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24.07.2017

16:45 Uhr

Angebote im Vergleich

Wo es die günstigsten Ratenkredite gibt

VonJulia Groth

Immer mehr Deutsche schließen Ratenkredite ab, um sich Wünsche zu erfüllen. Vor allem bei langen Laufzeiten sollte man jedoch sorgfältig auswählen. Denn die Konditionen unterscheiden sich deutlich, zeigt eine Auswertung.

Vergleichen lohnt sich. Imago

Ratenkredit

Vergleichen lohnt sich.

DüsseldorfKonsumentenkredite stehen hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr schlossen deutsche Verbraucher insgesamt 7,7 Millionen neue Ratenkreditverträge ab, zeigen Daten der Wirtschaftsauskunftei Schufa. Das waren rund drei Prozent mehr als im Vorjahr. Über ein Drittel der neuen Kreditnehmer liehen sich mehr als 10.000 Euro von der Bank. Die meisten Bankkunden dürften ihre Darlehenswünsche problemlos erfüllt bekommen haben: Zu 90,7 Prozent der bei der Schufa verzeichneten Konsumenten lagen im vergangenen Jahr ausschließlich positive Informationen vor.

Mit Raten- oder Konsumentenkrediten können sich Verbraucher ohne langes Sparen Wünsche erfüllen, etwa eine neue Küche. Sie leihen sich Geld von der Bank und zahlen sie in Raten zurück. Laufzeit und Zinshöhe des Kredits werden bei Vertragsabschluss festgelegt. Wie hoch der Zinssatz ausfällt, hängt auch von der Bonität der Kreditnehmer ab. Je kreditwürdiger ein Kunde ist, desto bessere Bankkonditionen bekommt er – sofern er nicht gerade einen bonitätsunabhängigen Kredit wählt.

Die FMH-Finanzberatung hat für das Handelsblatt bonitätsabhängige Ratenkredite von 24 Geldhäusern geprüft. Die Experten haben den Effektivzins und die monatliche Rate für einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro verglichen, bei Laufzeiten von 24 bis 60 Monaten. Dabei haben sie die Angebote nach bester und guter Bonität getrennt. Wer eine schlechte Bonität hat, bekommt meist keinen Kredit. Zusätzlich gibt FMH den von den Banken ausgewiesenen Zweidrittelzins an. Das ist der Preis, den zwei von drei Kunden höchstens zahlen. Er dient als Richtwert und erleichtert den Vergleich.

Bei den Offerten sollten sich Interessenten, die ihre Bonität nicht genau kennen, besser am Zweidrittelzins orientieren als an den Zinssätzen für Kunden mit höchster Kreditwürdigkeit. Obwohl Deutsche als zuverlässige Schuldner gelten, haben nur wenige eine Top-Bonitätsnote. Auch wenn keine negativen Informationen über einen Konsumenten vorliegen, gibt es nicht automatisch das beste Rating. „Da spielen viele Faktoren zusammen, die nicht alle veröffentlicht werden“, sagt FMH-Chef Max Herbst. Zahlungsverhalten, Einkünfte und Vermögensverhältnisse sind einige der Kriterien, die bei der Bonitätsprüfung eine Rolle spielen.

Die Auswertung zeigt: Der Unterschied zwischen guter und sehr guter Bonität ist groß. Kunden mit Top-Kreditwürdigkeit zahlen etwa bei der SWK Bank über alle untersuchten Laufzeiten hinweg im Mittel einen Effektivzins von 1,88 Prozent pro Jahr. Damit steht die Direktbank mit Sitz in Bingen am Rhein an der Spitze des FMH-Rankings. Kunden, die nur über eine gute Bonität verfügen, bekommen bei der Postbank besonders günstige Konditionen. Mit 3,37 Prozent müssen sie dort aber einen klar höheren Jahreszins zahlen als Verbraucher mit Bestnoten. Zwischen dem Topangebot für Kunden mit bester Bonität und dem schlechtesten Angebot für Kunden mit guter Bonität liegen 3,65 Prozentpunkte Unterschied. Bei einer Kreditlaufzeit über 60 Monate und 10.000 Euro Kreditsumme entspricht das rund 20 Euro pro Monat.

Lange Laufzeiten kommen gut an

Gerade Kunden, die einen langlaufenden Ratenkredit aufnehmen, sollten sorgfältig nach guten Konditionen suchen, rät Herbst. „Je länger ein Kredit läuft, desto stärker machen sich geringfügig höhere Zinsen bemerkbar“, sagt er. Die monatliche Rate der Kreditnehmer setzt sich aus Zins und Tilgung zusammen, wobei sich das Verhältnis mit jeder Rate ändert, da die Restschuld sinkt. Wer kleine Raten tilgt, tilgt langsamer – und zahlt umso mehr Zinsen. Die meisten Menschen entscheiden sich trotzdem für Angebote mit langer Laufzeit. „Sie sind oft etwas klamm und wollen keine hohen monatlichen Raten zahlen“, sagt Herbst.

Es bringt nichts, hohe Raten stemmen zu wollen, wenn man in der Folge ins Minus rutscht und Dispozinsen zahlen muss, warnt Herbst. „In diesem Fall sollte man lieber eine längere Laufzeit wählen.“ Der Grund: Verbraucher können früher aus dem Kreditvertrag herauskommen. Die EU-Richtlinie für Verbraucherkreditverträge erlaubt es Bankkunden, Ratenkreditverträge mit einer Frist von einem Monat zu kündigen. Eine vorzeitige Kündigung bietet sich etwa an, wenn man dank eines Bonus mehr Geld auf dem Konto hat. Die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung, die viele Kreditinstitute dann als Ausgleich für entgangene Zinszahlungen verlangen, darf höchstens ein Prozent der Restschuld betragen. Bei einer Kreditsumme von 10 000 Euro sind das maximal 100 Euro.

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