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14.06.2015

15:57 Uhr

Banken, Schufa und die Bonität

Der Kampf gegen den falschen Schufa-Eintrag

VonNiklas Dopheide

Die Schufa sammelt Daten über Verbraucher und deren Zahlungskraft. Was aber, wenn ein Irrtum einer Bank die eigene Kreditwürdigkeit gefährdet? Ein Fall zeigt, was passiert, wenn jemand in die Bonitätsfalle tappt.

Wenn Banken, Händler oder Telekomanbieter falsche Angaben machen, ist die Kreditwürdigkeit der in Gefahr. dpa

Beratungsstelle der Schufa

Wenn Banken, Händler oder Telekomanbieter falsche Angaben machen, ist die Kreditwürdigkeit der in Gefahr.

DüsseldorfBei dem bekannten Brettspiel „Monopoly“ gibt es eine Karte, die lautet „Bankirrtum zu Ihren Gunsten“. Der Spieler bekommt dann Geld von der Bank. In der Realität wird diese Karte jedoch nur spärlich ausgespielt, der Kunde profitiert von Bankirrtümern sehr selten.

Öfter kommt es zu Bankirrtümern zu Ungunsten der Kunden. Diese Erfahrung machte Erik W., der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. Seine Vermutung: Weil die Hausbank eine längst abgelöste Bürgschaft seiner Frau nicht löschte, sank sein Schufa-Score. So heißt der Wert, in dem das Auskunftsunternehmen Schufa die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers zusammenfasst.

Ohne diese testierte Kreditwürdigkeit gab es für W. bei anderen Banken keinen Kredit mehr. Erik W. verlor seine finanzielle Existenz. Ob tatsächlich der Schufa-Score auf falscher Basis zu den Geldnöten führte, lässt sich zwar nicht beweisen. Der Fall zeigt aber ein Dilemma, in das viele Schuldner in Deutschland geraten können.

Was die Schufa speichert – und was nicht

Personenbezogene Daten

Die Schufa speichert zu natürlichen Personen personenbezogene Daten wie:
- Namen
- Geburtsdatum und gegenfalls Geburtsort
- Anschrift, eventuelle sonstige, auch frühere Anschriften

Weitere Daten

Ferner erhält die Schufa Informationen über:

- Bankkonten
- Kreditkarten
- Leasingverträge
- Mobilfunkkonten
- Ratenzahlungsgeschäfte
- Kredite und Bürgschaften
- sowie etwaige Zahlungsausfälle bei angemahnten und unbestrittenen Forderungen

Was die Schufa nicht weiß

Die Schufa speichert keine Informationen über:
- Vermögen und Einkommen
- Marketingdaten (Kaufverhalten oder Ähnliches)
- Beruf
- Lebenseinstellungen und Mitgliedschaften (z. B. religiöse, politische etc…)
- Ehegatten
- Nationalität

Woher die Schufa die Daten erhält

Die Schufa erhebt selbst keine Daten und führt keine Recherchen durch. Sie erhält die Daten von:
- ihren Vertragspartnern
- öffentlichen Schuldnerverzeichnissen
- und anderen öffentlichen Bekanntmachungen

Texte: Walter Epp.

Die Welt war für W. 2006 noch mehr als in Ordnung. Seine Druckerei warf gute Erträge ab, mit seiner Frau und den beiden Kindern lebte er in einem eigenen Haus. Auch der Unterhalt von zwei Autos stellte kein Problem dar. Die Aussicht auf einen finanziell gut ausgestatteten Ruhestand sorgte für Behaglichkeit. Neun Jahre später sieht Lage der Familie anders aus. Die Firma ist insolvent, das Haus musste versteigert werden. Wie konnte es so weit kommen?

Der Unternehmer beschloss Anfang des Jahres 2006, einen Kredit seiner Volksbank auf ein anderes Kreditinstitut zu übertragen. Die neue Bank bot ihm bessere Konditionen. Die Ablösung des Darlehens verlief zunächst ohne Probleme. Die Volksbank bestätigte die Ablösung in einem Schreiben vom 26. Januar 2006: „Das rückständige Darlehen wurde aufgelöst.“

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Auch die Bürgschaft seiner Frau über mehr als 100.000 Euro sei nun „gegenstandslos geworden“. Die Gattin hatte ihre Lebenpolice für den Kredit als Sicherheit verpfändet. Für die Eheleute war die Sache damit erledigt.

Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Und das mittelständische Unternehmen brauchte einen neuen Kredit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma solide gewirtschaftet, die Familie konnte von den Einnahmen ihren Unterhalt bestreiten. Das vorläufige Betriebsergebnis für 2007 beträgt 80.000 Euro.

Den Kredit für seine Firma beantragte der Unternehmer im August 2009 auf einem Internetportal. Die Anfrage wurde abgelehnt. Aus einer von W. angeforderten Schufa-Auskunft aus dem Jahr 2010 geht hervor, dass sein Basisscore noch bei 97 Prozent lag, zwar kein Top-Wert, aber auch kein Score, der es unmöglich macht, bei einer Bank einen Kredit zu bekommen.

Kommentare (6)

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Herr Thomas Melber

15.06.2015, 07:25 Uhr

Gibt es nicht auch einen strafrechtlichen Aspekt? Kreditgefährdung? Sowie üble Nachrede?

Frau Ursula Neumann

15.06.2015, 08:48 Uhr

Aus eigener Erfahrung: Banken reden viel. Ist eine Bürgschaft hinfällig auf jeden Fall die Urkunde zurückverlangen. Die Bank muss diese rausrücken. Auch wenn sie ggf. das Gegenteil behauptet. Hartnäckig bleiben!

Herr Keine Ahnung

15.06.2015, 09:42 Uhr

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