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12.06.2014

12:55 Uhr

Anreiz zum Ausgeben

Das selbstentwertende Geld

VonBastian Benrath

Erstmals in ihrer Geschichte verlangt die EZB Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr parken. Ökonomen gehen mit ihren Gedankenspielen sogar noch weiter: Bargeld könnte etwa per Lotterie entwertet werden.

Experten-Meinung zum EZB-Entscheid

„Das Hauptziel ist: Man will den Euro schwächen“

Experten-Meinung zum EZB-Entscheid: „Das Hauptziel ist: Man will den Euro schwächen“

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DüsseldorfEs klang wie eine Drohung. Als Mario Draghi Anfang Juni als erster Chef einer großen Notenbank überhaupt einen negativen Einlagenzins verkündete, machte der Italiener klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zum Handeln bereit ist: „Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

Doch bereits der Strafzins auf geparktes Geld für sich genommen ist für Banken im Euro-Raum ein Novum. Draghi will es damit den Geldhäusern schmackhaft machen, Bares nicht einzubehalten, sondern verstärkt in Form von Krediten in die Wirtschaft zu weiterzureichen. Die Konjunktur könnte dadurch angekurbelt werden.

Ökonomen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie üben sich in Gedankenspielen darin, wie auch Privatleute im Notfall zum Geldausgeben getrieben werden könnten. Eine naheliegender Anreiz: Wer sein Geld nicht ausgibt, läuft Gefahr, dass es wertlos wird. Dabei werden gleich mehrere Ansätze diskutiert.

Zum Beispiel könnten Geldscheine mit bestimmten Endnummern für ungültig erklärt werden. Welche Scheine das seien, würde durch Los entschieden. Eine weitere Möglichkeit: Jeden Tag, den ein Geldschein im Umlauf ist, verliert er an Wert. Dabei könnte der aktuelle Wert des Scheines auf einem Magnetstreifen festgehalten werden. Schließlich könnte man auch allen Barzahlern kollektiv an den Kragen gehen: Vorstellbar wäre, dass diejenigen, die cash bezahlen wollen, einfach mehr bezahlen müssten.

Währungsbilanz 2014 - Euro verliert an Boden

Ukrainische Hrywnja

Euro/Hrywnja (lfd. Jahr): + 39,7 Prozent

Stand: 22.07.2014, Quelle; VWD

Argentinischer Peso

Euro/Argentinischer Peso (lfd. Jahr): + 23,2 Prozent

Russischer Rubel

Euro/Rubel (lfd. Jahr): + 5,3 Prozent

Chinesischer Yuan

Euro/Yuan (lfd. Jahr): + 0,9 Prozent

Polnischer Zloty

Euro/Zloty (lfd. Jahr): - 0,2 Prozent

Südafrikanischer Rand

Euro/Rand (lfd. Jahr): - 0,1 Prozent

Schweizer Franken

Euro/Franken (lfd. Jahr): - 0,5 Prozent

Kanadischer Dollar

Euro/Kan-Dollar (lfd. Jahr): - 0,7 Prozent

US-Dollar

Euro/Dollar (lfd. Jahr): - 1,7 Prozent

Mexikanischer Peso

Euro/Peso (lfd. Jahr): - 2,1 Prozent

Türkische Lira

Euro/Lira (lfd. Jahr): - 2,5 Prozent

Indische Rupie

Euro/Rupie (lfd. Jahr): - 4,1 Prozent

Britisches Pfund

Euro/Pfund (lfd. Jahr): - 4,8 Prozent

Japanischer Yen

Euro/Yen (lfd. Jahr): - 5,4 Prozent

Brasilianischer Real

Euro/Real (lfd. Jahr): - 7,5 Prozent

Australischer Dollar

Euro/Aus-Dollar (lfd. Jahr): - 7,6 Prozent

Zur Erinnerung: Dies alles sind Gedankenspiele. Die negativen Einlagenzinsen, wie Draghi sie jetzt vorgibt, treffen nur die Banken – und die haben fürs Erste nicht vor, die Entwicklung an die Sparer weiterzugeben. „Es drohen keine negativen Einlagenzinsen für Privatleute“, urteilt Gunnar Meyer von der Commerzbank.

Heikler würde es erst, sollte EZB-Chef Draghi als nächstes zum Großangriff gegen fallende Preise ausholen und einen negativen Leitzins verkünden. In diesem Falle würden Banken Zinsen dafür bekommen, wenn sie sich Geld von der EZB leihen. Gäben die Banken diesen Zins weiter, könnten auch Firmen daran verdienen, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen.

Kommentare (84)

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12.06.2014, 13:01 Uhr

Vielleicht sollten die Herrschaften Entscheidungsträger mal lotteriemäßig russisch Roulette spielen... ...gehts noch???

Account gelöscht!

12.06.2014, 13:07 Uhr

In Zimbabwe gab es auch Geld mit aufgedruckter Endhaltbarkeit. Danach war es wertlos. Das ist die Zukunft. Wie ich diejenigen, die für das Alter sparen müssen, bedauere.
Aber: Der Euro bringt Euch am meisten. Und ohne Solidarität (O-Ton CDU) - also ohne Enteignung - ist er nicht zu haben.
Wenigstens krepiert die FDP schon.

Account gelöscht!

12.06.2014, 13:17 Uhr

Game Over ist angesagt in der Euro/EU - Zone. Wer solche Gedankenspiele hat ist nicht ganz dicht oder das politisch-finanzielle Debakel reicht den Eliten schon bis zum Hals.

Nur mal unter uns ein Beispiel, viele Familien sparen sich Ihren Jahresurlaub zusammen und diese Familien sollen nun bestraft werden?

Wenn die Eliten weiter so machen, dann werden sich die Menschen wieder an die franz. Revolution erinnern.

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