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18.02.2016

14:41 Uhr

Carsten Maschmeyer zu seiner Millionärsformel

„Der Kaffee schmeckt auch zu Hause gut“

VonJessica Schwarzer

Er ist Selfmade-Millionär, er polarisiert, er ist Juror in der Sendung „Höhle der Löwen“ und jetzt auch Autor des Buches „Die Millionärsformel“: Carsten Maschmeyer. Ausgerechnet sein Erfolgsrezept lautet: Sparen.

Der ehemalige AWD-Chef würde heute keine Lebensversicherungen mehr empfehlen. dpa

Carsten Maschmeyer

Der ehemalige AWD-Chef würde heute keine Lebensversicherungen mehr empfehlen.

Carsten Maschmeyer ist in diesen Tagen gefragt, die Termine stapeln sich. Sein neues Buch "Die Millionärsformel" weckt jede Menge Aufmerksamkeit. Gleich mehrmals müssen wir unseren Telefontermin verschieben - ein Fernsehinterview dauert länger. Doch dann ist der Finanzinvestor ganz entspannt, spricht nicht nur über sein Buch, sondern plaudert auch über seine ersten Schritte an der Börse, über Fehlinvestments und darüber, wie er heute sein Geld investiert.

 

Herr Maschmeyer, die Reichen werden immer reicher. Stimmt das?
Menschen, die bereits Vermögen aufbauen konnten, werden allein schon deswegen vermögender, weil sie Geld arbeiten lassen können. Und Menschen mit einem größeren Vermögen bekommen leider oft eine bessere Beratung oder haben selbst Finanzkenntnisse. Oft investieren sie in rentablere Anlagen. Viele Menschen mit einem geringen Vermögen sparen auch in Tiefzinsphasen und zahlen in ihre Sparbücher ein, was sich im Moment nicht lohnt.   

Die 15 goldenen Regeln von Carsten Maschmeyer

Werden Sie Finanzwissender

Wer in Finanzfragen unberaten bleibt, bleibt auch vermögenslos. Werden Sie ihr eigener Finanzberater, ihr „Geldverbesserer“: Lassen Sie sich schon von Anfang an gut informieren und verschaffen Sie sich selbst in Eigenarbeit Fachwissen, nur so kann ihnen Vermögensaufbau auch wirklich gelingen.

Geben Sie weniger aus, als Sie einnehmen

Es klingt banal, ist dennoch der entscheidende Grundsatz, achten Sie darauf, dass ihre Ausgaben stets unter Ihren Einnahmen liegen. Handeln Sie nach folgender Regel (EKG):

Einnahmen erhöhen

Kosten senken

Gewinn anlegen

Entwickeln Sie Ihren Wohlstandsplan

Sie können Ihren Weg in den Wohlstand nicht ohne „Geld-Guide“ starten. Wie Sie bei einer Reise einen Reiseplan brauchen, benötigen Sie einen Wohlstandsplan, um mit dieser längerfristigen Finanzplanung einen kontinuierlichen und verlässlichen Überblick über ihre monatlichen Ein- und Ausgaben zu erlangen.

Machen Sie den Finanz-Check

Oft ist man sich der eigenen „Cash-Burn-Rate“ (Geldverbrennungsrate) gar nicht bewusst. Machen Sie deshalb einen umfassenden Finanzcheck. Darin sollten aber nicht nur Abbuchungen über die Miete, Hypothekenzahlungen etc. vorhanden sein, sondern auch alltägliche Kosten für beispielsweise Lebensmittel, Gesundheit und Freizeit. Nur dann können Sie Ihre eigene Finanzsituation korrekt einschätzen.

Kaufen Sie Assets - Nicht Liabilities!

Es gilt der Grundsatz Vermögenswerte („Assets“) kontra Verbindlichkeiten („Liabilities“). „Liabilities“ sind Verpflichtungen, wie z.B. laufende Kosten bei einem Ferienhaus, das Sie besitzen. „Assets“ wiederum stellen Atien oder vermietete Immobilien dar, sie sorgen also für einen Geldzuwachs. Fragen Sie sich also bei jeder Anschaffung, in welche Kategorie diese fällt.

Kaufen Sie nur, was Sie sofort bezahlen können

Widerstehen Sie dem unmittelbaren „Ausgabereflex“! Fragen Sie sich immer, ob Sie das, was Sie da gerade erwerben wollen, wirklich jetzt benötigen. Machen Sie jeden Monat Kassensturz und legen Sie einen teil Ihres zur Seite, denn über einen Dispokredit freut sich höchstens Ihre Bank.

Vorsicht vor dem Giro-Kreisel!

