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04.05.2015

11:19 Uhr

Bankgebühren

Wie Banken bei Girokonten zulangen

VonElisabeth Atzler

Einige Banken erhöhen bereits kräftig die Gebühren bei Girokonten, andere dürften folgen. Minizinsen und sinkende Gewinne setzen die Geldhäuser unter Druck. Der Vergleich von Kontomodellen lohnt sich mehr denn je.

Geld ist schnell weg – mit einem überteuerten Girokonto. Getty Images

Banken im Vergleich

Geld ist schnell weg – mit einem überteuerten Girokonto.

FrankfurtDie Postbank hat es schon gemacht: Sie verlangt seit dem 1. April für jede Überweisung per Papierbeleg 99 Cent. Die Gebühr gilt für das Kontomodell „Giro plus“. Zuvor waren Papierüberweisungen für die Kontoinhaber gratis. Es geht zwar nur um 99 Cent und die meisten Kunden der Deutsche-Bank-Tochter wickeln ihre Bankgeschäfte im Internet ab. Trotzdem sorgte der Fall für großes Aufsehen.

Dabei sind Gebühren für Überweisungen auf Papier weitverbreitet. Die Essener Nationalbank erhöht sie gerade von 50 auf 95 Cent. Bei vielen Sparkassen und Volksbanken ist es in bestimmten Kontomodellen schon lange kostenpflichtig, wenn Kunden per Papierbeleg Geld überweisen. Für Direktbanken gilt das sowieso.

Und die Zahl der Geldhäuser wird wohl in naher Zukunft steigen, die ihre Gebühren erhöhen oder neue einführen. „Davon bin ich überzeugt. Man wird bald Erhöhungen sehen oder auch neue Servicegebühren“, sagt Heinrich Bockholt, Finanzprofessor und Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft in Koblenz.

So sparen die Deutschen

Der Durchschnitt

Ich spare regelmäßig: 64 Prozent
gelegentlich: 26 Prozent
gar nicht: 9 Prozent
keine Angabe: 1 Prozent
Quelle: Forsa-Umfrage „Sparerkompass 2015“

Nach Geschlecht

Regelmäßige Sparer:

Männer: 65 Prozent
Frauen: 62 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Männer: 22 Prozent
Frauen: 30 Prozent

Nicht-Sparer:
Männer: 11 Prozent
Frauen: 7 Prozent

Nach Alter

Regelmäßige Sparer:

18-29 Jahre: 63 Prozent
30-39 Jahre: 68 Prozent
40-49 Jahre: 62 Prozent
50-59 Jahre: 62 Prozent
60-69 Jahre: 65 Prozent

Nach Familienstand

Regelmäßige Sparer:
Mit einem Partner lebend: 68 Prozent
Allein lebend: 56 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Mit einem Partner lebend: 24 Prozent
Allein lebend: 31 Prozent

Nicht-Sparer:
Mit einem Partner lebend: 8 Prozent
Allein lebend: 11 Prozent

Nach Erwerbstätigkeit

Regelmäßige Sparer:
Erwerbstätig: 68 Prozent
Arbeiter: 66 Prozent
Angestellte: 71 Prozent
Beamte: 69 Prozent
Selbständig: 74 Prozent
Nicht erwerbstätig: 57 Prozent
Hausfrau: 65 Prozent
Rentner: 73 Prozent
Schüler/Student: 42 Prozent
Arbeitslos: 16 Prozent

Nach Ortsgröße

Regelmäßige Sparer:
Unter 20.000 Einwohner: 67 Prozent
20.000 bis 100.000 Einwohner: 64 Prozent
100.000 bis 500.000 Einwohner: 71 Prozent
500.000 Einwohner und mehr: 50 Prozent

Nach Bundesländern

Regelmäßige Sparer:
Berlin: 45 Prozent
Sachsen: 47 Prozent
Brandenburg: 53 Prozent
Niedersachsen: 53 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern: 56 Prozent
Hamburg: 61 Prozent
Schleswig-Holstein: 61 Prozent
Saarland: 65 Prozent
Sachsen-Anhalt: 66 Prozent
Baden-Württemberg: 66 Prozent
Hessen: 67 Prozent
Thüringen: 67 Prozent
Bremen: 68 Prozent
NRW: 68 Prozent
Rheinland-Pfalz: 68 Prozent
Bayern: 74 Prozent

Nach Summen

So viel spart der Durchschnittsdeutsche pro Monat:
Weniger als 50 Euro: 10 Prozent
50 bis unter 100 Euro: 22 Prozent
100 bis unter 200 Euro: 25 Prozent
200 bis unter 300 Euro: 15 Prozent
300 bis unter 400 Euro: 9 Prozent
400 bis unter 500 Euro: 5 Prozent
500 Euro und mehr: 10 Prozent

Einige Banken und Sparkassen haben das in letzter Zeit schon gemacht oder angekündigt. So erhöhte die Sparkasse Bottrop zu Jahresbeginn die Gebühren für verschiedene Kontotypen. Und die Sparkasse Essen will das in Kürze tun.

Auch von Genossenschaftsbanken gibt es Beispiele: Die Volksbank Reutlingen etwa erhöhte Anfang 2014 Kontoführungsgebühren. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die zusammen mehr als 70 Millionen Girokonten führen, leiden besonders unter den Minizinsen. Sie stellen ihr Geschäftsmodell infrage: Das Sammeln von Einlagen zur Refinanzierung von Krediten lohnt sich weniger. Mit höheren Gebühren lässt sich der Ertragsschwund zum Teil ausgleichen.

„Man kann davon ausgehen, dass etliche Banken die Gebühren erhöhen werden. Bankleistungen kosten eben – und wegen der niedrigen Zinsen können Banken die Konten auch nicht mehr quer subventionieren“, sagt Martin Faust, Bankenprofessor an der Frankfurt School.

Kommentare (6)

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Herr M. M.

04.05.2015, 11:45 Uhr

Nur zu,nochmal schön hingelangt,bevor die nächste große berechtigte Zorneswelle über die Banken hereinbricht,die ihnen dann hoffentlich endgültig das Genick brechen wird.
Diese Institute haben ihren Zenit überschritten und die Geduld und Gutmütigkeit ihrer Kundschaft lange überstrapaziert.

Herr peter Spirat

04.05.2015, 11:59 Uhr

Warum immer nur meckern oder schimpfen?

Im Internet gibt es genug Plattformen, wo man die Banke hinsichtlich Kosten / Leistungen vergleichen kann. Und so liegt es doch an jedem selbst, welche Bank er nutzt.

Herr Heinz Keizer

04.05.2015, 12:38 Uhr

Mit der Kontoführung erbringt eine Bank eine Leistung. Dafür eine Gegenleistung zu verlangen, ist eigentlich ganz normal. Die Autowerkstatt repariert mein Auto auch nicht kostenlos. Nur weil wir einen ruinösen Wettbewerb unter den Banken (und Nearbanks) haben, müssen Banken sich darauf einlassen. Wir werden in den nächsten Jahren ein großes Bankensterben erleben, wie im Lebensmitteleinzelhandel vor Jahrzehnten. Danach wird es sich wieder normalisieren. Wer übringens meint mit Zahlung im Internet zahle er nichts, der irrt. Er zahlt mit seinen Daten.

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