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15.07.2013

14:17 Uhr

Altersvorsorge

Riester-Rente wird zum Ladenhüter

Der Boom bei Riester-Verträgen war schon länger vorbei. Die Zuwächse schrumpften. Jetzt gibt es erstmals mehr Stornierungen als Neuabschlüsse. Ein Politiker sieht das als Beweis dafür, dass die Riester-Rente „floppt“.

Im Jahr 2000 präsentierten die damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel, links, und Arbeitsminister Walter Riester, neue Modelle der staatlichen Förderung von Privatrenten. ap

Im Jahr 2000 präsentierten die damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel, links, und Arbeitsminister Walter Riester, neue Modelle der staatlichen Förderung von Privatrenten.

BerlinDie Zahl der staatlich geförderten Riester-Rentenverträge zur privaten Altersvorsorge ist erstmals seit dem Start im Jahr 2001 zurückgegangen. Ende März gab es mit etwa 15,65 Millionen Verträgen rund 27 000 weniger als Ende 2012. Das geht aus Zahlen des Bundesarbeitsministeriums für das erste Quartal 2013 hervor. Bei den reinen Versicherungen beläuft sich das Minus auf 31 000 Policen, bei den staatlich geförderten Fondssparplänen auf 36 000 Verträge. Bei Banksparplänen und Wohn-Riester-Verträgen für Immobiliensparer gab es dagegen noch einen Zuwachs um 40 000.

„Es ist eine gewisse Marktsättigung eingetreten“, bestätigte ein Sprecher des Arbeitsministeriums die Entwicklung. Angesichts der Niedrigzinsphase sei es im Moment schwierig, „neue Gruppen“ für die Riester-Rente zu gewinnen. Die Zurückhaltung sei auch bei klassischen, nicht geförderten Lebensversicherungen zu erkennen. Erstmals hatte das Ministerium die neue Statistik nicht wie üblich per Pressemitteilung bekanntgegeben, sondern sie - eher unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit - auf die eigene Homepage gestellt. Aufgefallen war dies der „Süddeutsche Zeitung“.

Der Ministeriumssprecher nannte „statistische Verzerrungen“ in dem vom Fonds-Bundesverband angelieferten Zahlenwerk als Grund für die neue Veröffentlichungspraxis: Zur Auszahlung gekommene Verträge seien darin nicht mehr enthalten, der Rückgang also „falsch klassifiziert“. Solange dies nicht bereinigt sei, werde es keine Pressemitteilungen zu den Quartalszahlen geben.

Die Riester-Rente wurde eingeführt, um Abstriche bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Bis einschließlich 2011 wurden eine Million oder mehr Vertragsabschlüsse jährlich gemeldet. Immer wieder gab es aber auch Negativschlagzeilen wegen niedriger Renditen und hoher Kosten. Nun soll ein Produktinformationsblatt - eine Art Beipackzettel - die Riester-Rente transparenter und in Verbindung mit der Deckelung von Wechselkosten verbraucherfreundlicher machen.

Riester-Versicherungen: Tops und Flops

Noten

Fünfmal gut, achtmal ausreichend, keinmal sehr gut. Das ist das Ergebnis der jüngsten Riester-Untersuchung von Finanztest. Das Gros der getesteten 29 Angebote für eine klassische Riester-Rentenversicherung kam über ein befriedigend nicht hinaus.

Quelle: Finanztest, Oktober 2012

Die besten Tarife: Platz 3

Den dritten Platz bim Vergleich belegt die Debeka mit der Note 2,5. Ausgezeichnet wurde der Tarif Debeka Riester-Rente, F1 (01/12)

Platz 2

Zweitbester im Vergleich war die Alte Leipziger, die ebenfalls die Note 2,5 erhielt. Die gilt für den Tarif Alte Leipziger Klass. Riester-Rente, RV50

Der Testsieger

Kommt aus Franken. Bester Tarif war der Huk24 Riester-Rente, RZU24 mit der Note 2,4.

Die Unterklasse

Viele Tarife erhielten aber schlechte Noten. Acht Anbieter erhielten nur ein "ausreichend". Es folgen die drei schlechtesten Produkte.

Drittletzter

Platz 23 belegte die Neue Leben mit dem Tarif Riester-Rente R7 mit der Note 3,8.

Platz 24

Noch schlechter schnitt die Gothaer ab. Der Tarif Ergänzungsvorsorge – Classic, PRRC1B wurde mit 3,9 bewertet.

Der Letzte

Der schwächste Tarif im Test war die Klassik-Riester-Rente, ARG1 von der Axa. Die Note von Finanztest: 4,0.

Die kompletten Ergebnisse können Sie im Internet gegen eine Gebühr von 2,50 Euro erwerben: www.test.de/riester-versicherung


Ohne Urteil

Hanse Merkur24, Riestermeister, RM 2012

Es gebe gleichwohl noch Reformbedarf, räumte der Sprecher ein. So müsse das staatlich geförderte Spargeld dringend vor der Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter geschützt werden. Dies sei eine Aufgabe für die nächste Legislaturperiode. Forderungen nach Erhöhung der Grundzulage von 154 Euro wies der Sprecher „als nicht opportun“ zurück. Der Negativ-Trend spiegelt sich auch in den ruhend gestellten Verträgen wider. Diese haben inzwischen einen Anteil von geschätzt 19,5 Prozent. Damit werden in fast jeden fünften Vertrag keine Beiträge und auch keine Zulagen mehr einbezahlt. Ende 2011 traf dies nach früheren Angaben des Bundesfinanzministeriums nur auf 15 Prozent der Verträge zu.

Für den rentenpolitischen Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Matthias W. Birkwald, zeigt die Entwicklung, „dass die Riester-Rente floppt“. Viele Menschen mit geringem Haushaltseinkommen könnten sich die private Vorsorge nicht mehr leisten. Damit dies niemand merke, habe das Ministerium die neue Statistik „leise, still und heimlich“ ins Internet gestellt.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Steba82

15.07.2013, 15:31 Uhr

Die Rendite resultiert meist aus den staatlichen Zulagen - obwohl man diese für die Renditebetrachtung nicht einbeziehen sollte.
Ich nutze mit drei Kindern die UniProfi Rente und kann nur sagen:

Eine einzige Katastrophe !!!

Bei Höchstständen wird in UniGlobal investiert, bei Niedrigständen dann in UniEuroRenta umgeschichtet. (Extreme Sicherheitskomponente :-(

Ohne Zulagen hätte ich den Vertrag längst aufs Ruhekissen schicken müssen.

kraehendienst

15.07.2013, 15:50 Uhr

Und irgendwann heißt es: "Euro wird zum Ladenhüter".

anonym

15.07.2013, 16:01 Uhr

Steba82:

Ich kann dir nur raten in die Neue UniProfiRente select umzuschichten, da hast du diese Problematik nicht mehr.

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