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20.01.2007

10:13 Uhr

Beschäftigung

Angehörige verpflichten

Die Großmutter hütet häufig den Enkel, weil beide Eltern arbeiten? Dann engagieren Sie Ihre Oma offiziell als Tagesmutter.

Doppelverdiener dürfen zwei Drittel des an Kindergärten, Tagesmütter oder Babysitter gezahlten Lohns von der Steuer absetzen, pro Kind bis zu 4 000 Euro im Jahr - und das Finanzamt muss den hohen Steuervorteil auch dann abnicken, wenn die Kinderbetreuung in der Familie bleibt. Die Großmutter muss eine Rechnung schreiben, das Honorar tatsächlich kassieren und den Lohn versteuern. "Die Eltern müssen dem Finanzamt Rechnungen und Überweisungsbelege vorlegen", sagt Steuerberater Röttger. Erfreulich: Als Rechnung gilt auch ein Arbeitsvertrag. Das hat die Oberfinanzdirektion Koblenz jetzt in einer Anweisung an Finanzbeamte klargestellt (S-2000 A - St 323). Mit dem Modell ist erst Schluss, wenn das Kind 15 wird. Und: Auch Elternteile mit Minijob gelten für die Steuer als berufstätig.

Arbeitet dagegen nur ein Partner, gibt es den vollen Steuervorteil nur für drei- bis sechsjährige Kinder. Jenseits dieser Altersspanne können Einzelverdiener 20 Prozent von Omas Tagesmutterlohn absetzen, maximal 600 Euro im Jahr. Vorausgesetzt, die Oma kommt ins Haus. Lebt die Dame ohnehin unterm selben Dach, funktioniert das Ganze nicht: Dann gilt ihr Babysitting als kostenloser Haushaltsbeitrag. Ebenfalls einen 20-Prozent-Bonus gibt's, wenn Verwandte anderweitig engagiert werden, etwa als Putzhilfe oder Gärtner.

Ist ein Familienmitglied selbstständig, kann es auch Verwandte einsetzen - etwa die Ehefrau als Bürokraft oder den Sohn als Aushilfe. Der Lohn bleibt so in der Familie und mindert gleichzeitig als Betriebsausgabe den Gewinn der Firma. Wenn Kinder oder Partner ansonsten nichts oder wenig dazuverdienen, müssen sie oft gar keine Steuern zahlen - oder zumindest deutlich weniger, als ihr familiärer Arbeitgeber spart. "Arbeitsverträge mit Verwandten müssen genauso aussehen wie mit Familienfremden", sagt Dietmar Müller-Boruttau, Arbeitsrechtler bei der Kanzlei Linklaters. Kommen Betriebsprüfer später zum Ergebnis, mit Fremden wäre eine solche Vereinbarung nie geschlossen worden, streichen sie den Abzug des Lohns vom Gewinn. Vor allem die angemessene Höhe des Honorars prüfen sie genau. Zudem sollten Aufgaben, Arbeitszeiten, Kündigungsfristen sowie die Probezeit geregelt sein. Müller-Boruttau: "Je mehr im Vertrag steht, desto besser."

Damit ersparen sich Unternehmer den Ärger, den der Inhaber eines Sportgeschäfts in Bayern hatte. Das Finanzamt wollte den Vertrag mit seiner Schwiegermutter nicht anerkennen, die er für 300 Euro im Monat als Putzfrau beschäftigte. Erstens sei die Arbeitszeit nicht geregelt, zweitens habe die fleißige Frau den Monatslohn jeweils postwendend an ihre Tochter überwiesen. Ja und?, sagte das Finanzgericht München (6 K 5409/04). Schwiegersohn und -mutter hätten eben vereinbart, dass sie so lange putze, bis der Laden sauber sei. Solche Abmachungen seien keineswegs unüblich und auch zwischen Fremden denkbar. Und was die Frau hinterher mit dem Geld mache, sei ihre Sache und gehe die Beamten nichts an.

Die Flut positiver Urteile belegt: Wer Verwandte geschickt einsetzt, macht die Familie zum maßgeschneiderten Steuersparmodell. Vorausgesetzt, er pflegt nicht nur den Steuervorteil, sondern auch die Familienbande. Denn kommt es zum Rosenkrieg, können die engen Vertragsbeziehungen zwischen den Verwandten besonders hässliche Folgen haben. Bricht die Familie auseinander, ist auch der Spaß am Steuernsparen vorbei.

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