Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2014

06:23 Uhr

Berufsunfähigkeit

„Wer in einem schlechten Tarif steckt, hat ein Problem“

VonSara Zinnecker

Stefan Albers kennt sich aus mit Berufsunfähigkeitspolicen. Im Interview spricht der Berater über den optimalen Schutz und erklärt, was jemand tun kann, der zu schlechten Konditionen versichert ist – oder abgelehnt wird.

Die Wahl der richtigen Berufsunfähigkeit ist wichtig, Wechsel sind schwierig. Getty Images

Die Wahl der richtigen Berufsunfähigkeit ist wichtig, Wechsel sind schwierig.

„Eine private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit ist noch wichtiger als die private Altersvorsorge“: Seit die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente im Zuge der Agenda 2010 für alle nach 1961 Geborenen weggefallen ist, werden Versicherungsberater und Verbraucherschützer nicht müde, diesen Grundsatz zu predigen – zuletzt wieder auf dem Satzungskonvent des Bundes der Versicherten (BdV) in Düsseldorf.

Was sie beunruhigt: Wer heute während des Berufslebens erkrankt und berufsunfähig wird, erhält nur noch im absoluten Ernstfall finanzielle Hilfe vom Staat. Nur wer nachweislich weniger als drei Stunden am Tag irgendeiner Tätigkeit nachgehen kann – wer also nahezu invalide ist – erhält eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Wer noch mehr als sechs Stunden pro Tag eine Tätigkeit verrichten kann, bekommt nichts. „Ohne die private Absicherung gegen die Berufsunfähigkeit würde in einem solchen Fall von heute auf morgen das Einkommen wegfallen – und bis zur Rente kann es noch lang sein“, sagt BdV-Vorstand Axel Kleinlein.

Acht Tipps zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Problem

Immer mehr Deutsche können nicht mehr arbeiten. Doch ausreichend abgesichert sind sie gegen dieses Risiko nicht. Es ist jedoch sehr schwer, die richtige Police zu finden. Die Zeitschrift „Öko-Test“ gibt Tipps, was man vermeiden sollte und wie es klappen könnte.

Quelle: Öko-Test 3/2014

Glücksspiel vermeiden

Der Versuch, auf eigene Faust, die beste Police zu finden, kommt nach Ansicht von „Öko-Test“ einem Glücksspiel gleich. Interessenten sollten sich helfen lassen.

Voranfrage stellen

Mit einer anonymisierten Risikovoranfrage findet man heraus, wer im Einzelfall das beste Angebot macht. Kundige Versicherungsmakler gehen grundsätzlich so vor. Schließlich will der Kunde nicht nur einen guten Schutz, sondern auch bezahlbare Prämien.

Bedingungen checken

Nicht der Preis ist entscheidend, sondern was in den Bedingungen des Versicherers festgelegt ist. Diese sind oft jedoch unverständlich. Nur Spezialisten verstehen sie in der Regel.

Preise vergleichen

Die Preise in der Branche sind sehr unterschiedlich, deshalb lohnt ein Vergleich. Der Versicherungsmakler Helge Kühl urteilt sogar: „Viele Versicherer scheinen bei der Annahmeentscheidung oder bei der Prämienbemessung zu würfeln.“  

Laufzeit ausdehnen

Viele Versicherer versuchen, die Laufzeit des Vertrages zu kürzen. Die Tester von „Öko-Test“ empfehlen, dass man sich einen Schutz bis zum geplanten Rentenbeginn sichern sollte, also in der Regel bis zum Alter von 67 Jahren.

Flexibilität einbauen

Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit wird in der Regel in jungen Jahren abgeschlossen. Später kann sich einiges im Leben des Kunden ändern. Deshalb sollte der Schutz flexibel sein.

Zahlweise beachten

Auch Pausen in der Zahlung der Beiträge sollten möglich sein, empfiehlt „Öko-Test“.

Prioritäten setzen

Kein Versicherer ist in allen Bereichen spitze, stellte „Öko-Test“ fest. Deshalb müssen Kunden Prioritäten setzen. Dies gelingt besser, wenn man einen kundigen Berater an der Seite hat.

 

In der Praxis wird es für Erwerbstätige jedoch immer schwieriger, eine geeignete Versicherung gegen Berufsunfähigkeit zu finden. Zum einen sind die Prämien für risikobehaftete Berufe – Handwerksberufe, aber auch stressintensive Berufe, bei denen die Gefahr zu großer psychischer Belastung besteht – in den vergangenen Jahren weiter gestiegen; viele können sich die Policen nicht mehr leisten. Daneben lehnen immer mehr Versicherungen Berufstätige, die gesundheitlich vorbelastet sind, von vornherein ab.

Als geprüfter Versicherungsberater steht Stefan Albers auf der Seite der Verbraucher. Gegen Honorar informiert er Kunden in seiner Kanzlei in Montabaur über Versicherungspolicen – ohne dabei Produkte eines bestimmten Versicherers zu vertreiben. Im Nachgang zum BdV-Satzungskonvent sprechen wir mit ihm über die optimale BU-Police – und darüber, was einer tun kann, der zu schlechten Konditionen versichert ist oder vom Versicherer abgelehnt wird.

Stefan Albers ist geprüfter Versicherungsberater.

Stefan Albers ist geprüfter Versicherungsberater.

Herr Albers, wie sähe die perfekte Berufsunfähigkeitspolice aus?
Eine gute BU-Police muss im Schadensfall ausreichend absichern. Eine ausreichende Absicherung besteht, wenn der Versicherer im Schadensfall monatlich noch 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens weiterbezahlt. Darüber hinaus sollte der Versicherungsschutz bis zum Renteneintritt gelten – das heißt, der Anbieter sollte auch Zahlungen leisten, wenn die Berufsunfähigkeit des Kunden erst spät eintritt, etwa nach dem 50. Lebensjahr.

Policen, die das Risiko der Berufsunfähigkeit nur bis zu einem gewissen Alter absichern, sind also problematisch?
Ja, und ebenso Policen, die eine BU-Rente nur bis zu einem bestimmten Alter auszahlen, etwa bis zum 60. Lebensjahr. Dann nämlich entsteht eine Finanzierungslücke bis zum offiziellen Rentenalter, die der Betroffene im Zweifel aus privaten Mitteln schließen muss.

Gibt es eigentlich noch viele Policen, die auf die sogenannte abstrakte Verweisung bestehen?
In einem solchen Fall würde die Versicherung nur bezahlen, wenn der Betroffene – ähnlich wie bei der Erwerbsminderungsrente – auch keiner anderen Arbeit mehr nachgehen kann. Die meisten Versicherer verzichten aber mittlerweile auf die abstrakte Verweisung und bezahlen, wenn der Versicherte seinen letzten Beruf nicht mehr ausüben kann.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.05.2014, 15:25 Uhr

@HB

Bildunterschrift:

"Die Wahl der richtigen Berufsunfähigkeit ist wichtig, Wechsel sind schwierig. "

Richtig, wenn man einmal berufsunfähig ist, kommt man da schwer wieder heraus. Auf welche Art man berufsunfahig ist, ist hingegen vollkommen egal. :-DD

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×