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12.05.2014

16:50 Uhr

Buchkritik

Geld macht doch glücklich!

VonSara Zinnecker

In seiner Sendung macht Günther Jauch Millionäre. Doch was löst ein Geldgewinn bei Menschen aus? In seinem neuen Buch ist Psychologe Jörg Zeyringer der Wirkung des Geldes auf der Spur. Leser müssen allerdings mitdenken.

Günther Jauch macht Millionäre. Welche Wirkung entfaltet Geld auf Menschen? dpa

Günther Jauch macht Millionäre. Welche Wirkung entfaltet Geld auf Menschen?

DüsseldorfDer ein oder andere mag sich noch an Meike Winnemuth erinnern. Vor vier Jahren schaffte es die freie Journalistin auf den Stuhl bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“, beantwortete 14 Fragen richtig – und verließ das Studio 500.000 Euro reicher.

Bevor sie in die Sendung kam, hatte Winnemuth in einem Selbstversuch ein Jahr lang das gleiche Kleid getragen. Sie schrieb darüber, wie es sich persönlich anfühlte, jeden Tag zu verzichten. Besonders wohl fühlte sie sich in dieser Zeit nicht. Ganz anders im Anschluss an den Geldgewinn: Der Verzicht war vorbei, Winnemuth ein Jahr lang auf Weltreise. Sie war losgezogen, ihren Traum zu leben. Die Möglichkeit, nun alles tun zu können, was sie wolle, mache sie glücklich, schrieb die die Journalistin.

Es ist das Beispiel von Meike Winnemuth, das der Motivationspsychologe Jörg Zeyringer des Öfteren bemüht, wenn er in seinem neuen Buch über die Wirkung von Geld schreibt. Dabei ist „bemühen“ ein treffendes Verb – denn so viel vorweg: Das Buch überzeugt nicht gerade durch einen stringenten Aufbau. Die Fragen: „Motiviert Geld?“, „Macht Geld glücklich?“, „Nützt Geld?“ sind zweifellos interessant. Doch wer die Zusammenhänge im Buch verstehen will, braucht eine gewisse Ausdauer. Der Leser muss willens sein, selbst mitzudenken – und das impliziert: zurückblättern, innehalten, vergleichen.

Ein Beispiel: Die Geschichte von Meike Winnemuth ist Ausgangspunkt für den Autor, um zu zeigen, dass Geld glücklich macht. Als Begründung liefert der Psychologe zunächst eine intuitive Theorie: Geld, eröffnet seinem Besitzer Möglichkeiten, allerdings nicht in einem linearen Verhältnis, sondern exponentiell. Während ein 100-Euro-Schein rational betrachtet einfach ein Hunderter sei, bedeute er emotional weit mehr. Denn: „Die Möglichkeiten, die sich durch den Besitz des Scheins ergeben, vervielfachen sich.“

Das „Paradoxon des emotionalen Geldwerts“ liest sich gut – allerdings führt Zeyringer es nicht im Kapitel über Meike Winnemuth ein, sondern weiter vorne, in anderem Zusammenhang. Da geht es separat um die Frage, ob der Mensch in Bezug auf Geld rational handelt, ob es den von der Wirtschaftstheorie oft unterstellten „Homo oeconomicus“ wirklich gibt. Bei Meike Winnemuth angekommen, wird der Leser also das erste Mal zurückblättern, sich ein zweites Mal mit dem Homo oeconomicus auseinandersetzen – um sich dann wieder dem Zusammenhang zwischen Geld und Glück zu widmen.   

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Nach dem Kapitel weiß er: Die emotionale Komponente des Geldes entfaltet bei Menschen ein Glücksgefühl. Was er noch nicht weiß ist, wie dieses Glückgefühl zustande kommt. Wieso macht es uns glücklich, wenn wir viele Möglichkeiten haben? Man könnte ja auch davon ausgehen, dass zu viele Optionen – im Gegenteil – unglücklich machen, Stress verursachen. Eine wissenschaftliche Antwort darauf liefert Zeyringer – allerdings erst gute 70 Seiten später.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

12.05.2014, 17:04 Uhr

Geld ist ehrlich es ist die ENRGIE dieser Welt.

Wer damit wirklich Probleme hat, hat mit seinem Leben auch IMMER Probleme. Wer es richtig nutzt, dem gibt Geld Freiheit, das zu machen, was er will und was er (materiell) erreichen will.

D

Account gelöscht!

12.05.2014, 17:48 Uhr

Klar macht Geld glücklich, denn es gibt Freiheit und Unabhängigkeit.

Das dies nicht so sein soll, wir den Habenichtsen erzählt, damit die nicht rebellieren.

Account gelöscht!

12.05.2014, 18:13 Uhr

yappy

Und so hat jeder, was er will. Wir haben das Geld, die (finazielle-) Freiheit und etwas Einfluss und die Habe-nixe fühlen sich gerecht, gut und ehrlich.

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