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11.07.2015

10:28 Uhr

Bausparkassen

Verbraucherschützer warnen vor BHW-Schecks

VonSaskia Littmann
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Bausparkassen wollen ihre alten Verträge loswerden und kündigen den einstigen Bausparern. Die BHW versucht das nun, indem sie ihren Kunden Verrechnungsschecks schickt. Voreilig einlösen sollten Bausparer diesen nicht.

Viele Besitzer alter Bausparverträge bekommen Post mit einer Kündigung ihrer Verträge. dpa

Bausparvertrag

Viele Besitzer alter Bausparverträge bekommen Post mit einer Kündigung ihrer Verträge.

Einige Kunden der Bausparkasse BHW fanden zuletzt einen Verrechnungsscheck im Briefkasten. Während Schecks normalerweise Grund zur Freude sind, bei den BHW-Exemplaren eher Vorsicht geboten. Denn die Schecks in Höhe von teilweise hohen fünfstelligen Beträgen nutzt die Bausparkasse offenbar, um Kunden aus alten, gut verzinsten Verträgen zu drängen.

„Kunden mit gut verzinsten Bausparverträgen sollten den Scheck keinesfalls einlösen“, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn ältere Verträge, die seit mindestens zehn Jahren zuteilungsreif sind, bringen bis zu 4,25 Prozent Zinsen. Auf diese Anlagemöglichkeit würden Sparer verzichten, wenn sie den Scheck annehmen.

Diese Bausparkassen sollten Sie lieber meiden

Die schlechtesten Bausparkassen

Wenn Ihre Kundendaten kaum erfasst werden, ihr Bausparwunsch unberücksichtigt bleibt, die Finanzierungskosten unnötig hoch sind, Informationen in der Angebotsbroschüre fehlen und beim Beratergespräch auf Diskretion kein Wert gelegt wird, dann sind Sie mit Sicherheit bei einer Bausparkasse, die durch die Test von „Finanztest“ durchgefallen ist. Auf den folgenden Klappen finden Sie die schlechtesten Bausparkassen im Vergleich.

Platz 7

Deutsche Ring
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (4,5)
Qualität des Angebots: Ausreichend (3,6)
Kundeninformation: Ausreichend (3,6)
Begleitumstände: Sehr gut (0,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,6)

Platz 6

Bausparkasse Mainz
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,3)
Qualität des Angebots: Befriedigend (3,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Befriedigend (2,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,9)

Platz 5

BHW
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Ausreichend (4,0)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,1)
Begleitumstände: Sehr gut (1,5)
Gesamtnote: Ausreichend (4,2)

Platz 4

LBS West
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,6)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,6)

Platz 3

Aachener
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,5)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,9)
Kundeninformation: Befriedigend (3,4)
Begleitumstände: Befriedigend (2,6)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 2

Deutsche Bank Bauspar
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,5)
Kundeninformation: Sehr gut (1,5)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 1

LBS Rheinland-Pfalz
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,6)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (4,9)
Begleitumstände: Sehr gut (1,4)
Gesamtnote: Mangelhaft (5,4)

Quelle: Finanztest.

Zudem warnt die Verbraucherzentrale davor, den Scheck an die Bausparkasse zurückzusenden. Es bestehe die Gefahr, dass er verloren gehe beziehungsweise von jemandem eingelöst wird. Wer den Scheck über die Bausparsumme schon abgeschickt habe, solle Widerspruch gegen die Kündigung des Vertrags einlegen.

Die BHW erklärte auf Anfrage, die Kunden seien bereits im Dezember 2014 angeschrieben und um eine aktuelle Kontoverbindung gebeten worden. Da es sich um Verträge handelt, die bereits seit zehn oder mehr Jahren zuteilungsreif sind, ist nach Ansicht der BHW eine Kündigung seitens der Kasse rechtmäßig.

„Der Versand eines Verrechnungsschecks erfolgte nur dann, wenn uns der Kunde keine aktuelle Kontoverbindung genannt hat“, teilte die BHW mit.

Bei diesen Bausparkassen sind Sie gut aufgehoben

So wurde getestet

Finanztest-Mitarbeiter ließen sich in 139 Filialen der 20 Bausparkassen in Deutschland beraten und Angebote erstellen. Bewertet wurde die Erfassung des Kundenstatus (Gewichtung: zehn Prozent), die Qualität des Angebots – wobei auf die Ausrichtung am Kundenwunsch und die Kosten der Finanzierung geachtet wurde (Gewichtung: 55 Prozent) – die Kundeninformation (Gewichtung: 30 Prozent) und die Begleitumstände, also ob die Diskretion eingehalten wurde und ob das Gespräch ohne Störung stattfand (Gewichtung: fünf Prozent). Bei einer mangelhaften Benotung einer Kategorie wurde die Gesamtbenotung zusätzlich abgewertet. In den folgenden Klappentexten finden Sie die Bausparer mit den besten Bewertungen.

Platz 3

LBS Ost
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,8)
Qualität des Angebots: Gut (1,9)
Kundeninformation: Ausreichend (3,7)
Begleitumstände: Sehr gut (1,1)
Gesamtnote: Gut (2,5)

Platz 2

Wüstenrot
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Sehr gut (1,4)
Kundeninformation: Befriedigend (3,2)
Begleitumstände: Gut (2,0)
Gesamtnote: Gut (2,2)

Platz 1

LBS Baden-Württemberg
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,8)
Qualität des Angebots: Sehr gut (1,1)
Kundeninformation: Befriedigend (2,8)
Begleitumstände: Sehr gut (1,5)
Gesamtnote: Gut (1,8)

Quelle: Finanztest.

Bausparkassen argumentieren, es handle sich um Zweckdarlehen, die Kunden nicht einfach zum jahrzehntelangen Sparen nutzen könnten. Angesichts der Niedrigzinsphase können sie die hohen Zinsen selber nicht mehr erwirtschaften. Viele Kassen versuchen deshalb, langjährige Kunden mit gewissen Tricks aus ihren Verträgen zu drängen. Beispielsweise, indem sie ihren Kunden einfach unaufgefordert eine Kündigung schicken.

Diese Kündigungen sind normalerweise vertraglich nicht vorgesehen und auch juristisch umstritten. Die Bausparkassen berufen sich wie die BHW zumeist darauf, dass ein über lange Jahre zuteilungsreifer Vertrag, der also fertig angespart ist, den Vertragszweck nicht mehr erfülle und daher gekündigt werden könnte.

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Einige Verbraucherschützer und Anlegeranwälte erklären dagegen, die Bausparkassen würden damit gegen die gebotene Vertragstreue verstoßen. Ob so eine Kündigung erfolgreich ist, hängt auch vom jeweiligen Vertrag ab, beispielsweise ob ein Bonus für eine gewisse Sparsumme vereinbart wurde oder nicht.

Verbraucherschützer raten aber, zunächst nicht zu kündigen und sich über die jeweiligen Erfolgsaussichten zu informieren. Auch ein Ombudsmann kann eingeschaltet werden, um zwischen den Parteien zu vermitteln. Für endgültige Rechtssicherheit kann vermutlich nur eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs sorgen.

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