Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.06.2014

13:54 Uhr

Bankenkrise in Bulgarien

Deutsche Anleger fürchten um ihr Geld

VonJens Hagen

In Bulgarien grassiert eine Bankenkrise. Auch deutsche Anleger bangen um ihr Geld. Sie haben über den deutschen Vermittler Weltsparen bei der Fibank zu Top-Zinsen angelegt. Was Sparer jetzt wissen müssen.

Bulgaren sind alarmiert

Trotz staatlicher Garantie werden Konten leergeräumt

Bulgaren sind alarmiert: Trotz staatlicher Garantie werden Konten leergeräumt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Als sich in der Nacht zu Freitag lange Schlangen vor den Geldautomaten bildeten, wurden Erinnerungen an die schlimmsten Zeiten der Eurokrise wach. In der Hauptstadt Sofia standen vor einigen Bankfilialen laut Nachrichtenagentur Reuters bis zu 65 Kunden vor den Schaltern. Mitteilungen im Internet und per SMS über drohende Bankpleiten hatten viele Bulgaren in der vergangenen Woche in Panik versetzt.
Betroffen war unter anderem die Fibank. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich hierher kommen soll, um mein Geld abzuheben“, sagte eine Frau. „Ich hoffe, dass sie uns nicht die Tür vor der Nase schließen.“

Die Angst vor einem Bankrun geht um. Die Filialen der Fibank wurden aus „logistischen Gründen“ am frühen Freitagnachmittag geschlossen, die Geldautomaten funktionierten aber. Nach Angaben des Institutes hoben die Kunden innerhalb weniger Stunden umgerechnet mehrere hundert Millionen Euro ab. Auch heute gibt es Schlangen vor den Filialen der Fibank.

Der Aktienkurs der Bank brach ein, stieg heute wieder mit der Aussicht auf Finanzspritzen um 24 Prozent. Die Ratingagentur Fitch bewertet die Fibank nach wie vor unverändert mit BB-, Ausblick negativ. Es handelt sich demnach um eine spekulative Anlage, bei einer Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen. Die FiBank sei Opfer von Gerüchten und böswilligen Erklärungen in der Öffentlichkeit geworden, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens.

Nicht nur bulgarische Bankkunden bangen bei solchen Meldungen um ihr Geld. Nach Angaben von Weltsparen.de, einem Vermittler von Zinskonten im europäischen Ausland, haben rund deutsche 2.000 Kunden insgesamt einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag bei der Fibank angelegt.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Noch Freitagnachmittag warb Weltsparen.de für „attraktives Festgeld bei der Fibank“. Die Offerte mit einem Zins von 3,3 Prozent sei „attraktiv“, „sicher“, „gebührenfrei“, „flexibel“ und „fair“. Die Werbung stand bis 15.30 Uhr im Netz, obwohl Reuters bereits um kurz nach elf Uhr von einer „organisierten Attacke“ auf Bulgariens Banken berichtete und Handelsblatt Online Weltsparen.de bereits um kurz nach 10.00 Uhr von Anzeichen für einen Bankenrun informierte. Tamaz Georgadze, CEO von Weltsparen.de, erklärt, sein Unternehmen habe zeitnah und „so transparent wie umfassend“ informiert: „Auf Basis unbestätigter Sachstände beziehungsweise Gerüchte zu kommunizieren, kann gerade in so einer Situation eine Panik beschleunigen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×