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31.05.2012

15:19 Uhr

Altersvorsorge

Raus aus der Lebensversicherung - so geht's

VonKerstin Leitel

Fast Jede zweite Lebenspolice wird vorzeitig aufgelöst. Dabei nimmt der Kunde häufig unnötige Abschläge in Kauf. Doch es gibt Alternativen - wenn man auf der Hut ist.

Wer sein Geld aus der Versicherung abzieht, kann hohe Verluste oft umgehen. gms

Wer sein Geld aus der Versicherung abzieht, kann hohe Verluste oft umgehen.

FrankfurtStatistisch gesehen hat sie jeder Deutsche: die Lebensversicherung. Doch nicht jeder ist glücklich mit der eingegangenen Verpflichtung, Monat für Monat Geld an den Versicherer zu überweisen - und das über mehrere Jahrzehnte. Heirat, Scheidung oder Arbeitslosigkeit können dazu führen, dass das Geld knapp wird und laufende finanzielle Verpflichtungen auf ein Mindestmaß reduziert werden müssen. Fast jede zweite Police wird daher vor Ende der vereinbarten Laufzeit - im Schnitt gut 20 Jahre - gekündigt. Auch angesichts immer niedrigerer Renditen liebäugelt manch ein Versicherter mit einer Ablösung der Police.

Dabei erlebt er nicht selten eine böse Überraschung. Denn gerade in den ersten Jahren nach Abschluss kann der Rückkaufswert, den der Versicherer bei einer frühzeitigen Kündigung anbietet, überraschend niedrig sein. Grund dafür sind die Abschlusskosten: Für Risikoprüfung, Erstellung und Verwaltung des Vertrags, die Zusendung von Informationen und nicht zuletzt Verkaufsprovisionen zwacken die Versicherungen einen ordentlichen Betrag von den eingezahlten Prämien ab.

Verbraucherschützer wie Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg sind deswegen skeptisch: „Festverzinsliche Wertpapiere wie Bundesschatzbriefe oder Festgeld sind fast immer die bessere Alternative. Damit hat noch niemand Geld verloren. Doch hat man eine Kapitallebensversicherung, sollte man nicht vorschnell kündigen. Denn es gibt andere Möglichkeiten, wie man seine Police zu Geld machen kann.

Vergleich: Welche Lebensversicherer die Zinsen senken

Vergleich

exklusivWelche Lebensversicherer die Zinsen senken

Einer nach dem anderen fällt um: Acht von zehn Versicherern senken die Zinsen, Kunden von mehr als 50 Gesellschaften sind betroffen. Ein Vergleich zeigt, wer bei der Rendite knausert und wie die Gesellschaften dastehen.

Um einen finanziellen Engpass zu überbrücken, kann man etwa prüfen, ob man durch Streichung von Zusatzleistungen seine monatlichen Beiträge senken kann. Auch kann man versuchen, die Laufzeit seiner Kapitallebensversicherung zu verkürzen, und vielleicht hilft auch eine Beitragsfreistellung aus der Klemme. „Gerade wenn der Ablauf des Vertrages kurz bevorsteht, sollten Sie statt einer Kündigung die Beitragsfreistellung zu einer falschen Lebensversicherung in Erwägung ziehen, rät der Bund der Versicherten.

In der Regel lohnen sich Vertragsänderungen laut Verbraucherschützern aber nur bei Lebensversicherungen, die schon einige Jahre laufen. Denn hält man die Police bis zum regulären Ablauf, werden „Schlussboni oder „Schlussgewinne fällig, und diese können mitentscheiden, ob sich die Police für den Versicherten lohnt oder nicht. Liegt der Vertragsabschluss erst zwei bis sechs Jahre zurück, sei aber häufig die Kündigung und Auszahlung eines Rückkaufswerts der beste Weg, sich von der Kapitallebensversicherung zu trennen.

Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung

Umsatteln

Kunden mit Kapital oder fondsgebundene Lebenspolicen können ihren Vertrag oft durch eine günstigere Risiko-Lebenspolice ersetzen, empfiehlt der Bund der Versicherten.

Kurzläufer

Sprechen Sie mit Ihrer Gesellschaft über eine kürzere Laufzeit. Aus steuerlichen Gründen sollte die Police mindestens zwölf Jahre laufen. Bis dahin können Sie die Police beitragsfrei stellen, die Prämie reduzieren oder verlangen, dass für den Beitrag die angesammelten Überschussanteile verwendet werden.

Beitragsfrei stellen

Wer eine Versicherung beitragsfrei stellen lässt, muss wissen, dass danach nichts mehr verändert werden darf.

„Generell gilt: Wenn man einen Kredit bedienen muss oder ständig im Dispo ist, ist es absurd, eine Lebensversicherung zu haben. Eine Kredittilgung mit dem Rückkaufswert und den ersparten Prämien ist wirtschaftlich sinnvoller, sagt Castello. Verbraucher sollten sich verschiedene Optionen durchrechnen lassen.

Kommentare (4)

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auchdabei

31.05.2012, 19:30 Uhr

Nicht alles was Verbraucherschützer raten, nützt den Verbrauchern.

fritzfp

31.05.2012, 20:59 Uhr

Münchner Bürger
Wegen der absehbaren und bereits zum damaligen Zeitpunkt eklatant spürbaren Miss-Performance habe ich meine drei Lebensversicherungen bereits zum 31.12.2010 aqufgelöst.
Mir tut jeder leid, der angesichts der sich rasant und katastrophal verschärfenden finanzwirtschaftlichen Lage dieser 'Bauernfängerei' weiterhin auf 'den Leim' geht.

Assecurancius

01.06.2012, 16:00 Uhr

Die hier empfohlene Treuhänder-Abwicklung schützt weder vor unseriösen Aufkäufern noch ist sie überhaupt sinnvoll. Stattdessen sollte man darauf achten, daß das grundsätzliche Geschäftsmodell des Ankäufers die Weiterführung der Police darstellt und das das Unternehmen Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) e.V. (BVZL) ist. Dort kann man auch kostenlos einen Verbraucherleitfaden für den Policencverkauf herunterladen: http://www.bvzl.de/media/Leitfaden_Qualitaetskriterien_Verkauf_deutscher_Kapitalversicherungspolicen.pdf

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