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25.09.2015

13:56 Uhr

Banksparbriefe im Vergleich

Wie viel Rendite das Hamstersparen abwirft

Die Aktienkurse spielen derzeit verrückt und der Dax musste in den vergangenen Monaten deutliche Verluste hinnehmen. Für konservative Sparer gibt es eine Alternative. Was sichere Bankeinlagen langfristig noch bringen.

Zuwachssparen bringt konservativen Kleinsparern berechenbare Zinsen und Flexibilität. Reuters

Sparen wie ein Hamster

Zuwachssparen bringt konservativen Kleinsparern berechenbare Zinsen und Flexibilität.

FrankfurtKnapp 17 Prozent Minus in den vergangenen drei Monaten – die Bilanz des Dax sieht nicht wirklich positiv aus. In solchen Zeiten werden Sparer gerne einmal sentimental. Und wagen einen Blick in die Vergangenheit. Was waren das noch für Zeiten, als es den guten alten Bundesschatzbrief noch gab.

Nostalgie könnte hochkommen: Wer im Oktober 2011 noch den Schatzbrief 2011/20 gekauft hat, freut sich heute über einen anfänglichen Zinssatz von 1,5 Prozent, der nächstes Jahr auf zwei Prozent  steigt und dann die letzten letzten Jahre mit 2,25 Prozent seinen Spitzenzins erreicht.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Über sechs Jahre ergibt das eine Rendite von 1,23 Prozent. Nicht sehr viel in der Vergangenheit, aber eine attraktive Verzinsung heute. Konservative Sparer denken: Einen solchen Schatzbrief mit aktuell 1,5 Prozent Verzinsung bei voller Sicherheit löst man nicht auf, wenn es nicht sein muss. Und heute gibt es keine Bundesschatzbriefe mehr. Die Bundesregierung hat die Ausgabe zum 31.12.2012 eingestellt.

Es gibt aber eine Alternative. Der ehemalige Konkurrent des „Schätzchens“ und aktuell dessen Nachfolger ist das Zuwachssparen oder auch Wachstumssparen bei den Banken. Heute bieten private Kreditinstitute Offerten mit steigenden Zinsen im Laufe der Jahre. „Auch wenn im historischem Zinstief keine Wunder zu erwarten sind bieten einige Banken doch ansehnliche Renditen“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Eine Auswertung seines Teams für Handelsblatt Online zeigt: Der beste Anbieter über einen Zeitraum von sechs Jahren ist die Hanseatic Bank mit einer Rendite von 1,13 Prozent. Weniger gute Angebote erzielen noch 0,44 Prozent Rendite.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Der Zinssatz beim Spitzenreiter steigt von einer Verzinsung von 0,45 Prozent im 1. Jahr auf bis zu  1,5 Prozent im 5. Jahr. „Das letzte Jahr des Wachstumssparangebotes wird immer besonders hoch verzinst, damit der Anleger bis zum Ende durchhält“, erklärt Herbst.

Die  SparBriefe Dynamic, Stufenzins Sparbriefe oder auch WachstumSparen-Offerten sind flexibler als vielfach gedacht. Sparer legen einmal einen größeren Betrag fest an, die steigenden Zinsen sind für die gesamte Zeit garantiert. Kunden können je nach Bank schon nach einem Monat oder erst nach einem Jahr monatlich 2.000 Euro kostenfrei wieder abrufen. Einige Anbieter schreiben allerdings wie etwa die Oyak Anker Bank eine Kündigungsfrist von drei Monaten in die Verträge. 

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