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20.10.2011

10:00 Uhr

Altersvorsorge-Studie

Wenn die Krise die Rente frisst

VonRalf Drescher

Die Deutschen fürchten, dass die Euro-Krise ihre Renten drückt. Doch als Reaktion bauen sie nicht etwa die private Vorsorge aus, zeigt eine Studie. Die Investitionen für das Alter gehen sogar deutlich zurück.

Viele Deutsche erwarten, dass die Rente schrumpft. dpa

Viele Deutsche erwarten, dass die Rente schrumpft.

DüsseldorfDie europäische Schuldenkrise verstärkt die Sorge der Deutschen vor Armut im Alter. Jeder fünfte Berufstätige ab 50 Jahren fürchtet, seinen Lebensunterhalt im Alter nicht aus eigenen Mitteln bestreiten zu können. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Postbank in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD). Insgesamt hält sogar nur ein Drittel seine aktuelle Vorsorgesituation für ausreichend.

Für die Studie „Altersvorsorge in Deutschland“ hat das IfD 1.771 Deutsche befragt. Die Ergebnisse belegen die Verunsicherung, die durch ausufernde Staatsschulden und drohende Pleiten europäischer Staaten gefördert werden. Fast jeder Zweite der Befragten sieht in der Schulden- und Euro-Krise eine Gefahr für die Versorgung im Alter, 30 Prozent der Befragten fürchten, dass Transferzahlungen an europäische Staaten konkret zu Lasten der deutschen Rentenkasse gehen wird.

Die Angst vor einer wachsenden Rentenlücke führt allerdings nicht zu einer verstärkten privaten Versorge. Im Gegenteil: Zwar denkt jeder Dritte darüber nach, ob er nicht mehr vorsorgen müsste. Doch der Anteil derjenigen, die tatsächlich mehr für ihre Altersvorsorge tun wollen, ist der Studie zufolge rückläufig. So will von den jungen Berufstätigen (bis 29 Jahre) nur noch rund die Hälfte künftig mehr fürs Alter zurücklegen. 2010 hatten dies noch 59 Prozent geplant. Und der durchschnittliche Betrag, der in die Altersversorgung investiert wird, ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 188 Euro monatlich gesunken.

Ein Grund für schrumpfende Bereitschaft, sein Geld fürs Alter zurückzulegen, ist die Furcht vor Inflation. Jeder Dritte fürchtet, dass die Geldentwertung die eigenen Ersparnisse entwertet. Hinzu kommt ein nachlassendes Vertrauen in die bekannten Anlageformen. Jeder Dritte hat Zweifel an der Sicherheit seiner privaten Altersvorsorge. 43 Prozent fragen sich, welche private Anlageform überhaupt noch Sinn ergibt. Insbesondere die staatlich geförderte Riester-Rente kommt bei den Deutschen zunehmend schlecht weg: Nur 21 Prozent der Befragten halten die Riester-Rente für „besonders sicher“.

Klarer Favorit der Deutschen in dieser Hinsicht ist die eigene Immobilie. Angesichts der Angst vor Inflation und des historischen Zinstiefs haben die eigenen vier Wände für die meisten Befragten deutlich an Attraktivität gewonnen. 71 Prozent halten die Immobilie für eine besonders sichere Altersvorsorge. Jeder Dritte plant, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Das sind rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Und noch einen Sieger hat die Studie bei deutschen Sparern ermittelt: Die rasante Rally des Goldpreises auf zeitweise fast 1.400 Euro je Feinunze hat das Interesse an dem Edelmetall sprunghaft steigen lassen. Mehr als jeder achte Berufstätige plant, mit Gold für das Alter vorzusorgen. Und vier von zehn Deutschen halten Münzen und Barren für eine besonders sichere Anlageform.

Kommentare (49)

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MikeM

20.10.2011, 10:14 Uhr

Wen wundert das?! Die Entwicklung derzeit zeigt doch deutlich, dass derjenige, der vorsorgt (etwa durch Lohnverzicht oder andere Sparbemühungen) letztendlich der Depp ist, der für die anderen bezahlt, die ihre Dolce Vita leben. Warum sollte man als Durchschnittsverdiener vorsorgen, wenn der spätere Rentenertrag unterhalb des Sozielhilfebetrags liegen wird?! Das Rezept kann nur lauten: Sich später durch den Staat alimentieren lassen und während des aktiven Arbeitslebens möglichst viel Vermögen auf die Seite zu schaffen, und zwar so dass der Staat keinen Zugriff darauf hat. Traurig aber wahr.

omontono

20.10.2011, 10:19 Uhr

Ich bin davon überzeugt, das diejenigen von uns, welche heute eine zusätzliche Altersvorsorge abgeschlossen haben, ihre staatliche Rente einmal gekürzt bekommen werden.

Die Begründung wird sich dereinst folgendermaßen lesen:

Sehr geehrter dummer Michel,

da Sie bereits über private Zusatzrente(n) verfügen, wurde Ihre staatliche Altersvorsorge um ...% gekürzt.

Die prozentuale Kürzung wird jenen Personenkreis zu­gu­te­kom­men, welche über keine privaten Altersbezüge verfügen können.

Wir danken Ihnen für Ihren Solidarbeitrag zum Wohle der Allgemeinheit.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre deutsche Rentenkasse

Account gelöscht!

20.10.2011, 10:34 Uhr

Einfach mal im Versicherungsaufsichtsgesetz nachschlagen: § 89
Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen!!

Renten und Lebensversicherrungen? Definitiv ohne mich!!!!

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