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16.09.2013

19:45 Uhr

Costa Concordia

Die teuerste Schiffskatastrophe aller Zeiten

VonThomas Schmitt

Unabhängig vom Ausgang der Bergungsarbeiten ist die Costa Concordia schon heute das teuerste Katastrophenschiff aller Zeiten. Die Versicherer müssen über eine Milliarde Dollar bezahlen. Nun steigen die Prämien.

Die Bergung der Costa Concordia gilt als komplizierteste Schiffshebung aller Zeiten. ap

Die Bergung der Costa Concordia gilt als komplizierteste Schiffshebung aller Zeiten.

DüsseldorfNur selten wird die Versicherungsbranche durch Schiffsunglücke so gebeutelt wie im Fall der Costa Concordia. Rund eine halbe Milliarde Euro hat das Schiff gekostet. Diese Summe hat die Versicherungswirtschaft bereits aufgebracht – im Rahmen der Kaskoversicherung. Schließlich handelt es sich hier um einen Totalschaden, für den sie entschädigen muss.

Doch das reicht bei weitem nicht. Da das untergegangene Kreuzfahrtschiff gehoben werden musste, greift nun auch noch die Haftpflichtversicherung, die von den Reedern abgeschlossen wird. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass die Katastrophenspezialisten der Branche,  - die Rückversicherungen -, zusätzlich mehr als 600 Millionen Dollar aufbringen müssen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie Bergungsfirmen ursprünglich einmal veranschlagt hatten.

Die Bergung der Costa Concordia

Wer hat die Bergung vorbereitet?

Etwa 500 Experten aus 20 Ländern haben seit Mai 2012 die schwierige Bergung vor der Insel Giglio vorbereitet. Das amerikanisch-italienische Bergungsteam Titan-Micoperi stimmte sich dabei mit dem Zivilschutz in Rom ab. Der Aufwand an Material und Personal ist riesig. Mehr als 20 Schiffe sind im Einsatz, 15.000 Tauchgänge waren vor der Bergungsaktion notwendig.

Was macht die Bergung der Costa Concordia so heikel?

Mit einer Länge von etwa 300 Metern und einem Volumen von mehr als 114.000 Tonnen ist das italienische Kreuzfahrtschiff eines der größten Schiffe, die jemals in einem Stück geborgen wurden. Im toskanischen Insel-Archipel gelegen, sollten für Giglio und Umgebung auch Umweltfolgen vermieden werden, wie sie ein Auseinanderbrechen auslösen könnten. Schlimmstenfalls könnte das Wrack ganz versinken.

Was wurde für die Bergungsaktion vorbereitet und eingesetzt?

Mehr als 30.000 Tonnen Stahl wurden für die Konstruktion aller benötigten Teile vor der Bergungsaktion herbeigeschafft. Um die Lücken zwischen den Felsen unter dem Rumpf zu schließen und somit das Wrack nach der Aufrichtung zu stabilisieren, liegen 1180 Sand- und Zementsäcke auf dem damit „eingeebneten“ Meeresboden. Das Riesenwrack steht dann auf sechs Plattformen, die mit 21 Pfeilern im Meeresboden verankert sind.

Was passiert nach der Aufrichtung des Wracks?

Auch nach der Aufrichtung bleibt noch viel zu tun. Ist das Wrack vorsorglich stabilisiert, müssen weitere Schwimmbehälter - insgesamt 15 - an der Steuerbordseite angebracht werden. Das Wasser wird aus diesen Schwimmkästen auf beiden Seiten gepumpt, das Schiff „schwimmt“ wieder. Danach wird die „Costa Concordia“ verankert - bis zum Abtransport, der für das erste Halbjahr 2014 vorgesehen ist. Das wird dann die letzte Fahrt des Unglücksschiffes sein, es wird abgewrackt.

Wo soll die Costa Concordia zerlegt werden?

Weil es Investitionen bringt und Arbeitsplätze schafft, haben sich einige Häfen darum gerissen, den Kreuzfahrtriesen zerlegen zu dürfen. Der Hafen der unweit von Giglio gelegene toskanische Stadt Piombino hat den ersten Zuschlag erhalten. Sollten die Kapazitäten für die aufwendigen Arbeiten dort nicht ausreichen, muss neu verhandelt werden.

Wie geht es juristisch weiter?

Wird die Costa Concordia abgeschleppt, verschwindet ein Schandfleck, der weltweit durchaus auch als ein Symbol für einen Schiffbruch des Krisenlandes Italien angesehen wurde. Auch das bizarre Verhalten des Kapitäns Francesco Schettino gehört dazu - er soll das Schiff während der Evakuierung verlassen haben. Derzeit läuft im toskanischen Grosseto der Prozess gegen ihn. Sein Unglücksschiff könnte bereits zerlegt sein, wenn das Urteil gegen ihn gesprochen wird.

Hinzu kommen noch zahlreiche Prozesse von Betroffenen des Schiffsunglücks, die Schadenersatz fordern. Es werde sicher noch Jahre dauern, bis die letzten Klagen im Zusammenhang mit dem Unglück am 13. Januar 2012 entschieden seien, schätzen die Juristen Ina Ebert, Olaf Köberl und Claudio Perrella ein einem Beitrag für den „Schadenspiegel“ des Versicherers Munich Re.

Schon heute schätzen Experten den Schaden für die Versicherungswirtschaft auf 1,2 Milliarden Dollar. Es könnte leicht noch deutlich mehr werden, wenn sich die ohnehin schon komplizierte Bergung des Wracks als noch schwieriger herausstellen sollte. Denn hier handele es sich um die „größte und komplizierteste Schiffsbergung in der Geschichte“, urteilen Ebert, Köberl und Perrella. „Es wird maßgeblich vom reibungslosen Ablauf der Arbeiten abhängen, ob die geschätzten Kosten ausreichen“, stellen die Schifffahrtsexperten fest.

Den bisher größten Schaden für die Versicherungswirtschaft verursachte der Öltanker Exxon Valdez im Jahre 1989. Seine Havarie vor der Küste Alaska verursachte eine Umweltkatastrophe, die die Branche etwa 500 Millionen Dollar kostete - also weniger als die Hälfte der Kosten, die nun anfallen dürften. Die Costa Concordia ist damit das größte Schiffsunglück aller Zeiten für die Versicherungswirtschaft.

Kommentare (3)

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Eine_Seefahrt_die_ist_lustig

16.09.2013, 19:51 Uhr


Eine Seefahrt, die ist schön
Denn da kann man fremde Länder
Und noch manches andre sehn.
Hol-la-hi, hol-la-h
Hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho

Account gelöscht!

16.09.2013, 22:18 Uhr

Ich brech´ gleich in Tränen aus. Die armen Versicherungen. Das HB nennt natürlich nur die Kosten. Wie hoch sind denn die Prämien für die ganzen Schiffe, die auf den Weltmeeren rumschippern? Auch wenn der Schaden nicht gerade aus der Portokasse gezahlt wird, arm werden die nicht. Und wofür sind Versicherungen eigentlich da?

Account gelöscht!

17.09.2013, 06:13 Uhr

Mehr wundern muß man sich über Leute, die sich in so einen Schweröl-verklappenden Riesen einpferchen lassen und das Urlaub nennen. Müssen die einsam sein.

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