Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2014

17:13 Uhr

Axa Lebensversicherung

Überschussbeteiligung bleibt konstant

Erst vergangene Woche hatte die Allianz Leben die Überschussbeteiligung für 2015 auf 3,4 Prozent gesenkt. Die Axa Lebensversicherung hält hingegen im neuen Jahr ihre aktuelle Zinsprognose.

Eine Axa-Niederlassung im australischen Melbourne: Der Versicherer hat die Höhe der laufenden Verzinsung bekanntgegeben. Reuters

Eine Axa-Niederlassung im australischen Melbourne: Der Versicherer hat die Höhe der laufenden Verzinsung bekanntgegeben.

DüsseldorfUnd weiter geht es: Mit der Axa Lebensversicherung samt Zweigniederlassung Deutsche Beamtenversicherung (DBV) hat nach der Allianz Leben ein weiterer großer Lebensversicherer die Überschussbeteiligung in 2015 für klassische Lebens- und Rentenpolicen bekanntgegeben: Sie wird unverändert bei 3,4 Prozent liegen. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Allianz Leben die eigene Überschussbeteiligung von 3,6 auf 3,4 gesenkt. Die Versicherer sind jetzt also gleich auf.

Bei der Gesamtverzinsung liegt die Axa dagegen ein Zehntelprozent hinter dem Marktführer: Nach noch 4,2 Prozent in diesem, soll sie 2015 noch bei 3,9 Prozent liegen. Die Allianz hatte die Gesamtverzinsung zuvor von 4,2 auf vier Prozent gesenkt. Grund waren die „nochmals stark rückläufigen Kapitalmarktzinsen“. Viele Rivalen in der Versicherungsbranche versuchen sich bei der Verzinsung am Marktführer zu orientieren. Wie vielen es angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen gelingt, ist allerdings fraglich.

Im Schnitt hatten Lebensversicherer in 2014 noch eine Überschussbeteiligung von 3,4 Prozent geschafft. Für 2015 erwartet die Ratingagentur Assekurata jedoch einen Rückgang um 0,25 Prozentpunkte auf rund 3,15 Prozent. Geschäftsführer Reiner Will weist allerdings darauf hin, dass der Druck auf die Überschussbeteiligungen „nicht nur von den Zinsen, sondern auch von den Aufsichtsbehörden“ komme. Tatsächlich hat die Versicherungsaufsicht Bafin mit Blick auf die neuen Solvabilitätsregeln ein Auge darauf, dass die Lebensversicherer nicht zu viel ausschütten.

Die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA hatte erst kürzlich gewarnt, dass einige Versicherer in acht bis elf Jahren ihre Zusagen an die Kunden nicht mehr erfüllen könnten, wenn die Zinsen so niedrig blieben. Die Bafin zwingt die Lebensversicherer daher seit 2011 zur Bildung zusätzlicher Rücklagen. „Die Zinszusatzreserve wird noch einmal deutlich aufgestockt werden“, hatte Allianz-Manager Neumann in der vergangenen Woche prophezeit.

Die wichtigsten Fragen zur Lebensversicherung

Wie funktioniert die Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung soll dagegen zugleich auch Altersvorsorge sein. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist die Bewertungsreserve?

Kauft eine Versicherung von den Kundenprämien eine Aktie für 100 Euro, bleibt ihr Buchwert in der Bilanz auch fünf Jahre später bei 100 Euro, auch wenn der Kurs auf 120 Euro gestiegen ist. Die 20 Euro Differenz zwischen Marktwert und Kaufwert ist die sogenannte Bewertungsreserve oder stille Reserve. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen die Hälfte der Bewertungsreserve an ihre Kunden auszahlen, deren Verträge auslaufen.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher haben sich auch deshalb für Kapitallebensversicherungen entschieden, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent, ab 1.1.2015 nun wird er auf 1,25 Prozent gesenkt.

Früher lag der Satz deutlich höher, in den 90er Jahren teils bei vier Prozent. Seit 2000 geht es bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen investieren. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber sehr niedrig.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen. Zu beachten ist, dass Bestandskunden in der Regel von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen – und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer dagegen stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. Ob diese Verluste von einer jetzt eventuell noch höheren Beteiligung an den Bewertungsreserven ausgeglichen werden, muss im Einzelfall berechnet werden. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat.

Der Zinsdruck macht sich schließlich auch bei den Garantiezinsen bemerkbar. So hat der Gesetzgeber im Sommer beschlossen, dass Versicherer Neukunden, die nach dem 1.1.2015 eine Lebenpolice abschließen, nur noch Zinsen in Höhe von 1,25 Prozent zusichern müssen. Bislang lag die Mindestzusage bei 1,75 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×