Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2014

12:38 Uhr

Betrug am Geldautomaten

NRW und Baden-Württemberg liegen vorn

Die Zahl der Betrügereien an Geldautomaten ist 2013 gesunken. Moderne Technik macht es den Verbrecher immer schwerer, doch unmöglich ist der Diebstahl nicht. Wo die Diebe besonders oft zuschlagen.

Weniger Fälle, geringerer Schaden - die Betrügereien an Geldautomaten gehen zurück. dpa

Weniger Fälle, geringerer Schaden - die Betrügereien an Geldautomaten gehen zurück.

BerlinDie Zahl der Betrugsfälle an Geldautomaten ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken, auch für 2014 erwarten Experten einen weiteren Rückgang. Das berichtet die Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag) unter Berufung auf die Euro Kartensysteme GmbH, eine Einrichtung der deutschen Kreditwirtschaft für das Sicherheitsmanagement von Zahlungskarten. Der Schaden lag 2013 demnach bei 11,3 Millionen Euro.

Dem Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr im Ausland 487 Manipulationen deutscher Karten festgestellt, 2012 waren es noch 830. Die Zahl der „Skimming“-Fälle im Inland ging demnach von 520 auf 341 zurück. Im Dezember hatte Euro Kartensysteme der dpa diese Größenordnungen schon für den Zeitraum Januar bis November genannt und dies mit moderner Sicherheitstechnik begründet.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Der „Welt“ zufolge sind die Karten deutscher Kunden 2013 vor allem in Frankreich, in der Türkei und in Italien Ziel von Attacken geworden - dicht gefolgt von Mexiko, Brasilien und Thailand. Im Inland schlugen die Datendiebe demnach erneut besonders häufig in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zu. Bayern rückte dem Bericht zufolge von Platz fünf auf den dritten Rang vor.

Angesichts immer sicherer Technik müssen Betrüger in ferne Länder reisen, um mit gestohlenen Daten auch Geld zu erbeuten. Hintergrund ist die sogenannte EMV-Technik: Durch diese Technologie wird die Echtheit der Karte sowohl an Geldautomaten als auch an den Bezahlterminals im Handel überprüft. Der EMV-Sicherheitsstandard wurde vor mehr als zwei Jahren flächendeckend in Europa eingeführt.

„Da die Zahl der Länder mit EMV-Standard in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gestiegen ist, können Kartenfälschungen in immer weniger Ländern missbräuchlich eingesetzt werden“, sagte Margit Schneider von Euro Kartensysteme der „Welt“. Zudem seien auch die Verbraucher sicherheitsbewusster geworden. „Viele Kunden gehen heute achtsamer mit ihrer Girocard um als früher.“

Für 2014 erwartet Schneider einen weiteren Rückgang der Betrugszahlen: „Wir rechnen damit, dass sich die erfreuliche Entwicklung auch 2014 fortsetzt.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×