Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.12.2016

14:57 Uhr

Berufsunfähigkeitsversicherung

Warum die BU-Versicherung teurer wird

VonJulia Groth

Für Berufsunfähigkeitsversicherungen werden ab nächstem Jahr höhere Beiträge fällig. Arbeitnehmer sollten auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Eine Analyse zeigt deutliche Unterschiede in den Policen auf.

Depressionen können eine Berufsunfähigkeit auslösen. dpa

Krankheit mit Folgen

Depressionen können eine Berufsunfähigkeit auslösen.

Im kommenden Jahr wird es für Arbeitnehmer oder Studenten, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) neu abschließen wollen, teurer. Der Grund: Der Garantiezins für Lebens- und Rentenversicherungen sinkt zum 1. Januar 2017 von derzeit 1,25 auf 0,9 Prozent.

Je nach Altersklasse der Versicherungsnehmer steigen die monatlichen Beiträge dann voraussichtlich um zwei bis fünf Prozent, hat der Finanzvertrieb MLP errechnet. „Hintergrund ist, dass die Versicherer mit den monatlichen Zahlungen auch Reserven aufbauen müssen“, erklärt Miriam Michelsen, Leiterin des Bereichs Altersvorsorge und Krankenversicherung bei MLP. Je niedriger der Garantiezins liegt, desto stärker müssen sie sich an den Beiträgen bedienen.

Tipps für die Berufsunfähigkeitsversicherung

Früh abschließen

Schließen Sie eine Berufsunfähigkeit in jungen Jahren ab, wenn noch keine Krankheiten vorliegen. Denn bei chronischer Erkrankung ist es oft zu spät. Achten Sie darauf, dass sie die Versicherungssumme ohne Gesundheitsprüfung erhöhen können, wenn sich ihre Lebensverhältnisse ändern.

Faustregel

Als Faustregel gilt: Die monatliche Berufsunfähigkeitsrente sollte zwischen 70 und 100 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens betragen. Doch Abweichungen sind möglich.

Inflation beachten

In den Vertrag sollte eine Dynamik der Berufsunfähigkeitsrente vereinbart werden. Denn auf Grund der Inflationsrate verliert das Geld kontinuierlich an Wert.

Keine abstrakte Verweisung

Der Vertrag sollte die abstrakte Verweisung ausschließen. Das bedeutet die Berufsunfähigkeit ist stets auf den erlernten Beruf bezogen. Mit einer abstrakten Verweisung kann der Versicherer verlangen, dass der Berufsunfähige in einem anderen Beruf arbeitet.

50 Prozent

Der Versicherer sollte voll bezahlen, wenn die Berufsunfähigkeit zu 50 Prozent gegeben ist.

Vorsicht bei Koppelung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte auf keinen Fall an eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung gekoppelt sein. Denn kündigen sie dann ihre Altersvorsorge, entfällt auch der Risikoschutz.

Flexibilität bewahren

Der Vertrag sollte flexibel genug sein, um den späteren Wechsel etwa in die Selbstständigkeit ermöglichen.

67er-Falle

Die 67er Falle. Die Versicherung sollte unbedingt die Zeitspanne bis zum Renteneintritt abdecken. Dabei ist die Anhebung der Altersgrenze zu berücksichtigen. Andernfalls entsteht eine Deckungslücke.

Nachversicherungsgarantie

Im Vertrag sollten vor allem Jüngere unbedingt eine Nachversicherungsgarantie vereinbaren, um die Berufsunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung später erhöhen zu können.

Wahrheitsgemäße Angaben

Beim Abschluss des Vertrages sind Fragen zum Gesundheitszustand wahrheitsgemäß zu beantworten. Andernfalls zahlen Sie womöglich jahrzehntelang ein, um dann - wenn der Versicherer im Ernstfall die Krankenakte prüft - ohne Absicherung dazustehen.

Prognosezeitraum

Immer wieder ein Zankapfel ist der sogenannte Prognosezeitraum, den der Arzt für eine potenzielle Berufsunfähigkeit attestieren muss. In vielen Fällen verlangen die Versicherungen einen Zeitraum von ein bis drei Jahren für „eine voraussichtlich dauernde Berufsunfähigkeit“. Doch das ist oft nicht realistisch. Im Vertrag sollten maximal sechs Monate vereinbart sein.

Höhere Beiträge dürften BUs noch unattraktiver machen, als sie für viele Arbeitnehmer ohnehin schon sind. Wer einen gesundheitlich riskanten Beruf ausübt und eine BU besonders gut gebrauchen könnte, muss dafür bereits heute tief in die Tasche greifen. So zahlen etwa Handwerker wie Schlosser oder Maurer deutlich mehr als Mathematiker oder Bankkaufleute.

Trotz der oft hohen Beiträge gehört eine BU aber zu den wichtigsten Versicherungen, sagt der Bund der Versicherten (BdV). Um Kosten zu sparen, sollte man sie zu Beginn der Ausbildung oder des Studiums abschließen – es sei denn, die Ausbildung ist mit körperlicher Arbeit verbunden. Dann bietet es sich an, die Police bereits als Schüler abzuschließen. „Bei voller Gesundheit ist ein Vertragsabschluss mit 40 Jahren ungefähr 40 Prozent teurer als mit 30 Jahren“, warnt der BdV.

Wer sich für den Abschluss einer BU entscheidet, sollte auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Das Ratinghaus Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt 34 Angebote verglichen. Das Ergebnis: 18 Versicherer bekamen die Note „sehr gut“, zehn die Note „gut“, vier mussten sich mit „befriedigend“ und zwei mit „ausreichend“ begnügen. Bei den getesteten Policen handelt es sich um sogenannte selbständige BUs. Das heißt: Sie sind keine Zusatzversicherung zu klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen, sondern eigenständige Produkte.

Die Experten von Franke und Bornberg haben die Konditionen für drei Berufe verglichen: Bankkaufmann, Maschinenbauingenieur und Vertriebsleiter. Die Musterkunden sind ledig, Nichtraucher und üben keine schweren körperlichen Arbeiten aus. Bankkaufmann und Maschinenbauingenieur sind 30 Jahre alt und möchten im Schadensfall eine BU-Rente von 1.500 Euro pro Monat. Der Vertriebsleiter ist 45 Jahre und möchte eine Rente in Höhe von 2.500 Euro erhalten, falls er seine Arbeit nicht mehr ausüben kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×