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23.07.2014

07:30 Uhr

Altersvorsorge

Was das Zinstief deutsche Sparer kostet

Die deutsche Finanzbranche wettert gegen die „Enteignung der Sparer“ durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Eine Untersuchung zeigt jetzt, wie hoch die Verluste der Anleger wirklich sind.

Eine Frau hält eine Geldbörse in den Händen: Mit Spareinlagen verlieren Anleger häufig ihr Geld. dpa

Eine Frau hält eine Geldbörse in den Händen: Mit Spareinlagen verlieren Anleger häufig ihr Geld.

Frankfurt am MainEs ist paradox: Obwohl die Zinsen seit Monaten extrem mickrig sind, legen die Menschen in Deutschland ihr Geld bevorzugt auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto an. Um Aktien machen sie hingegen einen Bogen. Die Deutsche Bundesbank sieht eine „gewisse Risikoaversion“. Doch die Vorliebe für scheinbar sichere Anlagen kommt die Bürger teuer zu stehen: Weil Sparzinsen meist unter der Inflationsrate liegen, verlieren sie real Geld. Experten werfen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, mit ihrer Nullzinspolitik zugunsten kriselnder Euroländer die Sparer hierzulande zu enteignen.

Europas oberster Währungshüter Mario Draghi will sich diesen Schuh nicht anziehen. Er nehme die Sorgen sehr ernst, doch „die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen“. Der EZB-Präsident betont: „Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch.“ Man wolle genau das Gegenteil: das Wachstum unterstützen. Dann werde auch das Zinsniveau wieder anziehen.

Expertenmeinung zur EZB-Geldpolitik

„Vor Mitte nächsten Jahres gibt´s keine höheren Zinsen“

Expertenmeinung zur EZB-Geldpolitik : „Vor Mitte nächsten Jahres gibt´s keine höheren Zinsen“

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Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat für deutsche Sparer laut einer Studie milliardenschwere Verluste zur Folge. Die Allianz hat die Zinssätze 2013 mit den Durchschnittszinsen der Jahre 2003 bis 2008 verglichen und dann die durch die gelockerte Geldpolitik „entgangenen“ Zinsen auf der Einlagenseite den Zinsgewinnen bei Krediten gegenüberstellt. Das Ergebnis: Die Menschen in Deutschland verloren 2013 unter dem Strich pro Kopf 67,60 Euro. Hinzu kommt der Inflationseffekt.

„Der Zinsverlust hat sich von 34,20 Euro im Vorjahr fast verdoppelt, weil die Einlagenzinsen stark gesunken sind, vor allem die Baudarlehen aber kaum noch nachgaben“, sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen. Nach Zahlen des ersten Quartals dürfte der Pro-Kopf-Verlust 2014 sogar auf 71,60 Euro ansteigen. Verstärkt werde der Effekt dadurch, dass immer mehr Geld in kurzfristige Einlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten gesteckt werde.

In anderen Euroländern profitieren die Menschen hingegen nach früheren Angaben der Allianz von den Mini-Zinsen. Denn Schuldnern spielen niedrige Zinsen in die Karten, während Gläubiger die Verlierer sind. Holzhausen betonte: „Das zeigt, dass die deutschen Haushalte ihren Beitrag für die extrem lockere Geldpolitik der EZB zur Unterstützung der schwächeren Länder zahlen müssen.“

Tatsächlich zeigen Zahlen der Bundesbank, dass Sparer in den vergangenen 40 Jahren immer wieder reale Verluste hinnehmen mussten, wenn sie ihr Geld in kurzfristigen Spareinlagen (maximal drei Monate Kündigungsfrist) anlegten. Und zwar nicht nur, wenn der Leitzins wie aktuell bei 0,15 Prozent liegt. Auch weitaus höhere Zinsen liegen meist noch unterhalb der Inflation, die dann die Rendite auffrisst.

Trotzdem war der Aufschrei selten so groß wie derzeit. „Die anhaltende Niedrigzinspolitik beschädigt die dringend notwendige Altersvorsorge“, wettert etwa Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Gerade die Menschen in Deutschland legten ihr Geld traditionell sicher an und litten daher besonders unter den Mini-Zinsen.

Kommentare (25)

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Frau Ellis Müller

23.07.2014, 08:06 Uhr

"Er nehme die Sorgen sehr ernst, doch „die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen“. Der EZB-Präsident betont: „Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch.“
Diese Aussage ist arrogant, zynisch und zudem feige. Darghi weiß ganz genau, daß die Zinssätze von den Banken an die Sparer weiter gegeben werden. Mit den niedrigen Zinsen findet ein schleichender Schuldenschnitt der EURO Länder statt, auch Deutschlands. Das IST Enteigung der Sparer.

Herr Manfred Zimmer

23.07.2014, 08:38 Uhr

Es ist an der Zeit einmal Kassensturz zu Erfolg und Misserfolg der EZB-Politik zu machen. Es wäre Aufgabe der deutschen Politiker gewesen, ihre "alternativlosen" Entscheidungen selbständig zu kontrollieren und ggfs. zu korrigieren.

Die Nullzinspolitik, der Ankauf von Staatsanleihen hat die deutschen Sparer unmittelbar und Dur Haftung der Deutschen allgemein belastet. Die strukturellen Probleme sind trotz der aufwendigen " Rettungsaktionen " der EZB im Vergleich von zuvor zumindest unverändert. Ja, wenn man ehrlich ist und die Meldungen der letzten Tageaks wahr annehmen will, dann ist die Verschuldung der Krisenstaaten aktuell so hoch wie nie.

Was war also der Erfolg der EZB-Politik?

Es muss ein streng geheimer Vorgang sein. Ansonsten würden wir dies überall lesen!

Die EZB hat also die Altersvorsorge der Deutschen " verbraten", hat sie in eine Haftung hineingetrieben, wie selbst die AfD im Wahlkampf nicht ausgemalt hat. Die Parlamentarier haben sich in diesem Jahr 10 % Diätenerhöhung gegönnt und ihre ursächlichen Aufgaben nicht wahrgenommen.

Die EZB operiert mit einem Massnahmenpaket, dass zur Problemlösung absolut ungeeignet ist.

Die Bundesbank votiert für starke Lohnzuwächse in Deutschland, um einmal das Lohngefälle zu den Krisenländern wieder auszugleichen, diesen Ländern wieder Wettbewerbschancen einzuräumen und ihre Schulden wieder abzuarbeiten.

In Deutschland wurden nicht nur die Sparer geschädigt, auch die Agenda 2010 hat Arbeiter und Angestellte quasi zu einem Nulltarif (Verzicht auf angemessenen Lohnsteigerungen) für die Reichen der Gesellschaft gearbeitet. Dies alles nach dem Drehbuch des "sozialdemokratischen" Altkanzlers Schröder.

Diese Politik wird wohl lange Zeit als die unmoralischste ihrer Art erhalten bleiben, die nicht zuletzt die EU an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit, ihres Zusammenbruchs gebracht hat.

Angela Merkel hatte Recht mit ihrem Einwurf: Stirbt der Euro, stirbt Europa.

Wir stehen kurz davor..

Herr Manfred Zimmer

23.07.2014, 08:43 Uhr

Die EZB muss für den angerichteten Schaden gegenüber den Sparern, die Deutschen insgesamt entschädigen.

Die Deutsche Bundesbank muss übernehmen.

Die Kriminalität muss aus der EZB wieder zurückgedrängt werden. Die Entscheidungspositionen müssen qualitativ besetzt, ja Neubesetzung werden.

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