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30.12.2011

12:24 Uhr

Ausschüttung

Lebensversicherer senken Überschussbeteiligung

50 Versicherer senken die laufende Verzinsung ihrer Kundengelder so stark wie seit Jahren nicht mehr. Zwölf halten sie stabil und nur die Deutsche Ärzteversicherung zahlt mit gut vier Prozent mehr als vor einem Jahr.

Für 2011 hatten die Versicherer noch 4,07 Prozent ausgeschüttet. dpa

Für 2011 hatten die Versicherer noch 4,07 Prozent ausgeschüttet.

FrankfurtDie deutschen Lebensversicherer senken die laufende Verzinsung ihrer Kundengelder im kommenden Jahr im Schnitt so stark wie seit Jahren nicht. Die Überschussbeteiligung geht nach Daten von 63 Lebensversicherern im Mittel auf 3,86 Prozent zurück, wie aus Daten der Kölner Ratingagentur Assekurata und Berechnungen von Reuters hervorgeht.

Für das zu Ende gehende Jahr hatten die Versicherer im Schnitt noch 4,07 Prozent ausgeschüttet, 2009 waren es sogar noch 4,26 Prozent. Die Branche muss dem Zinsrückgang sicherer Kapitalanlagen wie Bundesanleihen Tribut zollen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren heute nur noch mit 1,83 Prozent, vor einem Jahr waren es 2,94 Prozent.

50 Versicherer haben ihre Überschussbeteiligung auf den Sparanteil der Beiträge gesenkt, das sind nahezu 80 Prozent. 12 halten sie stabil, nur die Deutsche Ärzteversicherung zahlt mit 4,05 Prozent marginal mehr als vor einem Jahr. Von einigen Unternehmen liegen noch keine Angaben vor.

Zins-ABC

Begriffe

Die Lebensversicherer arbeiten mit drei Zinsbegriffen. Verzinst wird Gespartes minus Kosten, also nicht der Beitrag.

Garantiezins

Manche Altkunden bekommen mindestens vier Prozent Zinsen. Ab 2012 gibt es nur noch 1,75 Prozent.

Überschussbeteiligung

Das ist die Kombination aus Garantiezins und dem darüber hinausgehenden Anlageerfolg. Der Satz wird jährlich mitgeteilt und gutgeschrieben. 2011 wird die Überschussbeteiligung branchenweit unter vier Prozent fallen.

Gesamtverzinsung

Bei auslaufenden Verträgen zahlt der Versicherer zum Schluss noch einen Bonus fürs Durchhalten.

Branchenexperten hatten schon mit einem Rückgang auf rund 3,9 Prozent gerechnet. Marktführer Allianz Leben liegt mit 4,00 (4,10) Prozent noch knapp darüber - und genau auf der magischen Grenze. Denn für Policen, die in den 1990er Jahren neu abgeschlossen wurden, gilt noch eine Garantieverzinsung von vier Prozent.

Wer damals eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, hat diesen Zinssatz unabhängig von der jährlich neu festgelegten Überschussbeteiligung damit sicher. 2012 sinkt dieser vom Staat festgesetzte Höchstzins, den die Versicherer über die gesamte Laufzeit zusagen dürfen, auf 1,75 von 2,25 Prozent. Die Branche hatte die Senkung des Garantiezinses als Verkaufsargument genutzt, vor dem Jahreswechsel noch eine Police abzuschließen.

