Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.04.2015

13:18 Uhr

Altersvorsorge

Pflege-Bahr fällt durch

Bei der Prüfung von Pflegetagegeldversicherungen hat das Magazin „Finanztest“ fünf „sehr gute“ und viele „gute“ Angebote gefunden. Staatlich geförderte Leistungen kamen im Test allerdings schlecht weg.

Die gesetzliche Pflegeversicherungen kann spätere Pflegekosten nicht komplett abdecken. dpa

„Finanztest“ prüft Pflegetagegeldversicherungen

Die gesetzliche Pflegeversicherungen kann spätere Pflegekosten nicht komplett abdecken.

BerlinOb Pflege zu Hause, im Heim oder in einer Wohngemeinschaft: Die gesetzliche Pflegeversicherung reicht nicht, um die Kosten komplett abzudecken. Wie die Stiftung Warentest am Dienstag in Berlin erklärte, kann die finanzielle Lücke im Pflegefall je nach Pflegestufe im Schnitt 540 Euro oder sogar mehr als 2000 Euro pro Monat betragen. Gute Pflegetagegeldversicherungen können die Lücke zwischen den Pflegekosten und den Zuschüssen der Pflegeversicherung laut der Zeitschrift „Finanztest“ (Mai-Ausgabe) schließen. Im Test fanden die Verbraucherexperten für ihre Modellkunden im Alter von 45 und 55 Jahren insgesamt fünf „sehr gute“ und immerhin 78 „gute“ Angebote.

Pflegetagegeldtarife gibt es als komplett ungeförderte Variante und als Kombitarif. Dieser enthält einen ungeförderten und einen staatlich geförderten Tarifanteil. Insgesamt schneiden die Kombitarife den Angaben zufolge etwas besser ab. Durch die staatliche Zulage von fünf Euro im Monat, mit der der Betrag des Versicherten aufgestockt wird, sind die Leistungen dieser Verträge etwas höher.

Die schwarz-roten Pflege-Pläne

Die Pflege in zwei Schritten

Zwanzig Jahre nach dem Beschluss zur Pflegeversicherung will die schwarz-rote Bundesregierung die Pflege in Deutschland nun in zwei Schritten reformieren. Kernpunkte der Pläne von Union und SPD:

Anpassung an Preisentwicklung

Die gut 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sollen ab 2015 um bis zu vier Prozent erhöhte Leistungen bekommen.

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. In Heimen sind neben Fachkräften dafür etwa 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz – künftig sollen es 45 000 sein.

KURZZEIT- UND VERHINDERUNGSPFLEGE

Flexibler und großzügiger sollen Hilfen gewährt werden für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr, ferner für vier Wochen ambulante Pflege etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen.

LOHNERSATZ BEI PFLEGEORGANISATION

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit – künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

RECHTSANSPRUCH AUF FAMILIENPFLEGEZEIT

Angehörige können sich für eine Pflegezeit bereits bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit aber, in der man auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann, ist für die Unternehmen freiwillig. Auch hier soll ein Rechtsanspruch her.

Vorsorgefonds

Von 2015 bis 2033 sollen steigende Milliardensummen in einen Fonds fließen. Wenn die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge 1959 bis 1967 verstärkt pflegebedürftig werden, sollen mit diesem Geld Beitragssprünge vermieden werden.

Ausbildung

Die Ausbildung zu Alten- und Krankenpflegern soll einheitlich werden, so dass Altenpfleger später besser wechseln können und der Beruf attraktiver wird.

Demenz

In Reformstufe 2 soll mit einer Großreform die Versicherung besser auf die zahlreicher werdenden Demenzkranken eingestellt werden. Die heute drei Pflegestufen sollen durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen stärker zählen.

Finanzen

Der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unter Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen.

Aber auch bei den ungeförderten Tarifen gibt es zahlreiche Angebote, die die von „Finanztest“ berechnete Versorgungslücke schließen. Der 45-jährige Modellkunde zahlt dafür monatlich 56 Euro und der 55-jährige Neukunde 87 Euro beim ungeförderten und beim Kombitarif.

Den sogenannten Pflege-Bahr hält die Stiftung Warentest hingegen für nicht ausreichend. Die Leistungen reichten nicht aus, um den Bedarf bei Pflegebedürftigkeit über alle Pflegestufen hinweg zu decken. Laut „Finanztest“ bekommen allerdings ältere oder bereits kranke Menschen häufig nur noch diese staatlich geförderte Tagegeldvariante, weil es keine Gesundheitsprüfung gibt. Nur wer bereits pflegebedürftig ist, bekommt keinen Vertrag mehr.

Die vom früheren Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) im Jahr 2013 eingeführte staatlich geförderte Zusatzpolice sollte mehr Anreize für die private Pflegevorsorge schaffen. Wer die Zusatzversicherung abschließt, bekommt unter bestimmten Voraussetzungen monatlich fünf Euro Zuschuss vom Staat für eine Pflege-Tagegeldversicherung.

Wenn das Geld für die Pflege nicht ausreicht, springt das Sozialamt ein. Wenn möglich, holt es sich das Geld von den Kindern des Betroffenen zurück, wobei es hier Einschränkungen gibt.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×