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09.07.2012

08:21 Uhr

Auf und davon

Wie man der Heimat kündigt

VonAnnika Williamson

Egal ob Abenteuer oder neuer Job – viele Deutsche zieht es irgendwann in die Ferne. Doch wer vom Auswandern träumt, vergisst oft die vielen Hindernisse. Woran man denken muss, und wo man sich nicht linken lassen sollte.

Wer der Heimat den Rücken kehrt, muss sich auf viel Bürokratie einstellen. picture-alliance

Wer der Heimat den Rücken kehrt, muss sich auf viel Bürokratie einstellen.

CharlotteWie sehr man mit Abos, Mitgliedschaften und Verträgen aller Art an einen Ort gebunden ist, merkt man oft erst, wenn man der alten Heimat den Rücken kehren will. Sich aus diesen Fesseln zu befreien, erfordert viel Planung und Geduld.

Zwar passen die Gesetzgeber in Deutschland und der Europäischen Union ihre Gesetze zunehmend an eine mobile Gesellschaft an. Trotzdem müssen Auswanderer mit einem Durcheinander an Regelungen rechnen. Ein nicht gekündigter Vertrag kann im besten Fall auch im Ausland nützlich sein, kostet in den meisten Fällen jedoch unnötig Geld, und ist im schlimmsten Fall sogar gesetzeswidrig.

Verträge, die bei verpasster Kündigungsfrist teuer werden

Meist gibt ein Umzug ins Ausland kein Recht, einen Vertrag vorzeitig zu beenden. Die Bedingungen für eine Sonderkündigung sind von Fall zu Fall verschieden, doch der rechtliche Grundsatz lautet: „Vertrag ist Vertrag“. Es kann also passieren, dass man die monatlichen Beiträge für das Fitnessstudio so lange weiter berappen muss, wie man es bei der Anmeldung versprochen hat.

Lange vorausplanen ist daher die beste Devise, wer das versäumt hat, kann meist nur auf eine Kulanzentscheidung hoffen. Um den Schriftverkehr bei der Kündigung von Verträgen und Mitgliedschaften zu reduzieren, sollte man allen Schreiben einen Nachweis für den Umzug ins Ausland beilegen – eine Bescheinigung vom Arbeitgeber, die Abmeldung vom Einwohnermeldeamt oder ein anderes verlässliches Dokument.

Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ist damit vollends zufrieden und berechnet frühestens zum Ende des Monats, in dem die Abmeldung eingegangen ist, zum letzten Mal die Beitragsgebühr.

Schwieriger war es bis vor kurzem bei Telefon-, Internet- und Mobilfunkverträgen. Diese gehören häufig mit zu den teuersten Verträgen, die der Verbraucher monatlich bezahlt. Viele sind nur alle zwei Jahre kündbar, was die immer mobileren Kunden in den vergangenen Jahren zunehmend verärgert hat.

Der Gesetzgeber hat darauf mit einer neuen Regelung reagiert, die im Mai in Kraft getreten ist. Im neuen Telekommunikationsgesetz heißt es, dass ein Vertrag beendet werden kann, wenn das Unternehmen die vereinbarte Leistung am neuen Wohnort nicht erbringen kann. „Da hiesige Firmen nur im Inland ein eigenes Mobilfunknetz betreiben und bei Auslandsgesprächen die Netze der dortigen Anbieter nutzen (Roaming), dürfte regelmäßig die Kündigung greifen“, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu Handyverträgen.

Kommentare (13)

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vandale

09.07.2012, 08:48 Uhr

Ich bin mehrfach international umgezogen und lebe seit ein paar Jahren nicht mehr in D. Fitnessstudios und Vereine lassen in der Regel mit sich reden. Man kann argumentieren dass die Vertragsgrundlage entfallen ist. Versicherungen haben meist Bedingungen die eine Kündigung bei Umzug ins Ausland nahelegen. Eine Deutsche PKV lässt sich kündigen, oder auf Anwartschaft ohne Altersrückstellungen umstellen was dann nicht mehr teuer ist.

Problematisch sind Mobilfunkverträge die meist eine 3-stellige "Entschädigung" fordern, sofern sich dies in den vergangenen Jahren geändert hat?

Problematisch ist die GEZ Fernsehsteuer. Ein Einschreiben mit Rückschein und Einsprüche zu den folgenden Mahnungen sind ein regelmässiges Aergernis.

Man sollte sich ein Bankkonto in Deutschland und falls man in ein Land ohne funktionierende Post zieht, eine Postadresse erhalten.

Am schönsten ist es dann die letzte Steuererklärung anzufertigen und sich auf die niedrigeren Abzüge der neuen Heimat zu freuen.

Vandale

Account gelöscht!

09.07.2012, 08:49 Uhr

Ist gar nicht so kompliziert. Mietvertrag kündigen. Strom und Gas abbestellen. Auto abmelden. Bankkonten auflösen. Dem Finanzamt die Auswanderung mitteilen. Versicherungen kündigen.
Wer kein Bankkonto in Deutschland hat, dem kann auch nicht gepfändet werden wenn z.B. die Versicherung die Kündigung nicht annimmt.
Für deutsche die im Ausland leben besteht dort keine Meldepflicht beim Konsulat. Dennoch sollte man sich das neue Wohnsitzland im Pass eintragen lassen. Bei besuchen und einkäufen in Deutschland kann man so die Mehrwertsteuer zurück bekommen.

Account gelöscht!

09.07.2012, 09:14 Uhr

Das geht doch ganz einfach: seinen Besitz versilbern, das Bankkonto auf Null stellen, sein Handy verschenken und verreisen in ein Land, in dem es kein Meldegesetz gibt und wo das Außensteuergesetz nicht greift. Sogar seine Steuerschulden, die man schon vorsorglich aufgebaut hat, kann man hinterlassen, denn im Gegensatz zu Nicht-Erklärung ist Nicht-Bezahlung nicht strafbar.

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