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14.01.2013

13:46 Uhr

Berufsunfähigkeits-Policen

„Ein Fake, ein einziger Blödsinn“

ExklusivViele Deutsche können sich wegen hoher Kosten nicht vor Berufsunfähigkeit schützen. Die Bundesregierung möchte das ändern. Doch Experten halten die Pläne für untauglich. Womit Versicherte jetzt rechnen müssen.

Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Fotoquelle: Franke und Bornberg / Neuenhausen

Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg.

Fotoquelle: Franke und Bornberg / Neuenhausen

DüsseldorfViele Handwerker haben einen harten Job. Irgendwann machen der Rücken oder die Gelenke nicht mehr mit. Maurer oder Maler werden deshalb viel schneller berufsunfähig als Mathematiker oder Ingenieure.

Gerade für Handwerker wäre daher eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine feine Sache. Doch oft bekommen Menschen in Berufen mit starker körperlicher Belastung gar keinen vernünftigen Schutz. Und wenn eine Versicherung doch dazu bereit ist, dann ist der Vertrag oft so teuer, dass viele ihn gar nicht erst abschließen.

Berufsunfähigkeit: Überschätzen Sie ihre Versicherung nicht!

Berufsunfähigkeit

Überschätzen Sie ihre Versicherung nicht!

Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit ist nicht so unentbehrlich wie behauptet.

An diesem Problem möchte die Regierung gerne etwas ändern. Deshalb plant sie, den Abschluss von Berufsunfähigkeitspolicen stärker zu fördern. Doch nach Ansicht von Experten wird das nun denkbar falsch umgesetzt.

Die Folge könnte sein: Denen, die solch eine Versicherung brauchen, bringt die neue Förderung wohl nichts. „Die Vorschläge sind ein Fake, ein einziger Blödsinn“, schimpft dementsprechend Michael Franke, der Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg GmbH in Hannover.

„Die im Gesetzentwurf gestellten Anforderungen verhindern das wichtigste Ziel: die Verfügbarkeit geförderter Vorsorge für möglichst viele Verbraucher, insbesondere für Verbraucher mit erhöhter Invalidisierungswahrscheinlichkeit“, sagt der Branchenkenner.

Er hat eine Stellungnahme zum Entwurf des Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG) verfasst. Doch ob seine Kritik gehört wird? Da hat er wenig Hoffnung.

Extreme Prämien: Berufsunfähigkeitsversicherung

Beispiel

Zahlbeitrag für eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.500 Euro
Quelle: Franke und Bornberg

Bemessungsgrundlage

ein Mathematiker mit einem Zahlbeitrag von 70,68 Euro pro Monat

Günstig

ein Diplom-Ingenieur zahlt nicht viel mehr: 77,45 Euro

Finanzierbar

ein Personalfachwirt käme auf 83,95 Euro

Machbar

Auch ein technischer Zeichner gehört zu einer Berufsgruppe, die noch weniger als 100 Euro zahlt: 99,53 Euro

Ein Drittel mehr

Bürokauffrauen zahlen überraschend viel: 106,67 Euro

Teure Übersetzung

Dolmetscher kommen auf 115,50 Euro

Schlecht versichert

Sozialversicherungsangestellte zahlen fast doppelt so viel wie ein Mathematiker: 132,10 Euro

Doppelter Beitrag

Elektriker kommen auf 151,71 Euro

Keine Prozente

Von Winzer verlangen Versicherer sogar 172,20 Euro

Dreifacher Beitrag

Richtig teuer wird es für Schlosser: 208,02 Euro

Vierfacher Beitrag

Nichts gegen Maler; die sogar das Vierfache eines Mathematiker zahlen: 280,07 Euro

Mehr als das Fünffache

Keine Chance auf eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung dürften Maurer haben: 395,61 Euro sind mehr als fünf Mal soviel wie beim Mathematiker.

Schon heute sei die Berufsunfähigkeitsversicherung für körperlich Tätige kaum mehr bezahlbar, stellt Franke fest. Nun komme die Regierung mit Vorgaben, die willkürlich erschienen und in die falsche Richtung gingen. Was die Regierung nun festschreiben wolle, biete ein Großteil der angebotenen Berufsunfähigkeitsversicherungen bereits, so Franke.

Kommentare (18)

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14.01.2013, 15:42 Uhr

Im Gemüsemarkt achtet man auf Wettbewerb. Das kg ist geeicht und die Kartoffeln sind in Güteklassen eingeteilt, so dass der Verbraucher Preis und Leistung vergleichen kann, um das für ihn beste Angebot auszuwählen.

Warum gibt es das nicht im Finanz- und Versicherungsmarkt?

Man hat den Eindruck das Parlament unterstützt das Schummeln der Großkonzerne. Kein Verbraucherschutz, keine Förderung des Wettbewerbs stattdessen Branchen- und Klientelpolitik, Vorteilsgewährung - wie den Fürsten vor 1000 Jahren.

Account gelöscht!

14.01.2013, 16:28 Uhr

Die Kritik von Herrn Franke ist absolut berechtigt, sollte aber m. E. noch um den Punkt der katastrophalen Annahmepolitik der Gesellschaften ergänzt werden.

Der extreme Wettbewerb hat nachweislich in den vergangenen Jahren zu immer günstigeren Prämien und besseren Bedingungen geführt, leider um den Preis der Tatsache, dass fast niemand mehr den Schutz ohne Ausschlussklausel bekommt, wenn sie/er bei den Gesundheitsfragen bei der Wahrheit bleibt.

Allerwelts-Allergie wie Heuschnupfen führt schnell zum generellen Ausschluss Atemwegserkrankungen, ein leichhtes Zwacken im Rücken so gut wie immer zum Ausschluss Wirbelsäulenerkrankungen.

Bei 40-jährigen beträgt die Wahrscheinlichkeit, normal versichert zu werden, ungefähr 10%.

Welcher_Versicherung_vertrauen

14.01.2013, 20:31 Uhr

Die Regierung sollte unbedigt eine Statistik pflegen und veröffentlichen, die Anzahl von Auszahlungen im Leistungsfall der einzelnen Versicherungen anzeigt, im Vergleich zu den verweigerte Auszahlungen bei einer Berufsunfähigkeit, um eine Orientierung bei der Wahl eines Anbieters zu erhalten.

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