Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.04.2006

07:13 Uhr

Altersvorsorge

Frühes Sparen lohnt sich

VonGertrud Hussla

Seit kurzem ist es offiziell: Die gesetzliche Rente reicht zum Erhalt des Lebensstandards künftig nicht mehr aus. Das sagte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering bei der Vorlage des Alterssicherungsberichts.

HB DÜSSELDORF. Aber dass es knapp wird, wissen die Bürger nach den Diskussionen der letzten Wochen ohnehin. Rente erst ab 67, höhere Abgaben, inflationsbereinigt weniger Geld für die Rentner – die schlechten Nachrichten häufen sich. Schlimmer noch: Selbst die Förderung des privaten Sparens soll gekürzt werden. Das Sparen über den Betrieb soll nicht mehr sozialabgabenfrei bleiben.

Fleißig warnt auch die Privatwirtschaft. Wie groß die Rentenlücken sind und dass viel zu wenig vorgesorgt wird, verkündet die Versicherungswirtschaft gerne – und belegt dies mit Zahlen. Doch das Szenario des Untergangs der sozialen Sicherheit ist für viele offenbar mehr Entmutigung als Ansporn. Nach einer Untersuchung des der Deutschen Bank nahe stehenden Instituts für Altersvorsorge (DIA) hat jeder fünfte überhaupt keine private Vorsorge, weitere 30 Prozent haben bis jetzt nach eigener Einschätzung unzureichend gespart. „So mancher spart nur für das neue Auto. Zu wenige legen zielgerichtet für das Alter zurück“, sagt der Sprecher des Instituts, Bernd Katzenstein.

Dabei ist die Disziplin der Deutschen gar nicht so schlecht. Mit einer Sparquote von knapp 13 Prozent wird hier zu Lande mehr zurückgelegt als in den meisten übrigen Ländern. In den USA liegt die Sparquote nur bei vier Prozent. Ermutigend sollte auch sein, dass gerade Jüngere schon mit kleinen Beträgen viel erreichen können. Wer mit 27 Jahren anfängt, kann künftige Rentenlücken schon schließen, wenn er nur sechs Prozent seines Einkommens zurücklegt, errechnete das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Wer mit 47 anfängt, müsste etwa 16 Prozent abzweigen. Der Zinseszinseffekt hilft, je früher der Anleger anfängt.

Wichtig ist, überhaupt zu sparen. Besser noch wäre es, das Geld möglichst durchdacht anzulegen. Die Deutschen investieren deutlich konservativer als andere und verzichten damit auf Rendite. Nur etwa 20 Prozent der Ersparnisse stecken in Aktien und Investmentzertifikaten, weniger als in Lebensversicherungsverträgen (25 Prozent), ergeben Daten der Deutschen Bundesbank. Ein Drittel des Vermögens ist in niedrig verzinslichen Bargeld- und Spareinlagenreserven geparkt. „Die Deutschen könnten sich ruhig stärker am Produktiv-Vermögen beteiligen“, sagt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim.

In anderen Ländern, wie etwa den USA, legen die Bürger rund die Hälfte ihrer Ersparnisse in Investmentfonds und Aktien an. Solche Anlageformen haben historisch eine um rund vier Prozent höhere Rendite erbracht als risikolose Anleihen oder Festgeldanlagen. Stattdessen steckt hierzulande viel Geld in klassischen Lebensversicherungen. „Das halte ich für bedenklich“, sagt der unabhängige Finanzberater Rolf Klein von Klein & Quandt. „Die Rendite ist dort niedrig, und das Produkt erlaubt keine Flexibilität.“

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Ein neues Versicherungsvertragsgesetz soll den Lebensversicherungsvertrag transparenter machen. Der Arbeitgeber muss Wege zum steuervergünstigten Sparen über den Betrieb schaffen. Steigende Zinsen versprechen eine höhere Rendite. Europäischen Aktien gelten noch immer als unterbewertet und haben Kurspotenzial. Die Förderung der Riesterprodukte steigt. Wer sinnvoll sparen will, muss sich allerdings intensiv mit dem Thema beschäftigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×