Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2015

15:25 Uhr

Altersvorsorge im Zinstief

Schäuble sieht keinen Spielraum für staatliche Förderung

VonFrank Matthias Drost

Bei seinem Neujahrsempfang hat der Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zusätzliche Anreize für die Altersvorsorge gefordert. Adressat war Finanzminister Schäuble – und der winkt ab.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht keine Möglichkeit für staatliche Anreize bei der Altersvorsorge. ap

Kein finanzieller Spielraum

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht keine Möglichkeit für staatliche Anreize bei der Altersvorsorge.

BerlinDie Flutung des Euroraumes mit Liquidität durch die Europäische Zentralbank (EZB) bedroht die Altersvorsorge. Nun fordert der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, die Politik auf, Anreize für die Vorsorge zu schaffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagiert reserviert.

Auf dem Neujahrsempfang des Branchenverbands GDV am heutigen Freitag trommelt Erdland in eigener Sache. Er machte folgende Rechnung auf: Die Senkung des durchschnittlichen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt bedeutet, dass ein Bürger 15 Prozent mehr aufwenden muss, um im Alter auf das gleiche Vorsorgeniveau zu kommen.

Trotz der relativ guten wirtschaftlichen dürften dazu die wenigsten Bürger in der Lage sein. Erdland appellierte an den anwesenden Bundesfinanzminister, die Vorsorge zu fördern. Das könnte beispielsweise durch eine Prämie für das Sparen im Alter geschehen oder durch eine Dynamisierung der Riester-Förderung. „Wir haben zwar großen Respekt für die schwarze Null im Bundeshaushalt, aber dies sei auch durch die niedrigen Zinsen möglich geworden“, so Erdland. Die dadurch gewonnen Spielräume sollte die Regierung nutzen, damit die Vorsorgelücke nicht noch größer werde.

Bundesfinanzminister ging nicht direkt auf die Forderungen ein, unterstrich aber: „Wir werden alle finanziellen Spielräume nutzen, um die Investitionen zu verstärken.“ Von einer Förderung der Vorsorge war nicht die Rede. Allerdings sieht Schäuble eine andere Chance für Versicherer: Sich an den Investitionen für die öffentliche Infrastruktur zu beteiligen. Er begrüße die Ankündigung der EU-Kommission, dass die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa Wege auslotet, um die Branche an solchen Projekten besser zu beteiligen.

Aber die Branche müsse sich auch an die eigene Nase fassen. „Wir vertrauen darauf, dass die Branche neue Produkte entwickelt“, sagte Schäuble mit Verweis auf Bafin-Präsidentin Elke König, die auch auf dem Empfang war. König hatte Mitte des Monats die Branche aufgefordert, Produkte zu entwickeln, „die dem Marktumfeld – sprich: den niedrigen Zinsen – ebenso gerecht werden wie den künftigen regulatorischen Anforderungen“.
König sieht die Lebensversicherer in einer schwierigen Lage. Die Stresstest- und Prognoseberechnungen würden zwar noch zeigen, dass die Unternehmen kurz- bis mittelfristig ihre Leistungsversprechen erfüllen können. Aber die Erträge der Kapitalanlagen gehen schneller zurück als die garantierten Zinsen im Bestand.

Tagesgeld-Vergleich: Sag zum Abschied leise Zinstief

Tagesgeld-Vergleich

Sag zum Abschied leise Zinstief

Wer sich spontan vom Sparbuch trennen möchte, muss Vorschusszinsen zahlen. Arm werden Anleger dabei aber nicht. Wie der Abschied gelingt und ob das Tagesgeldkonto als Trostpflaster taugt, zeigt unser Tool der Woche.

Seit 2011 müssen die Versicherer eine Zinszusatzreserve aufbauen, um die Deckungsrückstellung zu stärken. Diese Reserve beläuft sich mittlerweile auf 20 Milliarden Euro. Zum 1.1.2016 tritt zudem das Regulierungsvorhaben Solvency II in Kraft, das mit zusätzlichen Kapitalanforderungen für Lebensversicherer einhergeht.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Franz Giegl

30.01.2015, 16:26 Uhr

wann klappt der endlich mal zusammen der Schäuble... hoffentlich ist der bald weg oder wird eben weggebracht, wie kann man nur so aktiv gegen das eigene Volk Politik machen... krass...

Herr Johann Mayerl

30.01.2015, 16:51 Uhr

Es würde ja schon genügen, wenn man die zusätzlichen Belastungen der rot-grünen Regierung von 2003 (VOLLE GKV-- und Pflege-Beitrag auf die Direktversicherung und anderen betrieblichen Altersvorsorgen) wieder abschaffen würde!

Das würde auch nicht zu Steuerausfällen führen!

Wer auf diese Weise für sein Alter vorsorgte zahlt in der GKV am Ende durch die voll verbeitragten Zusatzrenten ca. 70%!!! Kranken- und Pflegebeiträge. (Dass diese zusätzlichen Rentenansparungen inzwischen auch so gut wie KEINE Rendite abwerfen kommt noch erschwerend hinzu. Unterm Strich hätte der betroffen Bürger das Geld tatsächlich besser einfach unter sein Kopfkissen gestopft. Dann hätte er zumindest noch den nominalen Wert.

Beamte zahlen als Pensionäre aber nur 30%! Die anderen 70% bekommen sie im Alter von der Beihilfe dazu!
Das ist ein Skandal über den niemand spricht - oder schreibt!

Warum eigentlich? Haben Journalisten vielleich auch ein privilegiertes Versorgungswerk das nicht so mickrig ausfällt wie die gesetzliche Rente? Und haben Angst dass die Politik auch daran schrauben könnte wenn man zu "frech" wird?
Ein Schuft wer jetzt was Schlechtes denkt!

Wollen sie wissen was aus Ihrer gesetzlichen Rente plus Betriebsrente und Direktversicherung netto rauskommt? Haben Sie den Mut zur Wahrheit?
Fragen Sie mich - Email: die_rente_ist_sicher_lol@web.de

Herr Tom Schmidt

30.01.2015, 17:10 Uhr

Ist doch klar, nachdem die Griechen jetzt wieder Geld ausgeben wollen, bleibt halt hier nix übrig!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×