Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2012

08:22 Uhr

Bürokratie-Dschungel

Wie man beim Umzug den Überblick behält

VonKatharina Schneider

Ein neues Haus, eine neue Wohnung, Umziehen kann so schön sein. Doch wer der Heimat den Rücken kehrt, muss sich auf viel Bürokratie einstellen. Mit diesen Tipps geht beim Umzug alles glatt.

Zu einem Umzug gehört viel Organisation und Bürokratie. dpa/picture alliance

Zu einem Umzug gehört viel Organisation und Bürokratie.

DüsseldorfJedes Jahr packen Millionen Deutsche ihr Hab und Gut zusammen und ziehen um. Egal ob das neue Zuhause in der gleichen Stadt liegt oder am anderen Ende des Landes, eines ist immer gleich: Zum Umzug gehört viel Organisation und Bürokratie. Damit alles reibungslos klappt, müssen Fristen eingehalten und rechtzeitig neue Verträge geschlossen werden. Schon einige Monate bevor es losgeht, sollte man seine Verträge sichten. Welche sind an den Ort gebunden, welche kann man einfach mitnehmen?

Das Wichtigste für Mieter ist zunächst die Kündigung der alten Wohnung. Dafür gilt bei unbefristeten Mietverhältnissen eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Spätestens am dritten Werktag des neuen Monats muss die Kündigung beim Vermieter eingegangen sein. Dieses Jahr im August müsste die Kündigung also am dritten August beim Vermieter ankommen, damit das Mietverhältnis zum 31. Oktober endet.

Eine Ausnahme gilt für Mietverträge, in denen ein Kündigungsverzicht oder ein Kündigungsausschluss vereinbart wurde. „Damit diese Regelung gültig ist, muss sie jedoch gleichermaßen für Mieter und Vermieter gelten und darf nicht länger als vier Jahre dauern“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Steuertipps zum Umzug

Meldung beim neuen Finanzamt

Wenn Gewerbetreibende oder Freiberufler umziehen, müssen sie die Verlegung ihres Sitzes innerhalb eines Monats dem neuen Finanzamt melden. Privatpersonen geben einfach ihre nächste Steuererklärung beim neuen Finanzamt ab.

Meldung beim alten Finanzamt

Das alte Finanzamt muss man nicht informieren. Die Finanzämter unterrichten sich gegenseitig. Allerdings ist es sinnvoll, dem alten Finanzamt dennoch Bescheid zu geben, so können die Beamten die Akten schon an das neue Amt weiterleiten. Das kann die Wartezeit des Steuerzahlers verkürzen.

Private Umzugskosten

Wer aus privaten Gründen umzieht, hat nur geringe Möglichkeiten, die Kosten bei der Steuerklärung geltend zu machen. Wer ein Umzugsunternehmen engagiert, kann die Arbeitskosten für Möbelpacker als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, anerkannt werden 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro. „Die Materialkosten, etwa für den LKW und die Umzugskartons, sind jedoch nicht steuerlich absetzbar“, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. In der Rechnung der Spedition müssen deshalb alle Kosten einzeln aufgeschlüsselt werden. Zudem sollten die Leistungen nicht bar gezahlt werden, wichtig ist immer ein Kontobeleg und eine Rechnung.

Beruflich veranlasste Umzugskosten

Wer umzieht, weil er einen neuen Job hat oder sich das Pendeln sparen will, kann die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. „Zur Frage, wann ein Umzug beruflich veranlasst ist, gibt es viele Einzelfallentscheidungen, in der Regel wird es aber dann anerkannt, wenn die Fahrtzeit zur Arbeit durch den Umzug erheblich verkürzt wird“, sagt Steuerberater Deutsch. Als Richtwert wird oftmals eine Zeitersparnis von einer Stunde genannt.

Tatsächliche Umzugskosten

Wer wegen seines Jobs umzieht, kann die tatsächlichen Umzugskosten vollständig als Werbungskosten geltend machen. Hier wird nicht zwischen Materialkosten und Arbeitskosten unterschieden.

