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25.07.2014

12:14 Uhr

Bundesbank

Geldvermögen der Bundesbürger wächst

Lebensversicherungen, Tagesgeld und Girokonten: Die Deutschen scheuen bei der Geldanlage trotz Mini-Zinsen weiter das Risiko. Weniger zurückhaltend sind sie bei der Aufnahme von Krediten.

Euromünzen liegen auf den Schalen einer Waage: Mit knapp fünf Milliarden Euro entfiel nur ein geringer Teil des Anstiegs des Geldvermögens auf Bewertungsgewinne. dpa

Euromünzen liegen auf den Schalen einer Waage: Mit knapp fünf Milliarden Euro entfiel nur ein geringer Teil des Anstiegs des Geldvermögens auf Bewertungsgewinne.

FrankfurtDie Bundesbürger werden trotz Mini-Zinsen immer reicher. Im ersten Quartal 2014 wuchs das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen zum Vorquartal um 54 Milliarden Euro auf den neuen Rekord von 5,207 Billionen Euro, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag mitteilte. Dabei setzte sich der Trend hin zu risikoärmeren Anlagen fort, obwohl sie kaum noch Zinsen bringen. Mit knapp fünf Milliarden Euro stammte nur ein geringer Teil des Anstiegs des Geldvermögens aus Kursgewinnen insbesondere aus Aktien und Investmentzertifikaten.

Rund 49 Milliarden Euro der Geldvermögensbildung entfielen auf Transaktionen, dazu zählen beispielsweise der An-und Verkauf von Wertpapieren oder die Anlage in Sparprodukten. Immobilien oder Kunstwerke sind in der Statistik nicht enthalten.

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Die Bundesbürger steckten ihre Geld vor allem in sichere Bankeinlagen, die allerdings kaum Zinsen bringen. Rund zehn Milliarden Euro flossen in diese Anlageform. Vor allem täglich abrufbares Geld auf dem Girokonto und Sichteinlagen wie Tagesgeld waren gefragt. Aus Termin- und Spareinlagen einschließlich Sparbriefen zogen die Privathaushalte dagegen Geld ab. Der bereits in der Vergangenheit zu beobachtende Trend risikoarmen Anlageformen, bei denen das Geld zudem schnell verfügbar ist, habe sich auch Anfang 2014 fortgesetzt, erklärte die Bundesbank.

Die Ansprüche gegenüber Versicherungen stiegen im ersten Quartal um gut 25 Milliarden Euro. Weiterhin gering ist die Neigung der Bundesbürger, Geld an der Börse zu investieren, auch wenn das Interesse zu Jahresanfang etwas stieg. Unter dem Strich wurden Aktien im Wert von knapp 3 Milliarden Euro gekauft. Es war der höchste Wert seit Ende 2011. In Investmentzertifikate steckten die Privathaushalte ebenfalls knapp 3 Milliarden Euro.

„Die eher schwache Geldvermögensbildung über diese Anlageformen dürfte ... auch von der anhaltenden Risikoaversion der privaten Haushalte geprägt sein“, erklärte die Bundesbank. Festverzinsliche Wertpapiere einschließlich Geldmarktpapiere wurden im Volumen von knapp 3 Milliarden Euro abgestoßen.

Angesichts der Niedrigzinsen hielten sich die Verbraucher mit der Kreditaufnahme weniger stark zurück als sonst zu Jahresbeginn üblich. Die Privathaushalte nahmen Kredite im Umfang von knapp einer Milliarde Euro auf. Es handelte sich den Angaben zufolge vor allem um Wohnungsbau- und Konsumentenkredite.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Woldemar von Stechlin

25.07.2014, 16:15 Uhr

Auch 1928 wurden die Bürger werden "trotz Mini-Zinsen immer reicher".

Wie schön, dass auch wir mittelfristig wieder alle €-Milliardäre werden. Das wird meiner Einschätzung nach spätestens zum 100. Jahrestag der Hyperinflation der Fall sein.

Ein Hoch auf den Euro!

Herr Hans-Detlev Speckmann

28.07.2014, 18:37 Uhr

Genau dieses hohe Geldvermögen von gut 5 Billionen Euro führt dazu, dass die Finanzkrise die deutschen Sparer jährlich mindestens 100 Mrd. Eurokostet. Denn die Brüsseler Denkfabrik Bruegel hat jüngst den angemessenen Leitzins für Deutschland ohne Finanzkrise mit 4% errechnet (anstatt tatsächlich 0,15%). Daraus kann man folgern, dass auch die Einlagenzinsen ohne Finanzkrise
4 % höher wären als heute. Korrigiert man diesen Prozentsatz willkürlich, um sich nicht angreifbar zu machen, auf 2 %, dann bekommen die deutschen Privathaushalte heute immer noch jährlich 100 Mrd. € zu wenig Zinsen für ihr Geldvermögen (bei 4 % wären es 200 Mrd. €).
Das ist der Betrag, den die deutschen Sparer weitgehend lautlos für die Sanierung der Südstaaten in der Finanzkrise bezahlen.

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