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18.01.2010

07:00 Uhr

BaFin

Zinswarnung für Lebensversicherungen

VonThomas Schmitt

Die Finanzaufsicht BaFin erwartet in Zukunft niedrigere Zinsgutschriften für Lebensversicherungen. Schließlich sind die Versicherer bereits jetzt hart von zuletzt stark gesunkenen Renditen betroffen. Und noch ist nicht absehbar, wann die Leitzinsen wieder steigen.

Die BaFin erwartet niedrige Zinsgutschriften für die Lebensversicherer. Quelle: dpa

Die BaFin erwartet niedrige Zinsgutschriften für die Lebensversicherer.

HB FRANKFURT. Die Finanzaufsicht BaFin erwartet in Zukunft niedrigere Zinsgutschriften für Lebensversicherungen. Dies ergaben aktuelle Berechnungen der Aufseher für die nächsten acht Jahre. Die zuletzt stark gesunkenen Renditen für sichere Kapitalanlagen träfen die Versicherer und damit deren Kunden hart, sagte BaFin-Präsident Jochen Sanio in Frankfurt. Dennoch würde die Branche auch eine lange Niedrigzinsphase wirtschaftlich überstehen.

Die Rendite für sichere Anlagen dürfte noch eine ganze Weile niedrig bleiben; noch ist nicht absehbar, wann die Notenbanken die Leitzinsen wieder deutlich anheben. Die Aufseher rechnen damit, dass die Versicherer deshalb weiter knausern müssen. „Die Entwicklung wird sich fortsetzen; wir erwarten weitere Senkungen der Überschussbeteiligung auch in diesem Jahr“, sagte Sanio. Mit höheren Renditen bei Aktien etwa können die Versicherer das nicht ausgleichen; sie dürfen nur einen kleinen Anteil riskanterer Anlagen ins Portfolio nehmen.

Die Krisenrechnungen der Aufseher bestätigen Branchenexperten. Zuletzt hatten vor allem große Lebensversicherer wie die Allianz ihre Überschussbeteiligung für 2010 leicht gesenkt und dabei auf die Zinsentwicklung verwiesen. Die Mehrheit hielt ihre Gutschriften dagegen überraschend stabil. Im Schnitt zahlen die Lebensversicherer über vier Prozent, obwohl die Zinsen für Neuanlagen seit geraumer Zeit bei etwa drei Prozent liegen.

Groß ist nun die Angst, dass die Zinsen – so wie in Japan – krisenbedingt noch einige Jahre tief bleiben. Damit würde es für die Lebensversicherer immer schwieriger, ihre Rendite-Versprechen zu halten. Deshalb musste die Branche nun ausrechnen, ob sie bis 2018 und selbst bei noch tieferen Zinsen als heute ihre Garantien von 2,25 bis 4,0 Prozent schaffen würden. Im Moment muss die Branche für diese Garantien auf ihre Kapitalanlagen etwa 3,4 Prozent Zinsen erwirtschaften. Im vergangenen Jahr klappte das nach Ansicht von Experten, 2008 schaffte es die Branche aber nur durch Vermeidung von hohen Abschreibungen.

Sanio selbst urteilt zwiespältig: Jetzt wisse die Aufsicht, dass sich die Risikotragfähigkeit der Unternehmen bis 2018 merklich verschlechtern würde. Bei den meisten Unternehmen würde es ausreichen, wenn sie ihre Überschussbeteiligung weiter senkten. Andere müssten allerdings zu härteren Mitteln greifen. Unmittelbar gefährdet sei aber noch kein Versicherer. Garantieprodukte blieben zwar weiter attraktiv. „Die Versicherer müssen aber intensiver als bisher planen, welche Garantien sie sich künftig leisten können.“

Der Branchenverband GDV äußerte sich nicht zum Thema. Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, begrüßt die Vorsicht der Aufseher. Die Szenario-Rechnungen bis 2018 und ein nun erforderlicher Zusatzbericht zur Überschussbeteiligung zeigten, dass die Aufseher nah an der Branche dran seien. Die Lebensversicherer müssten reagieren und sich weiterhin gegen niedrige Zinsen absichern. Das gehe kurzfristig über niedrigere Überschussbeteiligungen. Mittelfristig müssten einige Unternehmen bei niedrigen Zinsen aber vielleicht auch überlegen, ob sie den Beispielen der Ergo und Generali folgen und ihre Geschäfte auf weniger Gesellschaften und Marken fokussieren. Das spart Kosten. Eine Gefahr sieht Will darin, dass die Unternehmen nun stärker riskantere Anleihen kauften. Das koste unter den ab Ende 2012 geltenden neuen Aufsichtsregeln auch mehr Kapital.

Die Krise Wegen der Rezession wird es wahrscheinlicher, dass Zinsen auf Anleihen nicht gezahlt werden. Dadurch sinkt deren Wert, sie könnten ausfallen. Ratingagenturen reagieren mit Herabstufungen.

Die Versicherer Auf die Wertverluste von Zinstiteln hat die Branche ganz unterschiedlich reagiert. Der eine tat nichts, der andere schrieb auf 20 Prozent ab.

Die Prüfer Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) entwickelte daher zusammen mit Aufsehern und dem Versichererverband GDV neue Regeln: Alle müssen nun außerplanmäßig abschreiben, wenn der Wert der Anleihe vermutlich dauerhaft gefallen ist.

Die Aufseher BaFin-Präsident Jochen Sanio fordert insbesondere für neue, undurchsichtige Produkte: Banken und Versicherer dürften Abschreibungen nicht auf die lange Bank schieben.

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