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31.05.2013

10:48 Uhr

Commerzbank-Chef

Blessing hält nichts von Deckelung der Dispozinsen

Der Commerzbank-Chef sieht in den hohen Dispozinsen einen Anreiz für Kunden, Konten nicht zu überziehen – er plädiert gegen Gesetzesinitiativen. Gerüchte, er müsse bald seinen Stuhl räumen, dementierte Blessing.

Sorgt sich um die Verbraucher: Martin Blessing will keine gesetzliche Deckelung für Dispozinsen. Reuters

Sorgt sich um die Verbraucher: Martin Blessing will keine gesetzliche Deckelung für Dispozinsen.

BerlinCommerzbank-Chef Martin Blessing hat vor einer Deckelung der Dispozinsen gewarnt. "Es ist gefährlich: Je billiger das Geld, desto höher verschulden sich die Verbraucher", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Freitag. Das sei der falsche Weg. Das Girokonto zu überziehen, dürfe kein Dauerzustand sein; der Dispozins solle "bewusst auch ein Anreiz sein, das Konto nicht langfristig zu überziehen". Ein Überziehungskredit sei nur für einen kurzfristigen Engpass gedacht. "Wer längerfristig finanzieren will, kann seine Schulden jederzeit in einen Kredit umschulden." Der sei dann auch "deutlich günstiger" und die "fairere Variante".

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber innerhalb eines vorher mit der Bank vereinbarten Rahmens weiter belastet. Wird dieser Rahmen gesprengt, werden zudem Überziehungszinsen fällig, die in der Regel nochmals deutlich höher liegen. Derzeit liegen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FHM im Durchschnitt bei 10,48 Prozent. Die Commerzbank verlangt bei ihrem kostenlosen Girokonto für Gutverdiener stolze 11,90 Prozent und ist damit einer der teuersten Anbieter im Markt.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte eine Deckelung der Dispozinsen gefordert; die Bundesregierung lehnt eine gesetzliche Begrenzung dagegen ab. Verbraucherschützer kritisieren seit Jahren die hohen Kosten für Überziehungskredite.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Euro-Schuldenkrise hat sich nach Blessings Meinung dank des Einschreitens der Europäischen Zentralbank (EZB) beruhigt. „Die akute Gefahr ist mit der Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, vorerst gebannt“, sagte er. Die Notenbanker könnten das Problem jedoch nicht auf Dauer lösen. „Die EZB kann nur Zeit kaufen.“ Der Preis dafür sei allerdings, dass die notwendigen politischen und strukturellen Reformen in der Eurozone dafür aber nicht so schnell vorankommen. Durch die niedrigen Zinsen sinke der Druck auf die Staaten.

Trotz Rücktrittsforderungen aus der Politik fürchtet Blessing nach eigenen Worten nicht, seinen Platz an der Spitze des zweitgrößten deutschen Geldhauses räumen zu müssen. „Unsere Hauptversammlung hat mir erst vor wenigen Wochen mit über 95 Prozent der Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

31.05.2013, 12:09 Uhr

Ja nun, wir wissen ja alle zu welchem Erfolg die Meinung des Herrn Blessing in den letzten Jahren geführt hat.

DAX6000

31.05.2013, 14:11 Uhr

Diesmal hat der Herr Blessing aber recht. Davon abgesehen ist ein Dispo eh nur was für Loser

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