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22.08.2011

10:33 Uhr

Altersvorsorge

Frauen müssen riskanter anlegen als Männer

VonAnnika Williamson

Die Altersvorsorge ist für Frauen eine größere Herausforderung als für Männer: Sie leben länger und verdienen weniger. Eine große Rentenlücke droht. Wollen sie diese schließen, geht am Kapitalmarkt kein Weg vorbei.

Wer im Alter noch ein bisschen Luxus leben will, muss rechtzeitig vorsorgen - das gilt vor allem für Frauen. Quelle: ap

Wer im Alter noch ein bisschen Luxus leben will, muss rechtzeitig vorsorgen - das gilt vor allem für Frauen.

Düsseldorf„Banditen verlangen Geld oder Leben, Frauen beides“, schrieb der englische Schriftsteller Samuel Butler. Recht hat er auch über hundert Jahre nach seinem Tod noch, vor allem, was die Altersvorsorge angeht.

Drei wichtige Faktoren unterscheiden die Geschlechter: Frauen leben durchschnittlich fünf Jahre länger und müssen daher für einen längeren Ruhestand vorsorgen. Statistisch verdienen sie allerdings nach wie vor 18 Prozent weniger als Männer (2009) und beziehen weniger staatliche Rente, müssen also von weniger Einkommen mehr zurücklegen. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie für ihre Familie einige Zeit aus dem Beruf aussteigen oder in Teilzeit arbeiten.

Um sich nicht zwischen genug Geld und einem zufriedenen Leben entscheiden zu müssen, empfehlen Anlageexperten besonders eine Strategie: Flexibilität. Über eine flexible private Vorsorge können Anlegerinnen ihren Nachteil bei der Rente aufholen und trotzdem je nach Lebenssituation mal mehr, mal weniger investieren.

„Die Versorgungslücke ist bei Frauen größer als bei Männern. Wichtig ist, sich dieser Lücke überhaupt bewusst zu werden“, sagt Ann-Katrin Stenner, Finanzberaterin bei Hauck & Aufhäuser. Eine Beispielrechnung verdeutlicht die Problematik: Die durchschnittliche gesetzliche Altersrente beläuft sich hierzulande für Frauen auf etwa 500 Euro, halb soviel wie bei Männern. Manche haben dabei noch eine Betriebsrente, zum Beispiel über 150 Euro im Monat. Demgegenüber stehen auch im Alter Ausgaben für eine Wohnung plus Nebenkosten (800 Euro), Ernährung und andere Lebenshaltungskosten (450 Euro), zusätzliche Versicherungsbeiträge (50 Euro) und alles rund um Urlaub, Freizeit und Hobbys (200 Euro). Selbst wer nach dem Berufsleben das Auto abschafft, hat meist noch Kosten für öffentliche Verkehrsmittel (150 Euro).

Unter dem Strich heißt das: 650 Euro an Renten kommen rein, 1650 Euro gehen für Ausgaben wieder raus. Die Versorgungslücke: 1000 Euro. Bei Männern, die durchschnittlich etwa doppelt so viel Rente erhalten, wäre die Lücke nur 500 Euro groß.

Um die größere Lücke zu schließen, raten Anlageberater Frauen, am Kapitalmarkt einzusteigen. Die Zeiten sind vorbei, da Frauen für zurückhaltende und risikoscheue Anleger gehalten wurden oder gar mit Geldanlage nichts zu tun hatten. Viele Statistiken beweisen, dass sie mit ihrem Anlageportfolio mindestens genauso erfolgreich sind wie Männer.

„Männer überschätzen sich eher bei ihrer Anlageentscheidung, Frauen unterschätzen sich. Wenn Frauen ein Finanzprodukt komplett durchschauen, dann sind sie oft risikobereiter als Männer“, sagt Susanne Kazemieh, Finanzberaterin und Gründerin der Frauenfinanzgruppe. Ihr Beratungsunternehmen hat sie vor über 20 Jahren gegründet. Seitdem entdeckt sie ein wachsendes Interesse an einer eigenständigen privaten Vorsorge: „Vor 25 Jahren war das Thema ‚Frauen und Finanzen’ noch tabu. Seitdem hat das Interesse und die Bildung über Finanzthemen riesig zugenommen.“

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