Sonstige Umzugskosten

Neben den tatsächlichen können pauschal auch sonstige Umzugskosten abgesetzt werden, darunter fallen beispielsweise Kosten für Zeitungsinserate, die Anmeldung des Telefonanschlusses und die Ummeldung des Autos. Für Umzüge nach dem 1. Januar 2012 beträgt die Pauschale für Ledige 657 Euro, für Ehepaare ist die doppelt so hoch und für jedes Kind kommen 289 Euro hinzu. Die einzelnen Belege muss der Steuerzahler nicht einreichen.

Wenn der Chef zahlt

Fein raus ist der Steuerzahler, wenn der Arbeitgeber seine Umzugskosten zahlt. „Sofern die Erstattung die tatsächlich entstandenen Kosten nicht übersteigt, gilt die Zahlung nicht als geldwerter Vorteil“, sagt Steuerberater Markus Deutsch. Es werden also weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Die Rechnungen muss der Steuerzahler seinem Arbeitgeber vorlegen, damit dieser die Belege aufbewahren kann.

Doppelte Miete absetzbar

Wer berufsbedingt umzieht und vorübergehend eine zweite Wohnung am Arbeitsort anmietet, kann diese Kosten unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen. Wenn die Familie schon einige Monate später nachzieht, gilt das auch für die Kosten einer großen Wohnung mit mehr als 60 Quadratmetern, entschied der Bundesfinanzhof (Az: VI R 2/11, vom 13. Juli 2011). Dem Urteil zufolge liegt in diesem Fall keine doppelte Haushaltsführung vor, bei der die absetzbare Wohnung maximal eine Größe von 60 Quadratmetern haben dürfte.

Kosten für die Nachhilfe

Wenn der Nachwuchs wegen des Umzugs Nachhilfe benötigt, kann der Steuerzahler auch diese Kosten bei der Steuererklärung geltend machen. Ab 2012 werden 1.657 Euro anerkannt.

Die Mietkaution muss der Vermieter so schnell wie möglich zurückzahlen. „In sehr schwierigen Fällen darf er sich aber bis zu neun Monate Zeit nehmen“, so der Mietexperte. Die Kaution für die neue Wohnung wird erst fällig, wenn das Mietverhältnis beginnt und nicht schon bei Vertragsabschluss. Außerdem habe der Mieter das Recht, in drei Raten zu zahlen.

Zu den besonders verbreiteten Verträgen zählen der Festnetz-, Mobilfunk- und Internetanschluss. Seit dem 10. Mai gibt es hier eine Neuerung: Der Verbraucher kann den laufenden Vertrag zu den aktuellen Konditionen in die neue Wohnung mitnehmen. Die Mindestvertragslaufzeit darf dann nicht von vorne beginnen. Kann das Telekommunikationsunternehmen die Leistung am neuen Wohnort nicht erbringen, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Er darf mit einer Frist von drei Monaten zum Monatsende kündigen. „Das ist eine sehr Verbraucherfreundliche Neuerung des Telekommunikationsgesetzes“, sagt Dunja Richter, Juristin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Bei anderen Verträgen ist das dagegen nicht so einfach. Zu Verträgen mit Fitnessstudios gibt es beispielsweise noch keine eindeutige höchstrichterliche Rechtsprechung. „Nach unserer Erfahrung gibt es in diesem Bereich unterschiedliche Urteile von verschiedenen Instanzgerichten“, sagt Richter. So gingen manche Gerichte davon aus, dass es in den Risikobereich des Verbrauchers fällt, wenn dieser sich für eine längere Zeit vertraglich an das Fitnessstudio gebunden hat und dann umzieht.

Meistens sei man deshalb auf die Kulanz des Anbieters angewiesen, wenn man frühzeitig aus dem Vertrag heraus wolle. „Wenn das Studio zu einer großen Kette gehört und eine Filiale am neuen und alten Wohnort hat, sollte man jedoch verhandeln, dass der Vertrag auf das andere Studio übertragen wird“, empfiehlt Richter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×