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15.06.2015

10:18 Uhr

Bundesbankpräsident Weidmann

Bargeld-Abschaffung „kein realistisches Szenario“

Jeder soll so bezahlen können, wie er will: Bundesbankpräsident Jens Weidmann spricht sich auf einem Symposium für Bargeld aus. Auch die Kritik, die Geldpolitik könne ohne Münzen expansiver wirken, lässt er nicht gelten.

Jens Weidmann will das Bargeld beibehalten – und stellt sich damit gegen Kritiker. dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann

Jens Weidmann will das Bargeld beibehalten – und stellt sich damit gegen Kritiker.

Frankfurt/MainBundesbankpräsident Jens Weidmann ist gegen eine Abschaffung des Bargelds. Die „Diskussion um Minuszinsen und die Existenzberechtigung des Bargelds“ gehe „am eigentlichen Problem vorbei“, sagte Weidmann am Montag in Frankfurt zum Auftakt eines Symposiums der Bundesbank laut Redetext. Notwendig seien Strukturreformen, um für Wirtschaftswachstum zu sorgen.

„Wenn also die Wachstumsschwäche den Kern des Problems darstellt, dann gilt es, diese Schwäche zu überwinden, anstatt kühne Akrobatik in der Form zu betreiben, das Bargeld abschaffen zu wollen, damit die Geldpolitik noch expansiver wirken und langfristige Strukturprobleme kurzfristig mit billigem Geld überdecken kann“, sagte Weidmann.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

Befürworter einer bargeldlosen Wirtschaft argumentieren unter anderem, eine Abschaffung von Schein und Münze würde die Durchschlagskraft der Geldpolitik erhöhen. Aktuell sind die Zinsen im Euroraum extrem niedrig, teils liegen sie schon im Minusbereich. Rutschen die Zinsen zu tief ins Minus, steigt für Verbraucher und Unternehmen der Anreiz, Geld nicht mehr auf dem Konto zu parken, sondern Bargeld zu horten. Somit würde Bargeld die Möglichkeiten einer Notenbank bremsen, mit Minizinsen und Billiggeld das Wachstum anzuschieben.

„Eine Verdrängung des Bargelds ist aus meiner Sicht auf absehbare Zeit kein realistisches Szenario, unter anderem deshalb nicht, weil sich das Bargeld als Zahlungsmittel bei uns weiterhin großer Beliebtheit erfreut“, sagte Weidmann. Jeder solle so bezahlen können, wie er wolle - also bar oder unbar, betonte Weidmann.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

15.06.2015, 11:08 Uhr

diesen Quatsch über die Bargeldabschaffung kann man kaum noch hören...

Herr Marc Otto

15.06.2015, 11:26 Uhr

Bargeld wird es imemr geben.

Und wenn nicht in Euro, dann wird der Schwarz-Markt eben Dollar, oder Franken nehmen. Damit wäre dann auch die letzte Kontrolle entfallen, wie man Schwarz-Händlern auf die Finger sehen kann.

Herr Paul Rimmele

15.06.2015, 11:27 Uhr

Wer von der Politkaste das Bargeld ablösen will, soll sich vorher lieber selber richten.

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