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26.10.2015

14:14 Uhr

Bundesbank-Studie

Deutsche Sparer fahren 1,5 Prozent Rendite ein

VonMartin Dowideit

Zinsen nahe null und seit Jahren keine Aussicht auf Besserung: Kritiker nennen das die „Enteignung der Sparer“. Doch die Sparer lassen sich von nichts beirren. Die Bundesbank stellt fest: Sie legen ihr Geld genauso an wie immer.

Nur ein Siebtel der Anleger hat sein Verhalten angesichts von Niedrigzinsen geändert. dpa

Eine Handvoll Euro

Nur ein Siebtel der Anleger hat sein Verhalten angesichts von Niedrigzinsen geändert.

FrankfurtTagesgeld bringt in den meisten Fällen Zinsen nahe null, eine „1“ vor dem Komma gibt es höchstens bei Lockangeboten. Auch Festgeld ist wenig einträglich – und das schon seit Jahren. Dennoch rechnet die Bundesbank deutschen Sparern in ihrem aktuellen Monatsbericht vor: Die Lage ist nicht völlig hoffnungslos.

„Die reale Gesamtrendite der privaten Haushalte war auch in der Vergangenheit zeitweise schon niedrig“, schreiben die Notenbanker. „Teils sogar weitaus niedriger als in den letzten Jahren.“

Nominalzins vs Realzins

Nominalzins

Der nominale Zins beschreibt die Zinszahlung im Verhältnis zum Nennwert.

Ein Beispiel: 1000 Euro (Nennwert) plus 1 Prozent (Nominalzins auf den Nennwert) = 1010 Euro.

Der gezahlte Nominalzins beträgt 10 Euro.

Realzins

Der reale Zins zieht die Entwicklung der Inflation in Betracht – steigen die Preise für Güter und Dienstleistungen, haben erzielte Zinsen einen geringeren Wert.

Nährungsweise ergibt sich der Realzins aus der Differenz des Nominalzinses und der Inflation.

Beispiel: 1000 Euro (Nennwert) + 1 Prozent (Nominalzins auf den Nennwert) - 0,8 Prozent Inflation = 1000 Euro + 10 Euro - 8 Euro = 1002 Euro.

Der reale Zins beträgt 0,2 Prozent.

Zwar bemerken auch die Volkswirte der Bundesbank, dass nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise Bankeinlagen ab etwa 2010 negative reale Renditen abwarfen. Die Sparer verloren also bei Berücksichtigung der Inflation bares Geld.

Doch Ende 2014 war die „Null“ wieder erreicht. Auch Bankeinlagen brachten dann wegen der gesunken Inflation zumindest keinen Verlust mehr ein. Versicherungen spielten derweil sogar „im Niedrigzinsumfeld meist über zwei Prozent“ an realer Rendite ein.

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Die Bundesbank schaut in ihrer Analyse aber auch auf andere Sparformen wie Aktien und Investmentfonds – und kommt in der Gesamtbetrachtung zu dem Ergebnis: Die reale Gesamtrendite der privaten Haushalte lag von 2008 bis Anfang 2015 im Mittel bei 1,5 Prozent.

Das ist zwar weit entfernt von den durchschnittlich erzielten 3,5 Prozent realer Rendite in den Jahren 1991 bis 2007. Doch an der Verschlechterung tragen die Sparer eine Mitschuld.

Denn sie haben seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 den Anteil des Bargelds und der Sparguthaben am Geldvermögen von etwa 14 auf mehr als 20 Prozent erhöht – und gleichzeitig den Aktienanteil gegenüber den 1990er-Jahren reduziert.

Die anhaltenden Niedrigzinsen haben das Sparverhalten der Deutschen bislang nur wenig beeinflusst. Es ist kein „Run“ auf Aktien zu verspüren, die laut Bundesbank „seit 1991 im Mittel eine jährliche reale Rendite von gut acht Prozent“ einbrachten und „damit die renditestärkste Anlageform im Portfolio“ sind.

Die Schwankungen der Rendite sind bei Aktien indes gewaltig und die Allergie gegen dieses Risiko stellt auch die Bundesbank-Analyse fest. Einer von den Notenbankern in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge gaben über drei Viertel von mehr als 4.400 Befragten an, ihr Sparverhalten wegen der Niedrigzinsen nicht angepasst zu haben. Etwa 15 Prozent der Haushalte erklärten, jetzt weniger zu sparen – und lediglich etwa sieben Prozent wollten Geld anders als zuvor anlegen.

Kommentare (16)

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Herr Jürgen Dannenberg

26.10.2015, 14:43 Uhr

Der Hammer Rendite schlecht hin. Das Haushalte mit hohem Vermögen flexibler sind, ist doch klar wie Wasser, die haben/können noch was zu verlieren. Wenn es aber ans Eingemache geht werden sie sich auch mit der Hammer Rendite von 1,5 % zufrieden geben

Herr Ingo Tietz

26.10.2015, 15:05 Uhr

Höhere Staatsverschuldung bedeutet auch immer massive Vermögenszuwächse beim Großkapital, welches die Staaten mit immer neuen Kreditlinien (über Staatsanleihen) versorgt. Dieses Großkapital hat sich an den immer weiter anwachsenden Staatsverschuldungen dumm und dämlich verdient.
Das Umverteilungsinstrument dafür war der Zins, den die Gläubiger aus den jeweiligen Staatskassen kassierten, welche wiederrum der Bürger durch seine immer weiter ansteigende Abgaben- und Steuerlast finanziell zu tragen hatte und weiterhin zu tragen hat.
Mehr Staatsschulden => stärkere Vermögenszuwächse beim Großkapital, welches in der Lage ist, Staaten Geld zu leihen.
Thomas Piketty hat dies in seinem aktuellen Bestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ sehr gut beschrieben, wie diese „Umverteilungsmaschine von der breiten Masse der Geldvermögenslosen und abhängig Beschäftigten zu den Kapitalbesitzern des Großkapital funktioniert und diese sich in den letzten sieben Jahrzehnten dadurch exorbitant bereichert hat.

Herr Ingo Tietz

26.10.2015, 15:12 Uhr

Bei zum Beispiel 11 Milliarden Euro Kreditvergabe an den deustchen Staat (über sichere Staatsanleihen) ist ein Zins von nur 0,5 % immer noch ein lohnendes Geschäft für die Kapitaleigner, da er sich sicher sein kann, dass der deutsche Steuerzahler immer für die Rückführung des geliehenen Kapitals haftet.
Sprich Zinsgewinne privatisieren, Ausfallrisiko sozialisieren.
Eine ewige Gelddruckmaschine für Großkapitalhalter, solange noch bewährleistet ist, dass der Staat (jeder einzelne Bürger) solvent bleibt, um die anfallenden Zinslasten weiterhin und regelmässig zu bedienen. Es wird immer weiter umverteilt, steigen die Staatsschulden, steigen gleichzeitig die Privatvermögen.

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