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23.07.2015

15:35 Uhr

Bausparkassen im Zinstief

Umsteuern im Nebel

Schlechte Presse, niedrige Zinsen – und keine Unterstützung von den Regulierern: Deutsche Bausparkassen haben es derzeit schwer. Doch Umsteuern ist schwierig. Viele Finanzierer sind unflexibel – wie behäbige Tanker.

Weil die Zinsen zuletzt niedrig waren, versuchten viele Bausparkassen, ihre Kunden aus hochverzinsten Verträgen zu drängen. dpa

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Weil die Zinsen zuletzt niedrig waren, versuchten viele Bausparkassen, ihre Kunden aus hochverzinsten Verträgen zu drängen.

FrankfurtDie deutschen Bausparkassen haben ein Image-Problem. Kürzlich warnte die „Bild“-Zeitung ihre Leser auf der Titelseite davor, die Schecks der Bausparkasse BHW einzulösen, mit denen diese Tausende Kunden aus lukrativen Verträgen drängen will. Solche Hauruck-Maßnahmen bringen die Branche in Misskredit. Doch fast alle 21 Bausparkassen haben zu Kündigungen gegriffen. Bis zu 200.000 Kunden sind betroffen. Die Aufregung verstellt jedoch den Blick auf das eigentliche Problem – die niedrigen Zinsen. Wird nicht gegengesteuert, kommen die Anbieter nach Einschätzung von Andreas Zehnder in spätestens sechs bis sieben Jahren in Schwierigkeiten. „Wir dürfen nicht mit unvermindertem Tempo in eine Nebelwand fahren“, mahnt der Präsident des Verbands der zwölf privaten Bausparkassen. Ein hochrangiger Manager aus der Branche wird noch deutlicher: „Einigen steht das Wasser schon jetzt bis zum Hals.“

Für Linderung sorgen könnte nur die Europäische Zentralbank (EZB), wenn sie ihre Nullzinspolitik aufgibt. Die trifft die Bausparkassen deutlich härter als Banken. Das strenge Bauspargesetz zwingt sie, das Geld ihrer Kunden nur in super-sichere Anlagen zu packen, die kaum Rendite abwerfen. Auf den Kapitalmarkt dürfen sie nicht ausweichen. Das drückt die Margen von einst bis zu fünf Prozent gegen Null. „Damit kriegen sie kein positives Ergebnis hin“, konstatiert der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof, der sich intensiv mit den Bausparkassen beschäftigt.

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Nicht nur Lebensversicherern, sondern auch den Bausparkassen macht der Niedrigzins schwer zu schaffen. Deswegen stehen Sie unter besonderer Beobachtung. Die Bundesregierung hat die Bafin sensibilisiert.

Noch ist davon in den Bilanzen wenig zu sehen. Doch die Debeka Bausparkasse schlägt schon Moll-Töne an: Für 2015 und 2016 erwartet sie nur ein „ausreichendes Ergebnis“. „Das frisst sich erst langsam in die Bücher rein“, sagt ein Branchenkenner. „Bausparkassen sind wie große Tanker. Wenn man das Steuerrad dreht, dauert es lange, bis sich was tut.“ Auch die Aufsicht ist besorgt: Ende 2014 hatte die BaFin eine Umfrage gestartet, wie die Branche mit den niedrigen Zinsen zurecht kommt – und vorerst Entwarnung gegeben. Doch weil die Marktzinsen weiter gesunken sind, folgt der nächste Stresstest – ein ungewöhnlicher Schritt. Bis Ende des Monats müssen die Bausparkassen zeigen, wie sie zwei Jahrzehnte Mini-Zinsen wie in Japan und einen rasanten Zinsanstieg um fünf Prozent in zwei Jahren überstehen würden.

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