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23.04.2015

11:59 Uhr

Betriebliche Altersversorgung

Die Rentenparty ist bald vorbei

VonSara Zinnecker

Nach zig Jahren im Betrieb winkt die wohlverdiente Betriebsrente. Noch. Denn das Zinstief greift auch die betriebliche Altersversorgung an. Wo es hakt und was sich Arbeitnehmer überlegen sollten. Das Tool der Woche.

Doch die dürfte sich bald eintrüben. Auch Betriebsrenten stehen im Zinstief unter Druck.

Angestellte in Feierlaune

Doch die dürfte sich bald eintrüben. Auch Betriebsrenten stehen im Zinstief unter Druck.

DüsseldorfDas gesetzliche Rentenniveau sinkt, das ist politisch gewollt. Dank der dauerhaft niedrigen Zinsen leiden auch die Privatrenten. Die klassische Lebensversicherung etwa, der Deutschen liebstes Vorsorgeinstrument, wirft aufgrund der konservativen Anlage des Geldes kaum mehr etwas ab. Geht es nach dem Willen von Andrea Nahles soll jetzt die betriebliche Altersversorgung den Karren aus dem Dreck ziehen. Nach der Rente ab 63 ist die Betriebsrentenreform das neue Projekt der Bundesarbeitsministerin.

Derzeit ist jeder dritte Beschäftigte in Deutschland noch ohne betriebliche Altersversorgung. Das soll sich ändern. Konkret will die Bundesarbeitsministerin die Verbreitung von Betriebsrenten steigern – mit Hilfe der Tarifparteien. Die Idee: Wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände Jahr für Jahr neue Lohnrunden verhandeln, sollen sie die Arbeitgeberzuschüsse zur Betriebsrente gleich mit festsetzen. Die Regelung wäre verpflichtend für alle Betriebe, die unter den Tarifvertrag fallen.

Vorsorgeexperte im Interview: „Arbeitnehmer müssten jetzt mehr sparen“

Vorsorgeexperte im Interview

„Arbeitnehmer müssten jetzt mehr sparen“

Im Nullzinsumfeld packt die Politik jetzt bei den Betriebsrenten an. Im Interview erklärt ein Experte, warum Arbeitnehmer Verluste fürchten müssen und welche Art der betrieblichen Altersversorgung künftig dominiert.

Es wäre eine recht drastische Maßnahme, die zweite Vorsorgesäule zu stärken. Sowohl Arbeitgeberverbände als auch Gewerkschaften haben ihre Zweifel. Die Arbeitgeberseite fürchtet um die unternehmerische Unabhängigkeit, die Arbeitnehmerseite darum, dass manche Unternehmen innerhalb einer Branche im Rahmen des Tarifvertrags Zuschüsse zusammenstreichen – und Arbeitnehmer dann schlechter dastehen als vorher. „Es besteht die Gefahr, dass manche Arbeitnehmer etwas verlieren“, kommentierte Richard Herrmann, Vorstand der Heubeck Beratung und Experte für betriebliche Altersvorsorge im Interview mit Handelsblatt Online.

Als größte deutsche Gewerkschaft hat sich zuletzt die IG Metall mit einem eigenen Vorschlag zu Wort gemeldet. Im Handelsblatt forderte Gewerkschaftsvorstand Hans-Jürgen Urban, dass Arbeitgeber Beschäftigten von sich aus ein „attraktives Angebot“ einer Betriebsrente unterbreiten sollen. Sie sollen also aktiv auf die Möglichkeit hinweisen, dass Teile des Gehalts in die betriebliche Altersversorgung umgewandelt werden können – und idealerweise noch etwas zuschießen.

Die fünf Formen der Betriebsrente

Direktzusagen

Der Betrieb garantiert die Renten und bildet dafür Rücklagen. 4,6 Millionen Versicherte haben einen Anspruch. Auch Arbeitnehmer können mit einbezahlen – die Beiträge sind nach oben hin unbegrenzt steuerfrei.

Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst

Das umlage- und rücklagefinanzierte System öffentlicher Träger ist stark verbreitet. Alle im öffentlichen Dienst Beschäftigten können davon profitieren. 5,2 Millionen der Versicherten haben darauf Anspruch.

Direktversicherungen

Der Betrieb schließt eine Lebensversicherung für seine Mitarbeiter ab. 4,7 Millionen Versicherte haben darauf Anspruch.

Pensionskassen

Eine Pensionskasse ist vergleichbar mit einem Lebensversicherer, befindet sich aber oft in Betriebshand. 4,7 Millionen Versicherte haben darauf Anspruch.

Pensionsfonds

In der Regel legt ein Vermögensverwalter die Beiträge am Kapitalmarkt an. 400.000 Versicherte haben darauf Anspruch. Quelle: Alterssicherungsbericht 2012

Den Anspruch bis zu 4.704 Euro vom Jahresbrutto steuer- und abgabenfrei in die betriebliche Altersversorgung zu stecken (sogenannte Entgeltumwandlung) haben Arbeitnehmer bereits seit 2002. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers weiß jedoch etwa jeder Fünfte nichts von dieser Möglichkeit. Eine Hinweispflicht auf die Entgeltumwandlung vonseiten des Arbeitgebers könnte der Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung helfen, glauben Experten.

Doch allen Vorschlägen zum Trotz: Beobachter sind sich einig, dass eine stärkere Verbreitung der Betriebsrenten die Lücke nicht schließen könnte, die die Niedrigzinsen in die betriebliche Altersversorgung reißen. Dabei sehen Experten zweierlei Probleme. Wie genau das Nullzinsumfeld die Betriebsrenten schwächt, hängt davon ab, ob der Arbeitgeber die Pensionszusagen selbst getätigt hat und erwirtschaften muss (sogenannte Direktzusagen), oder ob er die Pensionsvermögen durch einen externen Dienstleister, etwa eine Versicherung, verwalten lässt.

Kommentare (12)

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Herr peter Spirat

23.04.2015, 12:08 Uhr

Wohl dem, der von seinen Immobilien, Dividenden oder anderen Anlagen leben kann. Oder wer ein Unternehmen aufgebaut hat und davon lebt. Immer wieder zeigt es sich, dass die sogenannten Renten wie Lügen sind. Beide haben kurze Beine. Egal, was immer in der L-Presse steht, oder war ein Politiker sagt. Immer heißt es, dass man sich NIE auf den Staat oder die Politik verlassen darf.

Mit 40 sollte man seine Schafe (außerhalb von Staat und Betrieb) im Trocknen haben, oder man steht im Regen.

Herr Josef Schmidt

23.04.2015, 12:23 Uhr

Die Rentenparty ist schon seit Jahren vorbei.

Immobilien, Dividenden (also Aktien) und andere Anlagen ausserhalb von Staat und Betrieb ?

Ich bin echt neugierig wie das gehen soll ? Das sind doch nur leere Sprüche ala Westend.

Jedes Aktiendepot, Bankkonto und jedes Grundbuch (letztes Zensus 2011) ist dem Staat und der Steuerbehörde bestens bekannt und die Daten sogar automatisiert über EDV zugreifbar. Ich glaube da wiegen sich viele Leute in einer trügerischen Sicherheit.

Herr Peter Hubich

23.04.2015, 12:28 Uhr

" .... von seinen Immobilien, Dividenden oder anderen Anlagen leben ..."
iwrd nicht passieren. jede zusätzliche Einnahme zur gestezlichen Rente ist VOLL Kranken-und Pflegerversicherungspflichtig OHNE AG Zuschuss. Das wird teuer. Das hat die SPD damals noch geregelt. Ulla Schmidt hieß die Dame.
Manchmal dnek ich, die einzige Altersvorsorge sind Goldstückchen von denen keiner weiß.
Die Gierigen werden niemanden die Butte auf dem Brot gönnen. Und wir wählen die Gönner der Gierigen auch immer wieder.

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