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16.12.2015

15:53 Uhr

Banken veröffentlichen Liste

Letzte Frist für Erben von alten Schweizer Konten

Auf Schweizer Konten liegen rund 44 Millionen Franken, deren Erben sich noch nicht gemeldet haben. Mit einer Liste versuchen die Banken ein letztes Mal, sie ausfindig zu machen. Danach geht das Geld an den Staat.

Es geht um Konten mit mehr als 500 Schweizer Franken oder Bankschließfächer, nach denen seit mindestens 60 Jahren niemand gefragt hat. dpa

Schweizer Franken

Es geht um Konten mit mehr als 500 Schweizer Franken oder Bankschließfächer, nach denen seit mindestens 60 Jahren niemand gefragt hat.

BaselDie Schweizer Banken haben am Mittwoch die Namen von Inhabern sehr alter Konten veröffentlicht, deren Erben sich bislang nicht gemeldet haben. Meldet sich innerhalb eines Jahres kein Anspruchsberechtigter, dann müssen die Banken das Vermögen laut Gesetz an den Staat abliefern, teilte die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) in Basel mit. Es geht um Konten mit mehr als 500 Schweizer Franken oder Bankschließfächer, nach denen seit mindestens 60 Jahren niemand gefragt hat. Die Frist beträgt fünf Jahre für Vermögen, die schon seit 1954 oder früher in der Schweiz schlummern.

Die Anzahl der am Mittwoch veröffentlichten Namen bewege sich um rund 2600, wie die SBVg mitteilte. Der Wert der sogenannten „nachrichtenlosen Vermögen“ beträgt demnach insgesamt rund 44 Millionen Schweizer Franken (knapp 41 Millionen Euro). Zudem fahnden die Banken nach den Anpruchsberechtigten von rund 80 Bankschließfächern.

Was Erben wissen sollten

Wer kann erben?

Erben können alle, die im Testament bedacht sind. Auch Minderjährige dürfen erben, dann springt aber ein gesetzlicher Vertreter ein. Das sind in der Regel die Eltern. Ohne Testament gilt das gesetzliche Erbrecht.

Was passiert, wenn die Erben unbekannt sind?

Ein Nachlassgericht sichert das Erbe nach pflichtgemäßen Ermessen. Gegenstände können versiegelt und Wertpapiere hinterlegt werden. Das Gericht bestellt einen Nachlasspfleger, der das Vermögen absichert und die Erben ermitteln soll. Der Verwalter haftet bei vorsätzlichen oder fahrlässigen Schäden.

Wer erbt, wenn kein Testament besteht?

In diesem Falle gilt das gesetzliche Erbrecht. Das Gesetz sieht fünf Ordnungen vor: 1. Direkte Abkömmlinge: Ehegatten, eingetragene Lebensgemeinschaften, Kinder, 2. Die Eltern des Verstorbenen, 3. Großeltern und deren Abkömmlinge, 4. Urgroßeltern und deren Abkömmlinge, 5. Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge. Jeder Verwandte einer vorherigen Kategorie schließt einen Nachfolger aus. Beispiel: Wenn die Kinder noch leben, gehen die Eltern des Verstorbenen leer aus.

Was ist, wenn der rechtmäßige Erbe bereits verstorben ist?

An die Stelle des Verstorbenen treten seine Abkömmlinge. Beispiel: Ein Verstorbener hat zwei Kinder, von denen eines nicht mehr lebt. An die Stelle des verstorbenen Kindes treten dann seine oder ihre Kinder. 

Wie wird das Erbe aufgeteilt?

Das Erbe wird nach dem Verwandtschaftsgrad aufgeteilt. Beispiel: Wenn der Mann stirbt, erbt seine Frau 50 Prozent. Die beiden Kinder teilen die restlichen 50 Prozent unter sich auf. Bruder und Eltern des Verstorbenen gehen leer aus. Sonderfälle gelten bei einem Ehevertrag mit Gütertrennung.

Was regelt das Testament?

In vielen Fällen möchte der Erblasser von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Ein Einvernehmen mit den Erben ist nicht nötig, die Verfügungen können jederzeit widerrufen werden. Eine Alternative ist ein Erbvertrag, der nicht widerrufen werden kann. Ein solcher Vertrag kann auch zwischen Erblasser und Erbe geschlossen werden.

Was ist bei einem Testament zu beachten?

Ein per Handschrift eigenhändig verfasstes, unterzeichnetes Testament bedarf keine Testierung durch den Notar. Der Text muss eigenhändig verfasst sein, ein Diktat reicht nicht: Die Handschrift muss erkennbar sein. Die Form muss gewahrt sein: Die Unterschrift muss in der Regel unter dem letzten Satz stehen und Vor- und Zunamen enthalten. Ort und Zeit sind anzugeben, machen das Testament bei Fehlen aber nicht ungültig. Nachträgliche Streichungen oder Radierungen sind wirksam. Wichtig: Der letzte Wille sollte keine Zweifel aufkommen lassen.

Was steht laut Testament Enterbten zu?

Jedem rechtmäßigem Erben steht unabhängig vom Inhalt des Testamentes ein Pflichtteil des Nachlasses zu. Anspruch haben die Familie sowie Kinder, Enkel, Eltern und Ehegatte. Entfernte Verwandte wie Geschwister, Onkel oder Neffen gehen leer aus. Die Erben haften für die Ansprüche der Pflichtteilberechtigten.

Wann müssen Enterbte auf ihren Pflichtteil verzichten?

In einigen Fällen von Kriminalität, etwa bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder Bedrohung des Lebens der Abkömmlinge. Auch eine Verletzung der Unterhaltspflicht kann zum Verlust des Pflichtteils führen.

Mit der Veröffentlichung der Liste versuchten die Banken „ein letztes Mal, den Kontakt zum Kunden wiederherzustellen“, erklärte der Vorsitzende der Bankiervereinigung, Claude-Alain Margelisch. Auf der Liste stehen – soweit vorhanden – Name, Vorname, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit oder Firma und der letzte bekannte Wohnsitz oder Sitz des Kunden. In Ausnahmefällen werde die Kontonummer veröffentlicht.

Wer noch Vermögenswerte in der Schweiz vermutet, kann jederzeit danach suchen, nicht erst nach 60 Jahren, wie die Bankiervereinigung erklärte. Dazu müsse derjenige sich an den Schweizerischen Bankenombudsmann wenden. Er habe Zugang zu einer zentralen Datenbank, in der alle kontakt- und nachrichtenlosen Vermögenswerte erfasst seien.

Die Liste mit den Namen der alten nachrichtenlosen Vermögen unter: www.dormantaccounts.ch

Von

afp

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