Stehen Sie zum eigenen Finanzengpass, wenn Sie ihm gegenüber stehen. Natürlich kann man häufig sein Konto -und die Bank sieht das auch gerne-, aber im Endeffekt kommt Ihnen so ein Überzeihungskredit sehr teuer zu stehen. Sie nehmen zwar kein richtiges Darlehen auf aber haben eine enorme Zinslast. Schulden Sie Ihren Überziehungskredit deshalb um in ein günstigeres Darlehen und tilgen sie sofort.

Bares statt Plastik

Wer das Geld, das ihm sprichwörtlich durch die Finger rinnt auch wirklich fühlt, verhält sich vernünftiger. Bezahlen Sie also besser immer mit Bargeld, anstatt mit der Kredit- oder EC-Karte. Hinzu kommt, dass sich der Kredit auch schon mal in einen hochverzinsten Langzeitkredit wandeln kann, wenn man den Rechnungsbeleg nicht decken kann.

Schulden sind nicht gleich Schulden

Schulden sind nicht gleich Schulden, wenn die Schulden notwendig sind, um eine Investition in etwas Gewinnversprechendes tätigen zu können. Es besteht natürlich immer ein gewisses Risiko, aber solange man Darlehen auf etwas, das im Wert steigt oder zumindest stabil bleibt nimmt, ist es durchaus sinnvoll. Als Beispiel sind hier Immobilien anzuführen.

Auch Leasen bringt Sie in die Miesen

Leasing ist nur eine andere Art des Darlehens. Die monatliche Rate beim Leasing ist zwar geringer als bei einem herkömmlichen Kredit, allerdings gehört Ihnen das Fahrzeug zum Abschluss hin ja noch nicht einmal. Theoretisch müssten Sie also noch während Sie die monatlichen Raten für das Leasing bezahlen, schon nebenbei für das nächste Auto sparen.

Auf der Ausgabenseite entsteht Wohlstand

Essentiell, für den gelungenen Aufbau eines eigenen Vermögens, ist die Sparquote. Denn: 100 Euro Lohnerhöhung sind nur brutto, während 100 Euro gespart, auch tatsächlich 100 Euro netto sind. Ein gesparter Euro, ist also mehr wert als ein Euro Mehrverdienst.

Teilen Sie ihre Einkünfte auf zwei Konten auf

Überweisen Sie immer etwa 10 Prozent Ihrer Einnahmen auf ein von ihnen extra für diesen Zweck eingerichtetes „Ich-Konto“. Mit diesem Konto bauen sie kontinuierlich ein eigenes Vermögen auf - mit dem anderen finanzieren Sie Ihre Lebenserhaltungskosten. Fassen Sie das „Ich-Konto“ nur im absoluten Notfall an.

Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten

Sie arbeiten nicht nur für Ihr Geld, Sie müssen auch mit ihm arbeiten! Vermehren Sie es durch geschicktes Anlegen und werden Sie dadurch wohlhabend. Grundsätzlich gilt also: Sparen: ja; Investieren: jein; Spekulieren: nein.

Lernen Sie aus meinen Erfahrungen

Die Erfahrung lehrt: Setzten Sie als Normalverdiener auf lang laufende, professionell gemanagte Investmentfonds - damit können Sie auf Dauer die besten Renditen erzielen, auch im Vergleich zum breiten Aktienmarkt.

Versicherungen sichern Ihr Einkommen

Solange Sie Ihren Beruf ausüben können, haben Sie auch ein gesichertes Einkommen. Doch sollten Sie auch dafür Sorge tragen, dass der monatliche Geldzufluss auch bei Krankheit nicht versiegt. Versicherungen z.B. gegen Berufsunfähigkeit oder Altersarmut, bedeuten also einen garantierten Erhalt des Einkommens.

Weil es keine Zinsen mehr gibt… Sparen wird scheinbar nicht belohnt?
So ist es leider. Es wird noch viel zu viel Geld auf diese sogenannten Spar-Konten getragen. Da liegen immer noch weit über eine Billion Euro zu Rekordniedrigzinsen.

Eine gigantische Zahl, die zeigt, wie reich wir Deutschen sind. Aber was ist eigentlich  Reichtum, wie definiert er sich, wo fängt er an?
Eine feste Definition für Reichtum gibt es nicht. Laut dem gewerkschaftsnahen Institut WSI ist man wohlhabend, wenn man das Doppelte vom mittleren Einkommen verdient. Das ist die einzige Definition, die es gibt. Ich glaube, Reichtum ist vor allem eine subjektive Wahrnehmung. Für jemanden, der wenig verdient, sind 200.000 Euro sehr viel Geld. Und es gibt reiche Menschen, die sich mit noch reicheren vergleichen und sich mit fünf Millionen Euro arm fühlen.

Und was bedeutet es für Sie persönlich, reich zu sein?
Reich zu sein ist für mich finanzielle Unabhängigkeit. Wenn ich also meinen Lebensunterhalt aus den Erträgen meines Vermögens bestreiten kann. Deshalb trägt mein Buch auch den Untertitel „Der Weg zu finanziellen Unabhängigkeit“. 

