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21.03.2016

12:31 Uhr

Bundesbank-Studie

„Vermögen sind weiterhin relativ ungleich verteilt“

VonJan Mallien

Die Debatte um die gerechte Verteilung von Vermögen findet neue Nahrung. Die Bundesbank kommt zum Urteil, dass in anderen Euro-Ländern die Vermögen breiter verteilt sind als in Deutschland – vor allem aus einem Grund.

Die ärmsten fünf Prozent der Haushalte in Deutschland haben kein Nettovermögen, sie stehen mit mindestens 3.000 Euro in der Kreide. Die Top-5-Prozent haben mehr als 722.000 Euro. dpa - picture-alliance

Champagner-Flasche

Die ärmsten fünf Prozent der Haushalte in Deutschland haben kein Nettovermögen, sie stehen mit mindestens 3.000 Euro in der Kreide. Die Top-5-Prozent haben mehr als 722.000 Euro.

FrankfurtEine Studie der Bundesbank befeuert die Debatte über die Frage der Gerechtigkeit in Deutschland. Das zeigt der Median der Vermögen deutscher Privathaushalte. Wer mehr Vermögen als der Median hat, zählt zur reicheren Hälfte des Landes, wer weniger zur ärmeren Hälfte. Laut Bundesbank liegt dieser Median des Nettovermögens – also nach Abzug der Schulden – bei 60.400 Euro. Analysiert wurden Daten des Jahres 2014. Der Vergleich zu reicheren Haushalten zeigt die Relevanz dieses Werts.

Denn die Schwelle zu den reichsten zehn Prozent liegt in Deutschland bei einem Vermögen in Höhe von 468.000 Euro. Das Verhältnis der Schwelle zu den reichsten zehn Prozent im Vergleich zum Median liegt damit bei fast acht (468.000 Euro/60.400 Euro). „Für den Euro-Raum insgesamt nahm dieses (...) Verhältnis im Jahr 2010 einen Wert von fünf an“, schreiben die Ökonomen der Notenbank. Die internationalen Daten sind noch nicht für einen späteren Zeitpunkt verfügbar.

Die Bundesbank zieht daraus das Fazit: „Die Vermögen sind weiterhin – gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum – relativ ungleich verteilt.“ Allerdings hat es im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2010 keine wesentlichen Veränderungen gegeben. Die Vermögensverteilung zwischen blieb von 2010 bis 2014 relativ stabil.  Die vermögendsten zehn Prozent verfügten demnach über 60 Prozent des gesamten Nettovermögens, die untere Hälfte der Haushalte 2,5 Prozent des deutschen Netto-Vermögens.

So verteilt sich das Vermögen auf deutsche Haushalte

5. Perzentil – ärmste fünf Prozent

Bruttovermögen: 100 €
Nettovermögen: minus 3.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 7.500 €

Das 5. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

10. Perzentil

Bruttovermögen: 700 €
Nettovermögen: 0 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 9.600 €

Das 10. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

20. Perzentil

Bruttovermögen: 5.200 €
Nettovermögen: 2.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 14.300 €

Das 20. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

30. Perzentil

Bruttovermögen: 14.200 €
Nettovermögen: 10.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 17.800 €

Das 30. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

40. Perzentil

Bruttovermögen: 33.200 €
Nettovermögen: 27.100 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 21.100 €

Das 40. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

50. Perzentil (Median)

Bruttovermögen: 77.200 €
Nettovermögen: 60.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 23.900 €

Der Median teilt Deutschland in zwei Hälften: Wer mehr hat, gehört zu reicheren Hälfte. Wer weniger hat, gehört zur ärmeren Hälfte. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

60. Perzentil

Bruttovermögen: 142.700 €
Nettovermögen: 111.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 27.800 €

Das 60. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

70. Perzentil

Bruttovermögen: 216.100 €
Nettovermögen: 174.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 33.100 €

Das 70. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

80. Perzentil

Bruttovermögen: 315.600 €
Nettovermögen: 274.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 39.600 €

Das 80. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

90. Perzentil

Bruttovermögen: 522.000 €
Nettovermögen: 468.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 50.300 €

Das 90. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

95. Perzentil - reichste fünf Prozent

Bruttovermögen: 816.500 €

Nettovermögen: 722.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 60.000 €

Das 95. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

Das Median-Vermögen eines deutschen Haushalts beträgt weniger als die Hälfte eines italienischen Haushalts. In Italien beträgt der Wert 138.000 Euro, in Deutschland zur Erinnerung: 60.400 Euro. Ein wichtiger Grund für den starken Unterschied ist der Anteil der Haushalte mit Immobilieneigentum. In Ländern, in denen besonders viele Menschen ein Haus besitzen, wie zum Beispiel auch Spanien, ist auch das Vermögen meist größer. Ergebnisse für Italien zeigen, dass sich der Abstand zu Deutschland bis 2014 zwar verringert hat, aber immer noch besteht.

Im Jahr 2014 besaßen 81 Prozent der deutschen Haushalte laut den Daten der Bundesbank Sachvermögen, doch nur 44 Prozent „Eigentum am Hauptwohnsitz“. Dieses Verhältnis hat sich trotz zwischen 2010 und 2014 einsetzender Niedrigzinsphase mit besonders günstigen Baufinanzierungen nicht geändert. Jeder fünfte Haushalt hat „sonstigen Immobilienbesitz“ wie etwa eine vermietete Wohnung, dieser Wert ist gegenüber 2010 leicht gestiegen (von 18 auf 20 Prozent).

Kommentare (30)

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Lothar dM

21.03.2016, 12:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

21.03.2016, 12:10 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Wolfgang Wüst

21.03.2016, 12:16 Uhr

Das Vermögen ist ungleich verteilt? - Na und!

Intelligenz ist auch ungleich verteilt.
Kompetenz ist ungleich verteilt.
Engagement ist ungleich verteilt.
Empathie ist ungleich verteilt.
Hilfsbereitschaft ist ungleich verteilt.
Körpergröße und -kraft sind ungleich verteilt.
Gesundheit und/oder Krankheit sind ungleich verteilt.
Fast alles ist ungleich verteilt. -- > So What?!

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