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15.03.2012

18:26 Uhr

BGH-Urteil

DVAG haftet für schlechte Beratung

Der Bundesgerichtshof hat die Deutsche Vermögensberatung zu Schadenersatz verurteilt, da einer ihrer Vertreter Kunden übers Ohr gehauen hatte. Wenn ihre Handelsvertreter betrügen, müssen Finanzbetriebe dafür haften.

Die DVAG holte im Krisenjahr 2011 ein Rekordergebnis ein.

Die DVAG holte im Krisenjahr 2011 ein Rekordergebnis ein.

FrankfurtFinanzvertriebe müssen nach einem BGH-Urteil für Betrügereien ihrer freien Handelsvertreter haften. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, am Donnerstag in Karlsruhe, dass die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) an einen Kunden zahlen muss, den ihr Vertreter nach eigenem Eingeständnis übers Ohr gehauen hatte.

Der Mann hatte die Anlage des Kunden in einen Aktienfonds des Deutsche Investment-Trust (DIT) einfach aufgelöst, indem er dessen Unterschrift fälschte und den Verkaufswert der Anteile auf sein Privatkonto überweisen ließ. Der Vertreter des größten deutschen Allfinanzvertriebs war wegen dieses und anderer Delikte zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. (Az.: III ZR 148/11)

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

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...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Die meisten Finanzvertriebe wie die DVAG, MLP oder AWD, aber auch Versicherer oder Bausparkassen bedienen sich freier Handelsvertreter. Sie sind nicht fest angestellt, arbeiten aber mehr oder weniger exklusiv für das Unternehmen auf dessen Rechnung und leben vorwiegend von Provisionen.

Der BGH entschied, die DVAG müsse sich das Fehlverhalten des Vermittlers zurechnen lassen, „weil ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen seinem schuldhaften Verhalten und den Aufgaben bestand“, die er für sie übernommen hatte. So habe er die Informationen über die Fondsanlage ebenso im Rahmen seiner Beratungstätigkeit erhalten wie die Formulare zur Auflösung der Fondseinlage.

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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MSchmidt

02.11.2012, 21:58 Uhr

Kundenschädigende Umdeckungen durch Strukturvertriebe

Es gibt viele negative Berichte über die DVAG oder Strukturvertriebe allgemein.
Der Kunde steht in keinster Weise im Vordergrund, sondern nur der Vermögensberater, der stets versucht, seine ihm zur Verfügung stehenden Policen zu verkaufen. Ob diese für den Kunden geeignet und auch vom Preis bezahlbar sind, lässt sich ganz leicht sagen, wenn jeder einzelne, bevor er einen Versicherungsvertrag bei einem Strukturvertrieb (DVAG,AWD,OVB,MLP) abschließt, diesen mit anderen Anbietern vergleicht, was die allerwenigsten auch machen und sich dann wundern, wenn sie wieder zu wenig in der Portokasse für Lebensmittel übrig haben.

Es gibt aber ein sehr Ruf schädigendes Wort, was bei den Strukturvertrieben sehr oft angewendet wird, um neue Provisionen und Einheiten zu kassieren. "Umdeckungen" Bei Riester wurde dies z.B. bei den Tarifen 1RG-3RG in den Tarif 4RG sehr sehr oft durchgeführt, was immer mit deutlichen Nachteilen für den Kunden zur Folge hatte.

Auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung wurden sogenannte "Umdeckungen" durchgeführt. Kunden, die bereits eine bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung haben, sollten sich genau überlegen, ob sie ihre Berufsunfähigkeitsversicherung umdecken, da neue Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen. Wenn diese aber lasch beantwortet werden, riskiert man seinen Versicherungsschutz und der Schaden für den Kunden ist um vieles größer. Für den Schaden will dann garantiert keiner haften.

Bausparverträge, die dem Kunden durch z.B. die DVAG angeboten werden, sind für den Kunden ein riesen Verlustgeschäft, da die Guthabenverzinsung bei mikrigen 1% liegt, dafür aber bei der Abschlussgebühr 1,6% verlangt wird. Teils werden Bausparer jehnseits der 200.000€ Bausparsumme abgeschlossen, was weit an einer bedarfsgerechten Beratung am Kunden vorbei geht.

Alles in allem, sollte sich jeder vorher genauestens informieren, bevor er einen Vertrag bei der DVAG unterschreibt.

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