Wie Maschmeyer Veronica Ferres "eroberte"

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist 2012 unter die Buchautoren gegangen. „Selfmade - erfolg reich leben“ (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Es folgen die Ausschnitte über Veronica Ferres.

Wulff als "Kuppler"

Als mich Christian Wulff auf der Berlinale 2007 mit meiner heutigen Partnerin Veronica Ferres bekannt machte, fragte sie mich nach meinem Beruf. „Finanzen und Versicherungen“, antwortete ich, und da sagte sie: „Oh, da könnte ich auch einmal einen Ratschlag gebrauchen.“

Das erste Gespräch

Zum ersten Mal länger und intensiver sprach ich mit Veronica Ferres auf der Geburtstagsparty von Klaus Meine im Mai 2008. Wir telefonierten danach ab und zu und im Spätherbst immer öfter.

Das Wiedersehen und Gerüchte

Dann sahen wir uns im Winter in Südafrika wieder, wo sie den ZDF-Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ drehte. Meine Zuneigung stieg, und ich glaube, ich fing an, mich zu verlieben. Bei einem Empfang, bei dem wir beide anwesend waren, tauchten die ersten Gerüchte auf, dass wir ein Paar seien, was aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stimmte.

Bedenken wegen der Medien

Es war schon sehr beängstigend, nicht zu wissen, wie die Leute und die Medien reagieren, wenn Veronica Ferres und ich uns als Paar outen würden.

Die Zwickmühle

Die Zwickmühle war, jetzt entweder zu sagen: „Lass uns jetzt einfach mal versuchen, ein Paar zu sein und das auch offiziell zu machen“ oder sich ein paarmal zu treffen, um festzustellen, ob man wirklich zueinander passt. Aber dabei eventuell gesichtet zu werden, wäre „gefährlich“ gewesen. Die normale Reihenfolge, sich näher kennenzulernen, mal zusammen ins Kino zu gehen, war hier eben nicht möglich.

Ganzen Mut aufgebracht

So brachten wir im Februar 2009 unseren ganzen Mut auf, uns zu outen. Unsere Beziehung war noch ein zartes Pflänzchen, aber die Medien hatten großes Interesse, das erste Bild von uns als Paar zu erhalten.

Der erste gemeinsame Auftritt

Wir entschlossen uns, bei der Gursky-Ausstellung in Wolfsburg bei VW im April 2009 zum ersten Mal gemeinsam öffentlich aufzutreten. Als sich das herumsprach, kündigten sich sehr viele Pressevertreter und Fotografen an.

Herz pochte wie wild

Mein Herz pochte wie wild und am liebsten wäre ich im Hotelzimmer geblieben. Auf der Fahrt zum Pressezentrum wurden meine Hände feucht und es erforderte unheimlich viel Mut, dann aus dem Auto zu steigen und sich dem Blitzlichtgewitter zu stellen.

Jetzt müssen wir es tun

Aber ich wusste, jetzt müssen wir es tun! Gleichzeitig war mir auch klar, dass ich von nun an viel weniger Privatsphäre haben würde, aber die Liebe zu ihr hat die Angst davor besiegt.

Der eigentliche Titel lautet „Die Millionärsformel“. Sie schreiben, jeder könne reich werden. Wirklich jeder?
Jeder kann sich in der Situation, in der er gerade ist, finanziell verbessern. Egal, ob das jüngere oder ältere Menschen sind, ob das jemand ist, der in die eigenen vier Wände möchte oder Startkapital sucht, um eine Firma zu gründen. 

Wie soll das bei Berufsanfängern klappen. Am Ende des Monats bleibt doch wenig übrig…
Gerade die Jüngeren haben den Vorteil, dass ihr Geld sehr lange arbeiten kann, auch wenn sie noch nicht viel Geld verdienen. Dieser zeitliche Spielraum ist fast wichtiger als die Anlagesumme. Fünf Euro am Tag lassen sich oft einsparen. Wie gerne und wie oft lässt man diese berühmten fünf Euro bei der Kaffeekette Starbucks? Ich schreibe im Buch von „Sparbucks“ – der Kaffee schmeckt nämlich auch Zuhause und im Büro gut. Aber nicht nur da lassen sich schnell fünf Euro am Tag einsparen. Es geht grundsätzlich darum, cleverer einzukaufen. Das kann fast jeder. Wenn man sich dann beim Sparen helfen lässt – beispielsweise über vermögenswirksame Leistungen oder die betriebliche Altersvorsorge vom Arbeitgeber oder durch Steuervorteile bei Altersvorsorgeverträgen – können schnell weitere fünf Euro am Tag zusammenkommen. Dieser kleine Betrag über viele Jahre gut angelegt,  kann zu einigen hunderttausend Euro werden.

 

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