Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.11.2012

15:48 Uhr

BVR-Studie

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen

Die Eurokrise verunsichert die Deutschen zutiefst. Ihr Geld legen sie möglichst risikolos an; Spareinlagen sind gefragt, wie eine Studie der Volks- und Raiffeisenbanken belegt. Dummerweise ist die Strategie gefährlich.

Bei der Geldanlage mögen es die Deutschen sicher. dpa

Bei der Geldanlage mögen es die Deutschen sicher.

DüsseldorfWenn es ums Geld geht, gehen die Deutschen auf Nummer sicher. Zumindest glauben sie das. Ihre Euro packen sie am liebsten auf Tagesgeldkonten, also auf Sichteinlagen, wie Banker zu sagen pflegen. Zu diesem Befund kommt der aktuelle Konjunkturbericht des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Fast die Hälfte der neu angesparten Beträge entfiele auf diese Anlagegruppe, heißt es darin.

Allein zwischen Oktober 2011 und September 2012 hätten die Deutschen insgesamt 84,4 Milliarden Euro zu den inländischen Banken gebracht. Mehr als 80 Milliarden Euro floss in die täglich fälligen Sichteinlagen. Bankguthaben gewännen immer weiter an Bedeutung, heißt es weiter in dem Bericht. Ihr Anteil am Vermögen der Deutschen lag zur Jahresmitte mit 41 Prozent auf dem höchsten Stand seit Ende der 1990er Jahre.

Wo das Geld der Deutschen liegt

Geldvermögen gesamt

2010: 4.645,4 Milliarden Euro

2011: 4.710,2 Milliarden Euro

2012: 4.939,0 Milliarden Euro

Quelle: Deutsche Bundesbank, 03.05.2013

Bargeld und Sichteinlagen

2010: 914,1 Milliarden Euro

2011: 953,3 Milliarden Euro

2012: 1.056,9 Milliarden Euro

Termingelder

2010: 262,6 Milliarden Euro

2011: 280,5 Milliarden Euro

2012: 274,4 Milliarden Euro

Spareinlagen

2010: 609,1 Milliarden Euro

2011: 608,2 Milliarden Euro

2012: 608,0 Milliarden Euro

Sparbriefe

2010: 75,0 Milliarden Euro

2011: 85,4 Milliarden Euro

2012: 75,5 Milliarden Euro

Festverzinsliche Wertpapiere

2010: 254,1 Milliarden Euro

2011: 247,1 Milliarden Euro

2012: 238,2 Milliarden Euro

Aktien

2010: 243,5 Milliarden Euro

2011: 221,5 Milliarden Euro

2012: 259,1 Milliarden Euro

Sonstige Beteiligungen

2010: 179,1 Milliarden Euro

2011: 185,2 Milliarden Euro

2012: 193,4 Milliarden Euro

Investmentzertifikate

2010: 435,4 Milliarden Euro

2011: 394,9 Milliarden Euro

2012: 420,1 Milliarden Euro

Ansprüche gegenüber Versicherungen

2010: 1.358,1 Milliarden Euro

2011: 1.400,2 Milliarden Euro

2012: 1.468,9 Milliarden Euro

Ansprüche aus Pensionsrückstellungen

2010: 284,3 Milliarden Euro

2011: 295,4 Milliarden Euro

2012: 306,6 Milliarden Euro

Sonstige Forderungen

2010: 39,0 Milliarden Euro

2011: 38,4 Milliarden Euro

2012: 37,9 Milliarden Euro

Ganz ungefährlich ist diese Stratege allerdings nicht. Das Problem mit den sicheren, aber niedrig verzinsten Produkten: In vielen Fällen reicht die Rendite nicht aus, um die Inflationsrate auszugleichen. Die Statistikbehörden haben zuletzt für den Euro-Raum eine Inflationsrate von rund zwei Prozent gemessen. Die Zahl allein ist zwar noch nicht sonderlich furchteinflößend; die Deutschen sind - das hat die Geschichte gelehrt - ganz andere Werte gewohnt. Zu Zeiten der Weimarer Republik etwa, zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923, betrug die Inflationsrate 50 Prozent - pro Woche, wohlgemerkt.

Trotzdem entfalten auch geringere Werte langfristig eine verheerende Wirkung, weil die Kapitalmarktzinsen derzeit so niedrig sind und den Anstieg der Inflation nicht ausgleichen. Angenommen, die Inflationsraten liegen in den kommenden fünf Jahren nur leicht über den Zielvorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB), also etwa bei 2,5 Prozent, dann führt das, den Zinseszinseffekt berücksichtigt, zu einem Kaufkraftverlust von mehr als zehn Prozent. Die Notenbanker der EZB betonen zwar, dass das schwache Wachstum in der Euro-Zone die Teuerung mittelfristig dämpfen werde. Dennoch: Gerade die Deutschen fürchten sich vor einer Geldentwertung.

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Inflationsraten in Zukunft höher sein werden als in den vergangenen Jahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken. Während der Finanzkrise hatten die Währungshüter ihre Notenpressen angeworfen und die Leitzinsen radikal gesenkt, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Geld gibt es seither zu Dumpingpreisen. Und das wird noch eine ganze Weile so bleiben. Mario Draghi, der neue EZB-Chef, hat mehrfach betont, dass er den Euro um jeden Preis retten werde, das heißt notfalls auch mit der Notenpresse.

