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26.09.2011

14:33 Uhr

Bernd Raffelhüschen im Interview

„Länger arbeiten für immer weniger Rente“

VonDirk Heilmann

Die Nachhaltigkeitslücke des Systems konnte mit Rentenreformen teilweise geschlossen werden. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen sieht aber einen erhöhten Bedarf an privater Vorsorge.

Bernd Raffelhüschen sieht im Rentensystem drei Viertel des Reformwegs geschafft. dpa

Bernd Raffelhüschen sieht im Rentensystem drei Viertel des Reformwegs geschafft.

Herr Professor Raffelhüschen, was bedeutet die Alterung und Schrumpfung der deutschen Gesellschaft wirklich für die Nachhaltigkeit der Sozialsysteme?

Die demografische Entwicklung ist eine wirkliche und neue Krise. Sie zwingt uns zu grundlegenden Reformen der Sozialsysteme, wenn wir die Nachhaltigkeitslücke schließen wollen. Sie wird allerdings auch positive Begleiterscheinungen haben, etwa einen starken Anstieg der Reallöhne und der Lohnquote zulasten der Kapitaleinkommensquote.

Gehen wir mal die Sozialsysteme der Reihe nach durch. Wie sieht es bei der Rente aus?

Im Rentensystem sind drei Viertel des Reformwegs geschafft. Die Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors in die Rentenversicherung war faktisch die größte Rentensenkung der deutschen Geschichte. Das hat damals keiner gemerkt, aber inzwischen haben die Arbeitnehmer begriffen, dass sie länger arbeiten müssen und dafür weniger Rente zu erwarten haben als frühere Generationen. Dafür ist die Nachhaltigkeitslücke in diesem Bereich vom doppelten Bruttoinlandsprodukt auf ein halbes BIP geschrumpft.

Also können wir die Hände in den Schoß legen?

Wir dürfen jetzt nicht die Reformerfolge durch neue Wohltaten wie die von Frau von der Leyen vorgeschlagene Zuschussrente gefährden. Irgendwann wird auch eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters notwendig werden. Aber darüber müssen wir erst ab 2030 reden – und wir sollten auch nicht früher darüber reden, weil das die Menschen verunsichern würde.

Wenn Sie die Zuschussrente ablehnen, was können wir stattdessen gegen die Altersarmut tun?

Wir haben im Moment, anders als die breite Diskussion in den Medien suggeriert, kaum Altersarmut. Rentner sind sogar die Bevölkerungsgruppe, die am wenigsten von Armut betroffen ist. Das wahre Armutsproblem liegt bei Kindern, unqualifizierten Jugendlichen und alleinerziehenden Müttern. Altersarmut wird als Massenphänomen nicht vor 2030 auftreten, und es reicht, wenn wir uns dann darum kümmern.

Und wie?

Renten unter der Sozialhilfegrenze werden Menschen bekommen, die nicht lückenlos gearbeitet oder sehr niedrige Löhne bezogen haben. Aber für diese Menschen sollten die Sozialämter zuständig sein, die ihre Bedürftigkeit prüfen. Es spricht ja nichts dagegen, den Betroffenen einen Aufschlag auf den Sozialhilfesatz zu zahlen. Von einer Zuschussrente, die alle kleinen Renten auf einen bestimmten Satz aufstockt, würden aber auch Menschen profitieren, die neben der gesetzlichen Rente andere Einkommensquellen haben, etwa betriebliche Renten, Miet- und Kapitaleinnahmen. Warum soll ein kleiner Steuerzahler für diese Rentner eine Aufstockung finanzieren?

Kommentare (35)

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whisky

26.09.2011, 15:09 Uhr

Nur zur Erinnerung, wlche Interesen der Professor vertritt. "Ist es ein „suggestivjournalistischer“ öffentlicher Angriff, wenn Albrecht Müller in seinem neuen Buch (2006) Machtwahn auf folgende Tatsachen hinweist:
Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Instituts für Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg, ist nicht nur bekannt als wissenschaftliches Sprachrohr für die Privatisierung der Sozialversicherungen und gefragter Interviewpartner in Talkshows, sondern auch sogenannter Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Außerdem ist er wissenschaftlicher Berater des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Victoria Versicherung AG. Raffelhüschen ist auch im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe, zu deren Gesellschaften Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV Deutsche Krankenversicherung, D.A.S. und die KarstadtQuelle Versicherungen gehören. Zudem hält er unentwegt Vorträge, etwa für den Finanzdienstleister MLP."
http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=14

Account gelöscht!

26.09.2011, 18:11 Uhr

Länger arbeiten für immer weniger Geld!!! Das ist das Problem. Im Arbeitsleben werden immer höhere Werte geschaffen, doch die Gewinne fließen in die Taschen weniger Reicher ab. Es gilt die Schere Arm- Reich zu schließen.

Und dann darf natürlich nur Anspruch auf Rente haben, wer etwas dafür tut, das weiterhin Rente erwirtschaftet wird: als Eltern, und nur dadurch. Keine Kinder - Keine Rente. Dann entfallen die Kosten für Kindererziehung und dieses Geld kann in private Vorsorge investiert werden.

Aber da verdienen ja Banken und Versicherungen nichts...

Account gelöscht!

26.09.2011, 18:12 Uhr

Neue soziale Marktwirtschaft, Die müßten heißen: Initiative zur Abschaffung der Marktwirtschaft und für feudale Systeme!

Ganoven, Lumpen!!!

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