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24.02.2015

06:34 Uhr

Altersvorsorge Ü50

Überwinden Sie Ihr T-Aktien-Trauma

VonKatharina Schneider

Die Ernüchterung kommt spätestens mit dem Rentenbescheid. Dieser Betrag wird im Alter niemals reichen. Ein Grund zum Verzweifeln ist das aber nicht – auch wenn Sie heute bereits 50 sind. So funktioniert es.

Versagen der Volksaktie: Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer steht am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierbörse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird. ap

Versagen der Volksaktie: Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer steht am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierbörse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird.

DüsseldorfKommt ein 50-Jähriger mit seinem Sparbuch zum Vermögensberater. Sie lachen schon? Warten Sie mal ab. Kommt ein 50-Jähriger zum Vermögensberater und möchte in Aktien investieren. Amüsant? Schockierend? Mitnichten, denn angesichts der niedrigen Zinsen bei Sparbüchern, Tages- und Festgeldkonten, bleibt auch einem 50-Jährigen – sofern er an Vermögensaufbau interessiert ist – nur das Investment in Wertpapiere übrig.

Sie wollen widersprechen? Bitte, aber fangen Sie jetzt nicht wieder von Ihrer T-Aktie an. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Hunderttausende mit diesem Papier Geld verloren haben – mitunter auch viel Geld. Aber warum haben Sie auch alles auf eine Karte gesetzt? Dass Sie diesen Fehler nicht noch einmal machen wollen, ist schon mal positiv. Deshalb aber gleich sämtliche Aktieninvestments zu verteufeln, wäre fatal. Denn eine risikolose Geldanlage gibt es nicht mehr.

Wer weiterhin auf verzinste Spareinlagen setzt, kann damit nicht einmal die Inflation ausgleichen. Etwas muss sich also ändern. Das zeigte Ende 2014 auch eine Umfrage im Auftrag des Bankenverbands. Demnach waren zwei Drittel der Anleger mit der Wertentwicklung ihrer Geldanlage im zurückliegenden Jahr nicht zufrieden. 2012 war immerhin nur knapp jeder Zweite unzufrieden. Und tatsächlich könnte diese Unzufriedenheit zu einem Sinneswandel führen.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.


So kommt der GfK-Verein in seinem Investmentbarometer 2015 zu dem Ergebnis, dass Tagesgeld und Sparbuch 2014 im Vergleich zu 2011 am stärksten in der Gunst der Privatanleger verloren haben. Bei der Frage nach den attraktivsten Geldanlage- oder Geldaufbewahrungsformen nannten nur noch 19 Prozent das Tagesgeld (2011: 33 Prozent) und zehn Prozent das Sparbuch (2011: 24 Prozent). Aktien und Investmentfonds waren dagegen die einzigen Anlageformen, die an Attraktivität gewonnen haben. Beide wurden nun immerhin von 17 Prozent der Befragten genannt. 2011 konnten sich für Aktien nur acht Prozent und für Investmentfonds nur 14 Prozent der Befragten begeistern.

Vom Aufleben einer Aktienkultur kann trotzdem keine Rede sein, denn zwischen Theorie und Praxis liegen Welten. Bei der Frage nach den tatsächlich genutzten Anlageformen landete das Sparbuch mit 43 Prozent auf Platz zwei – nur getoppt von der eigenen Immobilie (45 Prozent). Die Aktienquote, so hat das Deutsche Aktieninstitut jüngst ermittelt, ist 2014 jedoch abermals gesunken. Nachdem 2012 etwa 12,8 Millionen Deutsche in Aktien oder Aktienfonds investiert hatten, waren es 2014 nur noch 8,4 Millionen.


Immerhin, als Aktienmuffel befinden Sie sich also in bester Gesellschaft. Doch diese Erkenntnis hilft nicht weiter. Vielmehr sollte sich daran die Frage anschließen, warum Sie eine solche Aktien-Allergie haben. Liegt es an der Angst vor dem Risiko und der kurzen Zeit bis zur Rente? Nun, wer heute 50 Jahre alt ist, wird in der Regel noch mindestens 17 Jahre arbeiten müssen. „Tatsächlich ist der Anlagehorizont für die Altersvorsorge aber noch länger“, erklärt Michael Huber vom Vermögenszentrum in Frankfurt. „Schließlich benötigt man bei Renteneintritt nicht das komplette Kapital auf einen Schlag.“ Auch, wenn es an der Börse zwischenzeitlich mal wieder abwärts geht, bleibt also noch genug Zeit, das wieder auszugleichen.

Kommentare (28)

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Herr Andreas Hobi

24.02.2015, 07:18 Uhr

Yep, jetzt noch einmal mit aller Gewalt versuchen, die "Hausfrauen" in die finale Hausse zu verleiten, damit dann endlich mal Kasse gemacht werden kann. Also kaufen, kaufen, kaufen ;.)

Herr Christoph Weise

24.02.2015, 07:46 Uhr

Ein gefährlicher und schlechter Rat vom Handelsblatt! Der Vermögensaufbau für Renten ist eine sehr langfristige Angelegenheit. Und langfristige Analysen zeigen, dass der Aktienmarkt keine ausreichende Sicherheit bietet. Die Indizes krachen irgendwann nach unten und Einzelwerte kollabieren. Man sehe ich dazu einfach mal den Kurszettel aus dem Jahre 1975 an und vergleiche mit heute. Nur ein Vermögenserhalt erfordert ständiges Umschichten. Das ist schwierig und daran verdienen der Staat (Steuern), die Banken (Gebühren) und die high-frequency trader, die von jeder Transaktion etwas abschöpfen. Die traurige Realität ist, dass die deutsche Politik mit zu dem Untergang des Rentensystems beigetragen hat: ohne Zinsen, gibt es keine Renten. Das Papiergeld ist auch nicht zur Wertaufbewahrung geeignet, weil die echte Inflation (ich schätze etwa 8% p.a.) zerstörend wirkt. Die einzige Alternative für sehr lange Zeiträume (Jahrzehnte) sind daher die Edelmetalle, auch wenn sie keine Zinsen abwerfen.

Jupp Zocker

24.02.2015, 08:00 Uhr

Keine zwei Tage vorbei und der nächste "Aktien sind alternativlos" & "Dividenden sind die neuen Zinsen"-Artikel.

Statistisch gesehen (ohne Garantie), braucht es mindestens eine 12-Jahresperiode, um das Verlustrisiko mit Aktien zu minimieren. Wenn man Pech hat, dann hat man 2000/2001 investiert und geht dann nach 10-15 Jahren gerade mal Null auf Null aus der Nummer raus und darf sich dann zwischen 50 und 60 täglich Sorgen darüber machen, ob es wieder steigt.

Wo waren diese Empfehlungen bei Dax 6.000, 7.000 oder letzten Oktober bei Dax 8.300?

Aber es gibt ja selbst beim Handelsblatt noch kritische Stimmen:
http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/musterdepots-ist-die-dividende-der-neue-zins/11402476-3.html

Frage an die Redakteurin (Frau Katharina Schneider): Würden Sie das Ihren Eltern auch so empfehlen?

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