn Prozent des frei verfügbaren Einkommens sparen die Deutschen – die sogenannte Sparquote ist relativ stabil, trotz der Niedrigzinsen. Dennoch fühlen Banken und Finanzunternehmen regelmäßig den Sparern auf den Zahn auf der Suche nach Möglichkeiten, Finanzprodukte an den Mann zu bringen. Denn dank eines positiven Arbeitsmarktes und steigenden Löhnen bedeutet eine stabile Sparquote, dass die Sparsumme steigt – und damit mehr Geld zur Verfügung steht, das beiseite gelegt wird.

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) kommt entsprechend in einer aktuellen Erhebung zu dem Ergebnis, dass der Sparehrgeiz in absoluten Zahlen gemessen gewachsen ist. Das durchschnittliche Sparvolumen der Menschen, die regelmäßig Geld beiseite legen, ist den von TNS-Infratest erhobenen Daten zufolge von 281 auf 297 Euro innerhalb eines Jahres gestiegen. Tatsächlich schaffen es die Sparer demnach, durchschnittlich 216 Euro im Monat zu sparen – gegenüber 201 Euro im Vorjahr.

So verteilt sich das Vermögen auf deutsche Haushalte

5. Perzentil – ärmste fünf Prozent

Bruttovermögen: 100 €
Nettovermögen: minus 3.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 7.500 €

Das 5. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

10. Perzentil

Bruttovermögen: 700 €
Nettovermögen: 0 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 9.600 €

Das 10. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

20. Perzentil

Bruttovermögen: 5.200 €
Nettovermögen: 2.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 14.300 €

Das 20. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

30. Perzentil

Bruttovermögen: 14.200 €
Nettovermögen: 10.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 17.800 €

Das 30. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

40. Perzentil

Bruttovermögen: 33.200 €
Nettovermögen: 27.100 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 21.100 €

Das 40. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

50. Perzentil (Median)

Bruttovermögen: 77.200 €
Nettovermögen: 60.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 23.900 €

Der Median teilt Deutschland in zwei Hälften: Wer mehr hat, gehört zu reicheren Hälfte. Wer weniger hat, gehört zur ärmeren Hälfte. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

60. Perzentil

Bruttovermögen: 142.700 €
Nettovermögen: 111.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 27.800 €

Das 60. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

70. Perzentil

Bruttovermögen: 216.100 €
Nettovermögen: 174.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 33.100 €

Das 70. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

80. Perzentil

Bruttovermögen: 315.600 €
Nettovermögen: 274.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 39.600 €

Das 80. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

90. Perzentil

Bruttovermögen: 522.000 €
Nettovermögen: 468.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 50.300 €

Das 90. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

95. Perzentil - reichste fünf Prozent

Bruttovermögen: 816.500 €

Nettovermögen: 722.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 60.000 €

Das 95. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

Allerdings gibt es bei einzelnen Altersgruppen deutliche Unterschiede. Junge Menschen zwischen 20 und 39 Jahren sparen in vielen Fällen gar nichts. Fast jeder Vierte der Befragten gibt an, sich zu den „Nichtsparern“ zu zählen. Bei den älteren Gruppen ist dieser Anteil mit etwa einem Sechstel deutlich geringer.

Für die Bank-Ökonomen ist zwar klar, dass in jungen Jahren zum einen oft wenig Einkommen vorhanden ist und noch nicht für eine große Anschaffung wie das Eigenheim oder für den späteren Ruhestand Geld zurück gelegt wird. Doch angesichts der Niedrigzinsen sei es umso wichtiger, in jungen Jahren bereits für das Alter vorzusorgen. Der BVR fordert daher „eine Stärkung der privaten Altersvorsorge“ durch die Bundesregierung. Laut Daten der Bundesbank aus dem Jahr 2013 spart gerade einmal die Hälfte der deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (16 bis 24 Jahre) in Deutschland im Monat mehr als 15 Euro, die andere Hälfe weniger oder gar nichts.

Auch eine weitere Gruppe sieht der BVR beim Sparen im Hintertreffen – Alleinerziehende. Sie verfehlen die selbst gesetzten Sparziele deutlich. Sie schafften es gerade einmal, 36 Prozent der angestrebten Summe beiseite zu legen. Bei Paaren ohne Kind liege diese Quote bei 84 Prozent.

So viele Deutsche haben sich wegen Überschuldung beraten lassen

Erläuterung

Quelle: Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamts

Die Behörde hat die Zahl von Beratungsgesprächen wegen Überschuldung hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2014.

unter 20 Jahre

1690 Betroffene

durchschnittliche Schulden: keine Angabe

20 bis 24 Jahre

30.283 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 8.205 Euro

25 bis 34 Jahre

127.519 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 18.639 Euro

35 bis 44 Jahre

107.478 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 35.712 Euro

45 bis 54 Jahre

106.661 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 48.183 Euro

55 bis 64 Jahre

59.787 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 47.542 Euro

65 bis 69 Jahre

13.375 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 50.562 Euro

70 Jahre und älter

13.831 Betroffene

durchschnittliche Schulden: 55.163 Euro

Eine Studie der Bundesbank aus dem vergangenen Jahr hatte gezeigt, dass die niedrigen Zinsen das Sparverhalten der Deutschen nur wenig beeinflussen. Drei Viertel der Deutschen sagen demzufolge, trotz geringer Erträge ihr Sparverhalten nicht geändert zu haben. Vor allem Schwankungen des verfügbaren Einkommens änderten die Sparsummen. Bei finanziell oft sehr geforderten Gruppen wie eben Alleinerziehenden, gilt das als Grund, weshalb verhältnismäßig wenig gespart wird.

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