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21.11.2012

12:36 Uhr

Altersvorsorge

S&P erwartet Zinssenkung bei Lebenpolicen

VonJens Hagen

Lebensversicherte bangen um ihre Altersvorsorge. Ab dem nächsten Jahr könnte zum Ablauf der Police noch weniger rauskommen. Die Ratingagentur S&P erwartet 2013 eine weitere Kürzung der Überschussbeteiligung.

Da nützt der beste Taschenrechner nichts: Die Verzinsung von Lebenpolicen sinken. dpa

Da nützt der beste Taschenrechner nichts: Die Verzinsung von Lebenpolicen sinken.

DüsseldorfDas liebste Sparprodukt der Deutschen dürfte auch im nächsten Jahr weniger attraktiv werden. Laut Ratingagentur Standard & Poors dürfte die Überschussbeteiligung im nächsten Jahr um 20 Basispunkte auf einen Wert zwischen 3,6 Prozent und 3,7 Prozent senken.

Die Ratingagentur erklärt, dass ein solcher Schritt die Gesellschaften sicherer machen würde. „Das würde die Finanzstärke der Branche verbessern und es den Gesellschaften einfacher machen, ihre Garantien nachhaltig zu erfüllen“, erklärte die Ratingagentur. Wenn angeschlagene Gesellschaften den wichtigen Zinssatz nicht senken würden, hält S&P negative Ratingschritte für möglich. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Versicherer auch in einem mittelfristig anhaltenden Niedrigzinsumfeld ihre Garantien erfüllen können“, sagte S&P-Experte Christian Badorff.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Eine weitere Senkung der Überschussbeteiligung wäre keine Überraschung. "Lebensversicherungskunden müssen in Zukunft sicherlich mit sinkenden Überschussbeteiligungen rechnen", sagt der Vorstandsvorsitzende beim Bund der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein. Grund zur Panik gebe es aber nicht, betont Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Vor allem Altkunden sollten nicht vorzeitig kündigen, sondern durchhalten. Ein Ausstieg bringe nur noch mehr Verluste.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale empfiehlt dagegen, jeden Vertrag auf den Prüfstand zu stellen. Unzählige Versicherte müssen um ihr Finanzpolster fürs Alter bangen.

Die Versicherer haben in den vergangenen Jahren nicht nur den Garantiezins abgesenkt, sondern auch die Überschussbeteiligung. Nach einer Analyse des Ratinghauses Morgen & Morgen senkten acht von zehn Gesellschaften zum Jahreswechsel ihre Überschussbeteiligungen. Im Schnitt beträgt die durchschnittliche Gesamtverzinsung laut Morgen & Morgen nur noch 3,9 Prozent nach 4,1 Prozent im Vorjahr. Die Gesamtverzinsung setzt sich aus laufenden Überschüssen und Garantiezins zusammen und bestimmt maßgeblich die Rendite einer Police. Schon im vergangenen Jahr haben die Gesellschaften ihre Zinsen um durchschnittlich 0,4 Punkte gesenkt.

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Warum sollen Lebenspolicen mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent attraktiv sein? Sind Provisionen für Vermittler der richtige Weg? Allianz-Vorstandsmitglied Alf Neumann stellt sich der Kritik an seinen Produkten.

Nicht nur die Zinssenkung ist ein Problem des Produktes. Überschüsse und Garantien können nur wirken, wenn die Gesellschaften die Kosten im Griff haben. Viele Versicherer haben in den vergangenen Jahren zwar teils erheblich Sparprogramme gefahren. Trotzdem sind die Sätze bei vielen Gesellschaften immer noch immens hoch. Für Abschluss und Verwaltung gehen bei Direktversicherern gehen gut vier bis sechs Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebsstarken Gesellschaften acht bis zehn Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen laut Morgen & Morgen sogar bis zu 15 Prozent.

Kommentare (6)

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defizit

20.11.2012, 15:01 Uhr

Gnade denen........die ihre Hypothek mit einer LV hinterlegt haben!

der_Mahner

20.11.2012, 15:47 Uhr

3,5% von Was. Garantie auf beliebig veränderbaren "variablen" Sparanteil.
"Wenn dein Pferd TOT ist steige ab." Zeigen Sie mir eine Versicherung welche in den letzten Jahren 3,5% für den Kunden real erwirtschaftet hat. Nach Abzug der ernormen Kosten müssten die Brutto-Rendite der Versicherung annährernd bei 6,5-7% liegen. Solche Anleihen gibt es seit vielen jahren nicht mehr am Markt. (viellicht abgesehen von Griechenland)
Bei 30 jahren Laufzeit erhalten Sie bei vielen Gesellschaften erst nach weit über 80% der Laufzeit einen höheren Garantiewert als die eingezahlten Beiträge.
Der kleine Mann zahlt auch hier wiederholt die Zeche. Weshalb wurde §89 VAG eingführt (garantiert ist im Zweifel eben doch nichts) und jetzt ganz aktuell zum 21.12 die Zuteilung der Bewertungsreserven nach Gutsherrenart an die LVs übertragen. Nettorenditen der Versicherungen können Sie heute nahezu mit jedem beliebigen besser verzinsten Bausparvertrag 2-3,5% erreichen. Und da müssten Sie nicht 30 jahre bangen und hoffen.
Riester, Rürup BAV, da wird lediglich die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Sonst hätte die assekuranz ja kein kein Geld mehr um die wertlosen Staatsanleihen (Papiergeld). Mir persönlich sind da Beteiligungen an 100 und mehr Jahre alten Unternehmen wesentlch lieber und vertrauenserweckender.

wegimex

20.11.2012, 21:39 Uhr

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Sparer die dieses Land am Leben erhalten werden auf allen Fronten enteignet zum Wohle des Euro. Zinsen unter Inflation, bald Vermögensabgabe, höhere Steuern(Einkommen und Abgeltung und Vermögenssteuer, Absenkung des Rentenniveaus in allen Elementen der Berechnungsformel. Höhere Gebühren überall, höhere Stromkosten wegen dem Energiewendequatsch etc. etc. Wann kommen die Massendemonstrationen , wann endlich eine neue Partei der Leistungsträger?

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