Die besten Lebensversicherer

Targo

Targo

2011: 4,80 Prozent

2012: 4,60 Prozent

Interrisk

Interrisk

2011: 4,40 Prozent

2012: 4,40 Prozent

Europa

Europa

2011: 4,50 Prozent

2012: 4,35 Prozent

Ageas Deutschland

Ageas Deutschland

2011: 4,50 Prozent

2012: 4,25 Prozent

Neue Leben

Neue Leben

2011: 4,40 Prozent

2012: 4,20 Prozent

Stuttgarter

Stuttgarter

2011: 4,40 Prozent

2012: 4,20 Prozent

Die größten Abstriche müssen nach den Daten von Assekurata die Versicherten der Sparkassen-Versicherung Sachsen machen, die 2012 mit 3,4 Prozent um 0,6 Prozentpunkte weniger gutgeschrieben bekommen als in diesem Jahr. Oeco Capital hat um 0,5 Prozent gesenkt, Generali Leben um 0,4 Prozent.

Die Öffentliche Versicherung Berlin-Brandenburg zahlt nur noch 3,3 Prozent, Zurich Leben 3,35 Prozent. Spitzenreiter bleibt nach den vorläufigen Daten die Targo Lebensversicherung mit 4,6 (4,89 Prozent Überschussbeteiligung, die InterRisk schüttet stabil 4,4 Prozent aus, die Europa Leben 4,35 (4,5) Prozent.

Von

rtr

Kommentare (3)

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ort

30.12.2011, 15:29 Uhr

Ich glaube der Wert der EUROPA stimmt nicht, da die 4,35% die Gesamtverzinsung (inkl. Schlussueberschuss)sind, d.h. reine Ueberschussbeteiligung ist noch gar nicht bekannt. Interessant auch, dass Cosmos noch nicht veroeffentlicht hat; da erwarte ich eine herbe Enttaeuschung.

Thomas.Schmitt

02.01.2012, 12:25 Uhr

CosmosDirekt passt die Verzinsung für klassische Lebens- und Rentenversicherungen an die aktuelle Kapitalmarktsituation an. Die laufende Verzinsung für 2012 wird 4,05 Prozent betragen (Vorjahr 4,25 Prozent). So heißt es in der Pressemitteilung

Mazi

07.01.2012, 22:45 Uhr

Wie schön ist es doch, wenn Versicherer mit der Finanzaufsicht kooperieren.

Seit dem Sparen als Form des Konsumverzichts seitens der Notenbank/EZB aufgrund der 'Anlagezinsen geradezu verpönt erscheint und der Anleihezins nun dauerhaft unterhalb der Garantieverzinsung liegt, kann das Geschäftsmodell der Lebensversicherer nicht mehr aufgehen. Was bleibt ist die Kürzung von Überschussbeteiligung und Garantiezins gegenüber dem Vorsorger. Der Kunde wird im Einvernehmen mit dem Staat enteignet.

Schon lange erscheint es so, dass der reale Konsumverzicht beim Versicherten nicht mehr an ihn zum späteren Zeitpunkt wieder zurück fließt. Spar- und Vorsorgegedanke werden nur noch von denen hoch gehalten, die keine eigene Vorsorge betreiben müssen. Also von Diäten- und Pensionsempfängern, von Personengruppen, die keine eigene Vorsorge betreiben müssen.

Problematisch wird es, wenn Normalbürger dies erkennt und ebenso keine eigene Vorsorge betreibt. Dann wird er später ebenso zum Pensionsempfänger in der Gruppe der Sozialhilfeempfänger. Man sollte diese Gruppen daher schon heute zur wirtschaftlichen Abwicklung zusammenführen.

Solange Konsumverzicht/Sparen von der EZB nicht mehr geschätzt wird als zurzeit, wird es zur fortschreitenden Verarmung der Bürger beitragen. Um diesem Rückschluss zu entgehen, steigt die Bereitschaft zu alternativen Geldanlagen. Geldanlagen im hochspekulativen Bereich selbst bei geringsten Renditen erscheinen alternativlos.

In Ermangelung einer vernünftigen, angemessenen Rendite wird Otto-Normalverbraucher in Zockergeschäfte, in den grauen Kapitalmarkt getrieben. Wehe dem, der Böses dabei denkt und "tiefe Dankbarkeit" zwischen den Profiteuren vermutet.

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