Wenn die Sparer sich vor der Inflationsgefahr schützen wollen, dann investieren sie ihr Geld überwiegend in die eigenen vier Wände. Die Investitionen in Wohnimmobilien dürften im Gesamtjahr 2012 ihren Anstieg fortgesetzt haben, schreiben die Experten des BVR. In 2011 lagen die Nettoinvestitionen der privaten Haushalte bei 49,6 Milliarden Euro. Rund 90 Prozent davon flossen in den Bau oder in Bestandsinvestitionen von Wohnimmobilien. Die Finanzierungskosten für Wohnimmobilien lagen im September mit einem Zinssatz im Neugeschäft von drei Prozent so niedrig wie noch nie.

Vermögensreport 2012

Top 10

Schweden
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 237.297
Veränderung zum Vorjahr: -17 %

Quelle: Credit Suisse

Top 9

Großbritannien
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 250.005
Veränderung zum Vorjahr: - 6 %

Top 8

Singapur
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 258.117
Veränderung zum Vorjahr: - 4 %

Top 7

USA
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 262.351
Veränderung zum Vorjahr: + 1 %

Top 6

Frankreich
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 265.463
Veränderung zum Vorjahr: - 15 %

Top 5

Japan
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 269.708
Veränderung zum Vorjahr: +1 %

Top 4

Luxemburg
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 277.119
Veränderung zum Vorjahr: - 14 %

Top 3

Norwegen
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 325.989
Veränderung zum Vorjahr: - 7 %

Top 2

Australien
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 354.986
Veränderung zum Vorjahr: - 11 %

Top 1

Schweiz
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 468.186
Veränderung zum Vorjahr: - 13 %

Die Sparneigung der Bundesbürger hat sich seit Anfang des vergangenen Jahres trotz der anhaltend niedrigen Zinsen kaum verändert. Die Sparquote, also das Verhältnis des Sparens zum verfügbaren Einkommen, lag im dritten Quartal dieses Jahres bei 10,3 Prozent.



Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

29.11.2012, 15:41 Uhr

Den Paragraph 89 des Versicherungsaufsichtsgesetzes sollte jeder kennen, der eine Lebensversicherung o.ä. sein Eigen nennt.

VAG § 89 Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen
(1) Ergibt sich bei der Prüfung der Geschäftsführung und der Vermögenslage eines Unternehmens, dass dieses für die Dauer nicht mehr imstande ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen, die Vermeidung des Insolvenzverfahrens aber zum Besten der Versicherten geboten erscheint, so kann die Aufsichtsbehörde das hierzu Erforderliche anordnen, auch die Vertreter des Unternehmens auffordern, binnen bestimmter Frist eine Änderung der Geschäftsgrundlagen oder sonst die Beseitigung der Mängel herbeizuführen. Alle Arten Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden. Die Vorschriften der Insolvenzordnung zum Schutz von Zahlungs- sowie Wertpapierliefer- und -abrechnungssystemen sowie von dinglichen Sicherheiten der Zentralbanken und von Finanzsicherheiten finden entsprechend Anwendung.
(2) Unter der Voraussetzung in Absatz 1 Satz 1 kann die Aufsichtsbehörde, wenn nötig, die Verpflichtungen eines Lebensversicherungsunternehmens aus seinen Versicherungen dem Vermögensstand entsprechend herabsetzen. Dabei kann die Aufsichtsbehörde ungleichmäßig verfahren, wenn es besondere Umstände rechtfertigen, namentlich wenn bei mehreren Gruppen von Versicherungen die Notlage des Unternehmens mehr in einer als in einer anderen begründet ist. Bei der Herabsetzung werden, soweit Deckungsrückstellungen der einzelnen Versicherungsverträge bestehen, zunächst die Deckungsrückstellungen herabgesetzt und danach die Versicherungssummen neu festgestellt, sonst diese unmittelbar herabgesetzt. Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.

Schönen Tag noch
Landshark

aj1968

29.11.2012, 16:04 Uhr

Für den konservativen Anleger sind heute fast alle Assetklassen tot. Sparen dient nicht mehr dem Vermögesaufbau sondern nur noch der Aufbewahrung (besser als unter'm Kopfkissen!). Ob ich dabei 0 oder 1% Zinsen kassiere ist da schon egal. Hauptsache das Geld ist flüssig und kann schnell für Konsum, Sachgüter oder Gold ausgegeben werden. Das hängt je nach Entwicklung der Eurokrise, Inflation und Wirtschaft ab. Wenn ich in Fonds, Aktien oder Versicherungen investiere, nur um einen Prozentpunkt Rendite zu erhalten, bin ich im Falle einer plötzlichen wirtschaftlichen Verschlechterung illiquide. Da soll noch einmal jemand sagen der deutsche Michel wäre so dumm ...
Allerdings wird er momentan Hirngewaschen. Die ganzen Artikel über nutzlos herumliegendes Geld auf den Konten und die Altersvorsorgeproblematik haben doch nur eine Botschaft: "Kauft Versicherungen, kauft Riester-Renten, kauft ..." Wer diesen Botschaften Folge leistet, ist schön blöd. Immer auf dem Sprung bleiben und wachsam sein.
Gruß,
AJ

Sibirier

29.11.2012, 17:09 Uhr

Kauft Fonds, damit die Banker noch mehr verdienen und abzocken koennen. Bei der naechsten Finanzkrise werden sie dann von Steuergeldern unterstuetzt und Ihr seid Euer Geld los und habt diese Probleme nicht mehr!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×