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06.01.2004

15:18 Uhr

Branche profitiert kaum vom Börsenaufschwung

Lebensversicherer bieten niedrige Zinsen

Der Trend ist eindeutig: Die Gesamtverzinsung der deutschen Lebensversicherer geht nach unten. Viele haben zum Jahreswechsel ihre neuen Sätze bekannt gegeben, nachdem im Dezember der Marktführer Allianz seinen Satz deklariert hatte.

fw DÜSSELDORF. Die Lebensversicherer haben in der Börsenbaisse ihre Aktienquoten heruntergefahren. Als sich die Börse im vergangenen Jahr erholte, konnten sie davon nur wenig profitieren. Viele Experten, darunter die US-Bank Goldman Sachs, erwarten daher auf längere Sicht niedrige Renditen. Darauf deuten auch Äußerungen der Branche selbst hin. Bernhard Schareck, der neue Präsident des Branchenverbandes GDV, hat kürzlich in zahlreichen Interviews die Botschaft verbreitet, dass Garantien künftig Geld kosten müssen. Das heißt im Klartext, dass bei Produkten, die einen Mindestzins garantieren, die gesamten Renditen künftig niedriger ausfallen dürften.

Der wichtigste Grund für die neue Politik der Lebensversicherer ist der Druck der Kapitalmärkte. So merkt zum Beispiel eine Studie über die Münchener Rückversicherung an, der Konzern leide darunter, dass lange Zeit die Garantien bei seinen Erstversicherungstöchtern „unter Preis“ abgegeben worden seien. Der Konzern habe dies aber erkannt. Die Münchener haben über die Zwischenholding Ergo mit der Hamburg-Mannheimer und der Victoria große Lebensversicherer unter ihren Fittichen.

Die Gesamtverzinsung erhält der Kunde nur auf das Guthaben, das nach Abzug der Kosten aus seinen Prämien angespart wird. Sie ist daher nur bedingt mit Renditen anderer Kapitalanlagen vergleichbar. Wenn sie geändert wird, dann gilt das gleichermaßen für Neu- wie für Altverträge. Ein Teil der Gesamtverzinsung ist garantiert – dies ist der so genannte Garantiezins. Er wird von der Regierung – als Höchstgrenze, die aber in der Regel ausgeschöpft wird –, festgelegt. Dieser Garantiezins sank zum Jahreswechsel von 3,25 % auf 2,75 % – aber nur für die neuen Verträge, Altverträge haben zum Teil sogar noch 4 %.

Die Attraktivität einer Lebensversicherung sollte nicht allein an der deklarierten Gesamtverzinsung bemessen werden. Mindestens genauso wichtig ist die finanzielle Stärke des Unternehmens, denn nur sie ermöglicht, auch in schwierigen Zeiten eine vernünftige Verzinsung durchzuhalten. Ansatzpunkte zur Finanzstärke bieten die „stillen“ Reserven oder Lasten in den Kapitalanlagen der Versicherer, die zwar nicht in der Bilanz auftauchen, aber im Geschäftsbericht genannt werden müssen. Eine andere wichtige Position ist die „freie Rfb“ (RfB:Rückstellung für Beitragsrückerstattung), in der Mittel geparkt werden können, die noch nicht fest verplant sind.

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