Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.09.2013

19:29 Uhr

Altersvorsorge

Niedrigzinsen gefährden Betriebsrenten

Im Euro-Raum sind die Zinsen so niedrig wie nie. Das birgt Vorteile für Unternehmen, die investieren wollen. Aber es wird auch für viele schwieriger, die Pensionslasten zu finanzieren. Die Folgen spüren die Mitarbeiter.

Beispiel Lufthansa: Europas größte Fluggesellschaft garantiert ihren Mitarbeitern im Inland bisher eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent der eingezahlten Beiträge. dpa

Beispiel Lufthansa: Europas größte Fluggesellschaft garantiert ihren Mitarbeitern im Inland bisher eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent der eingezahlten Beiträge.

Frankfurt/MainDas Dauertief bei den Zinsen nagt nicht nur am Ersparten, es bereitet auch Unternehmen Probleme bei der betrieblichen Altersvorsorge. Um das Versprechen eines auskömmlichen Ruhestandbeitrags für die Mitarbeiter zu halten, muss manche Gesellschaft Geld zuschießen. Immer weniger Firmen, die für die Altersversorgung geradestehen, garantieren ihren Beschäftigten daher ein festes Versorgungsniveau.

Schwierig ist die Lage vor allem für Unternehmen, die eigene Pensionskassen unterhalten. „Pensionskassen haben oft noch eine garantierte Verzinsung von 3,5 bis 4 Prozent der Beiträge zugesagt. In Zeiten anhaltend niedriger Zinsen kann es schwierig werden, diese garantierten Zinsen erwirtschaften“, sagt Stefan Oecking, Partner bei dem Beratungsunternehmen Mercer. Im Zweifelsfall müsse das Trägerunternehmen Geld nachschießen.

Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags droht in den kommenden 15 Jahren allein bei den Betriebsrenten der Mittelständler eine Deckungslücke von 4,1 Milliarden Euro. Die Pensionsverpflichtungen des Mittelstands belaufen sich dem DIHK zufolge auf insgesamt 24 Milliarden Euro, die eigentlich durch Kapitalanlagen abgesichert sein sollten.

Fallstricke bei der Altersvorsorge

Inflation einkalkulieren (1)

Bei einer langfristigen Finanzplanung ist die Inflation ein wesentlicher Faktor. „100 Euro sind in 20 Jahren bei einer angenommenen jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent nur noch 67 Euro wert“, rechnet Finanzexperte Siebold vor.

Inflation einkalkulieren (2)

„Steigt die Inflationsrate auf drei Prozent, sind es nur noch rund 55 Euro.“ Nach 30 Jahren seien 100 Euro bei zwei Prozent Teuerung nur 55 Euro und bei drei Prozent nur rund 41 Euro wert, so der Experte. Einen Inflationsschutz bieten nach Expertenansicht Sachwerte wie Aktien oder Immobilien.

Zu niedrige Verzinsung (1)

Die Deutschen scheuen das Risiko, doch das kann bei der Altersvorsorge unangenehme Folgen haben. „Viele Deutsche fühlen sich mit Bar- und Festgeld sowie mit sicheren Rentenpapieren wohl“, sagt Finanzplaner Christian Siebold.

Zu niedrige Verzinsung (2)

„Aber wirklich riskant ist es, langfristig nicht auch chancenorientierte Investments beizumischen, damit die Rendite stimmt“, meint der Fachmann. Experten empfehlen Aktien, Anleihen und Fonds als chancenorientierte Anlagen. Auch alternative Investments wie Private Equity (außerbörsliche Beteiligungen), Rohstoffe oder Hedge-Fonds können ein Baustein des langfristig orientierten Altersvorsorgeportfolios sein.

Auf die Details achten (1)

Wer sich für ein Produkt entscheidet, sollte sich die Details genau anschauen. Private Rentenversicherungen bieten Flexibilität, die Einzahlungen lassen sich anpassen.

Auf die Details achten (2)

Wird aber beispielsweise die Riester-Rente nicht hoch genug bespart, zahlt der Staat auch nicht die volle Förderung. Grundsätzlich sollten Verbraucher unabhängigen Rat einholen und dafür auch Geld investieren.

Da die Zinseinnahmen niedriger ausfallen dürften als erwartet, müssten die Firmen die fehlenden 4,1 Milliarden Euro ausgleichen, warnte der DIHK im Frühjahr. Auf den Rekordwert von 311 Milliarden Euro beziffert Mercer die Pensionsverpflichtungen der 30 Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr, 55 Milliarden mehr als 2011. Dem steht ein Pensionsvermögen von 193 Milliarden Euro gegenüber.

Maßstab für die Berechnung von Pensionslasten ist die Rendite von Unternehmensanleihen mit guter Bonität, die seit geraumer Zeit rückläufig ist. Sinkt die Rendite der Anleihen, steigt der in der Bilanz anzusetzende Gegenwert der Pensionsverpflichtungen. Seit 2008 hat sich Oecking zufolge dadurch der Verpflichtungsumfang um 30 bis 40 Prozent erhöht.

Die Folge: die Unternehmen müssen mehr Rückstellungen bilden, was am Eigenkapital nagt.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.09.2013, 19:59 Uhr

Und wem hat`s der Deutsche Michel zu verdanken ?
Scheitert der Euro, scheitert Europa - so lautet doch der Spruch der Mecklenburgischen Zuckerschnecke. Auf dem Altar des Euro`s wird nach dem 22.09.13 noch einiges mehr geopfert werden müssen. Des Deutschen liebstes Spielzeug (Auto) schwächelt hier in diesem Lande doch schon lange vor sich hin. Jede Straße ist ein Eldorado für Schlaglochparties und inklusionsbesessene Grün-Pädophile verwirren unsere Jugend wie die Sirenen von Griechenland. Deutschlands Stärke ist doch nur auf den Schultern der unzulänglich entlohnten arbeitenden Bevölkerung gebaut. Eine Schande für eine Industrienation, die einst den Stempel Made in Germany trug, auch auf Druck der Alliierten als Brandzeichen gesetzt, zum Phönix aufgestiegen und nun auf dem besten Weg zur Bruchlandung.
Ein gelebte Demokratie bedeutet auch Widerstand - AFD, denn Arbeit muss sich endlich wieder lohnen

Chemnitzwolf

06.09.2013, 20:12 Uhr

Nicht nur die Betriebsrenten sind gefährtet sondern jede bisherige seriöse Form der Privatvorsorge. Der Staat ist sich mit den Versicherungen einig. Der dumme Michel muß geplündert werden. Nur die Kleinen, die trotz niedriger Einkommen sich fürs Alter etwas angespart haben, wind betroffen. Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner.
Wer wird das wohl sein?

Frankie

06.09.2013, 20:46 Uhr

Der Staat ist der Raubritter des 21. Jahrhunderts. Um die bereits bestehende Überschuldung zu verstecken, sind die Staaten Europas auf Niedrigstzinsen angewiesen, von denen jeder Ökonomiestudent im 1. Semester weiss, dass sie brandgefährlich sind. Private Vorsorge wird dadurch verunmöglicht und die Abhängigkeit der ursprünglich mündigen Bürger vom bankrotten Wohlfahrtsstaat täglich grösser. Das ist natürlich von der sozialistischen Politik gewollt. Irgendwann kommt der grosse Knall. Und keiner will es gesehen haben...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×