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04.09.2012

14:12 Uhr

Altersvorsorge

Keiner will mehr Riester-Versicherungen

VonAnke Rezmer, Thomas Schmitt

Geht Fonds und Versicherungen bei der Riester-Rente die Puste aus? Viele Vorsorgesparer zögern beim Vertreter, zahlen keine Beiträge mehr oder laufen sogar weg. Was die Verkaufszahlen bedeuten und was Kunden tun können.

Entwicklung der privaten Altersvorsorge (Riester-Rente), Quelle: BMAS

Entwicklung der privaten Altersvorsorge (Riester-Rente), Quelle: BMAS

FrankfurtManche sprechen von einem „Desaster“ für die Versicherer: Nur 2000 neue Riester-Verträge meldete die erfolgsverwöhnte Branche im zweiten Quartal. Das ist eine Nettozahl, die Abgänge in dieser staatlich geförderten Altersvorsorge sind also bereits verrechnet. Bei den Fonds lief es nicht besser.

Quartalssieger sind dagegen – wie in den ersten drei Monaten auch schon – wiederum die Bausparkassen mit ihrem Wohn-Riester. Ein Plus von 67.000 Verträgen entspricht 80 Prozent aller Neuabschlüsse zwischen April und Juni. Damit dominieren die Bausparkassen aktuell den Markt in der Riester-Rente.

Überblick: Die Kritik an der Riester-Rente

Anlass

Zehn Jahre ist die staatlich geförderte private Altersvorsorge nun auf dem Markt. Verbraucherschützer und Politiker nahmen dies zum Anlass, die Bilanz der Riester-Rente kritisch zu hinterfragen.

Effizienz

Viele Bundesbürger, deren gesetzliche Altersrente vermutlich zu knapp sein wird, nutzen die Riester-Rente bisher nicht.

Rendite

Wie stark sich die Riester-Rente lohnt, ist umstritten. Befürworter und Gegner verweisen auf jeweils unterschiedliche Modellrechnungen. Letztlich ist dieser Streit nicht zu entscheiden, da es bisher nur wenige Riester-Rentner gibt. Die Rendite hängt zudem stark davon ab, welche Variante der Riester-Rente und welcher Anbieter gewählt wird.

Kosten

Insbesondere bei Versicherungsverträgen fallen Vermittlungskosten an. Diese werden von Verbraucherschützern und manchen Politikern als zu hoch kritisiert. Je höher die Kosten sind, um so mehr schmälert das die Rendite des Vertrags.

Provisionen

Der Verkauf über Provisionen beinhaltet nach Ansicht von Verbraucherschützern die Gefahr, dass die Kunden nicht optimal beraten werden und der Vermittler am Ende zu einem Produkt rät, durch das er selbst am meisten verdient.

Transparenz

Viele Anbieter von Riester-Produkten haben wenig Interesse, ihre Daten offen zu legen. Dies zeigte sich zum Beispiel bei einer Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

Förderung

Die Förderung ist derzeit statisch. Sie sollte im Laufe der Zeit an die wirtschaftliche Entwicklung angepasst werden, also dynamisiert werden.

Komplexität

Viele Sparer durchschauen die Regeln der Riester-Rente nicht. Der bürokratische Aufwand ist hoch.

Wettbewerb

Die Konkurrenz unter den Anbietern ist nicht besonders ausgeprägt. Die Regierung wünscht sich mehr Wettbewerb, um auf diese Weise die Produktqualität zu verbessern.

Zusatzschutz

Mit der Riester-Rente kann man auch eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit abschließen. Der Nachteil aus Sicht von „Finanztest“: Die Altersrente fällt später geringer aus, die Berufsunfähigkeitsrente wäre voll steuerpflichtig. Von einer Berufsunfähigkeitsrente aus einem Vertrag ohne Riester-Förderung wäre dagegen nur ein kleiner Teil steuerpflichtig: der Ertragsanteil.

Kontrolle

Der Markt für Riester-Renten wird bisher nicht sehr scharf kontrolliert. Das könnte sich durch neue Kompetenzen für die Finanzaufsicht Bafin künftig ändern.

Es folgen die Riester-Banksparpläne mit plus 13.000 vor förderfähigen Versicherungen. Insgesamt entschieden sich 84.000 Menschen neu für eine Riester-Rente. Die Gesamtzahl der Riester-Verträge lag damit Ende Juni bei knapp 15,6 Millionen.

Die Zahlen stellte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dieses Mal still ins Internet. Als sich der Riester-Bestand den 15 Millionen näherte, verschickte Ministerin Ursula von der Leyen dagegen noch eine stolze Mitteilung.

Wohn-Riester: So macht der Staat den Weg zum Eigenheim billiger

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Die Regierung will die Regeln für den ohnehin beliebten Wohn-Riester noch verbessern und die Kosten senken. Ein Elf-Punkte-Programm für Häuslebauer, die dadurch viel Geld sparen. Die Sache hat allerdings einen Haken.

Was sagen diese Zahlen? Von der damals bejubelten "ungebrochenen Dynamik" ist nichts mehr zu erkennen, wenn man den gesamten Riester-Markt betrachtet. Netto 84.000 Riester-Rentner? Im Vorjahreszeitraum wuchs der Markt dreimal so stark.

Experten erwarten bald eine Marktsättigung: Insgesamt 20 Millionen Angestellte, Beamte und Hausfrauenwollen vielleicht die geförderten Verträge für die private Altersvorsorgeabschließen. Von den 15,5 Millionen Verträgen liegen derzeit elf Millionen bei Versicherern, drei Millionen bei Fonds. Den Rest verwalten Bausparkassen und Banken. Kein Wunder, dass die Anbieter die Ausweitung der Riester-Rente auf Selbstständige fordern.

Private Rente: Was bei der Riester-Rente schief läuft

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Was bei der Riester-Rente schief läuft

Die Politik ist sich in ihrer Kritik an der Riester-Rente überraschend einig.

Auffällig ist, dass sich immer mehr Menschen für den Wohn-Riester entscheiden und Banksparpläne wieder in Mode kommen. Die Kreditinstitute verkauften zuletzt deutlich mehr Riester-Sparverträge als Versicherer und Fonds zusammen – das ist ungewöhnlich. Und die Wohn-Variante der Riester-Rente ist erst mit Verspätung gestartet, holt aber nun mächtig auf.

 

Kommentare (51)

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kleinerika

04.09.2012, 12:56 Uhr

Was soll man denn mit diesen Müllsicherungen, bei denen man steuerlich/finanzielle Vorteile der Berufszeit in der Rentenzeit wieder abziehen muss! Ein typisch deutsches Täuschungskonstrukt.

audi

04.09.2012, 13:05 Uhr


Besser man legt sich in ein Bett mit Ottern und Nattern, als dass man mit dem Staat Geschäfte macht.

Denn bei den Schlange hat man die Chance, dass sie evtl. NICHT beißen. Der Staat aber, wird dich totsicher über den Tisch ziehen. Danach siehst du aus, wie eine Schlange, die sich gehäutet hat. Nur eben, das Innere hat Herr Schäuble, dir bleibt nur die wertlose Haut

pat

04.09.2012, 13:07 Uhr

Nach 5 Jahren musste ich aus Kapitalbedarf die Riester kündigen, bekam das Doppelte des Einbezahlten AUSBEZAHLT, also abzüglich Staatszahlungen. Es lief auf Fondsbasis, wobei Überschüsse zu Sparguthaben kamen, statt investiert zu werden.
Im Nachhinein als ein ausgezeichnetes Produkt.

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