Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2010

12:48 Uhr

Berufshaftpflicht

Umstrittene Billigpolicen für Vorstände

VonThomas Schmitt

Bis Mitte des Jahres sollten sich die Vorstände von mehr als 15 000 Aktiengesellschaften eine eigene Berufshaftpflicht zulegen. Wie diese neue Police aussehen soll, ist in der Versicherungswirtschaft jedoch heftig umstritten. Vor allem Billigpolicen für wenige Hundert Euro bereiten Beratern und Betroffenen in der Industrie großes Unbehagen.

Die neue Haftpflicht für Manager ist eine Herausforderung für die Versicherungswirtschaft. ap

Die neue Haftpflicht für Manager ist eine Herausforderung für die Versicherungswirtschaft.

FRANKFURT. Die Versicherungswirtschaft muss mit der Berufshaftpflicht für Vorstände von Aktiengesellschaften einen politischen Willen umsetzen, der nicht genau definiert ist. Klar ist: Die Berliner Politik will die Manager durch eine persönliche Haftung zu verantwortlichem Handeln bewegen. Deshalb hat sie für die vom Unternehmen bezahlte Managerhaftpflicht (D&O) einen Selbstbehalt des Managers vorgeschrieben. Mindestens zehn Prozent eines Schadens oder das anderthalbfache ihrer festen Jahresvergütung sollen sie tragen. Damit dies die Manager nicht in den Ruin treibt, dürfen sie sich versichern. Doch in welcher Form?

Jurand Honisch, Versicherungseinkäufer von Bertelsmann und im Versicherungsschutzverband der Industrie (DVS) aktiv, glaubt: Die Selbstbehaltversicherungen dürfen sich nicht an dem geringsten finanziellen Aufwand orientieren. Das widerspreche der Absicht des Gesetzgebers. Er befürchtet Streit im Schadenfalle und eine weitere Aktion der Berliner Politik gegen Manager.

Der Berater Dirk Schmidt-Gallas von Simon, Kucher & Partners rät der Branche sogar, die Selbstbehalt-Police teuer anzubieten. Durch Billigangebote werde ein profitabler Markt im Keim erstickt. Die Versicherer sollten sich nicht gegenseitig die Preise kaputtmachen. Die Manager warnt er vor Billigangeboten. Da zahle man womöglich über das Kleingedruckte wieder drauf.

Diese Haltung stützt Versicherer, die wie HDI-Gerling oder Dual Deutschland teurere, aber vom Hauptvertrag getrennte Versicherungen anbieten. Sie widerspricht der Linie der Allianz. Die beiden Modelle des Marktführers laufen darauf hinaus, die neue Selbstbehalt-Police an den in der Regel vorhandenen und vom Unternehmen abgeschlossenen Vertrag zur Managerhaftpflicht (D&O) anzudocken. Getrennte Policen ohne Hauptvertrag will die Allianz nicht anbieten.

Die Konkurrenz sieht dies anders: "Der Gesetzgeber will über Selbstbehalte das Verhalten der Vorstände von Aktiengesellschaften steuern. Wir versuchen diesen politischen Willen so gut wie möglich umzusetzen - durch eine eigenständige Berufshaftpflichtpolice", sagt Rolf Aßhoff, Vorstand von HDI-Gerling. Diese sei in der Regel nicht unter 5 000 Euro für den Vorstand einer größeren Aktiengesellschaft zu haben, wenn dieser eine Mio. Euro Deckungssumme benötige. Bei der Allianz ist es eher weniger.

Versicherungseinkäufer Honisch bezahlt lieber mehr: "Die Versicherungswirtschaft sollte nicht der Versuchung erliegen, Produkte anzubieten, die erkennbar den alten Status quo stützen und einer neuerlichen Überprüfung durch den Gesetzgeber und die Rechtsprechung nicht standhalten."

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sue

08.09.2012, 14:02 Uhr

Natürlich sieht es der Gesetzgeber richtig, dass hohe Selbstbehalte notwendig sind! Wie bei fast allen Versicherungssparten sollten jedoch auch Vorstände die Billigpolicen genau prüfen und sich vorab genau informieren (z.B. http://www.guenstige-betriebshaftpflichtversicherung.de/d-und-o-versicherung.html) Es wird wahrscheinlich sowieso wieder auf einen harten Preiskampf zwischen den Versicherungen hinauslaufen (was aber ich persönlich aber nicht begrüße).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×