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26.09.2011

14:30 Uhr

Das Rentenniveau

Gesetzliche Rente macht (noch) nicht arm

VonPeter Thelen

Ohne private Altersvorsorge wird es in Zukunft nicht gehen, aber die gesetzliche Rente macht immer noch knapp zwei Drittel aller Alterseinkommen aus. Doch das dürfte sich deutlich ändern.

Altersarmut ist in Deutschland noch kein Thema. dapd

Altersarmut ist in Deutschland noch kein Thema.

BerlinNoch ist die gesetzliche Rente die wichtigste Form der Altersvorsorge: Sie macht 65 Prozent aller Alterseinkommen in Deutschland aus. 68 Prozent der Arbeitnehmer leben allein von ihrer gesetzlichen Rente, ohne deshalb arm zu sein. Der Grund: Wer bereits in Rente ist, bei dem haben sich die massiven Kürzungen der vergangenen Jahre noch nicht sehr stark ausgewirkt.

Und so kommen westdeutsche Männer auf eine Durchschnittsrente von 1650 Euro, ein Viertel weniger als die Höchstrente von 2200 Euro. Sie erreicht nur, wer 45 Jahre immer in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 66000 Euro im Jahr verdient hat. Die ostdeutschen Männer sind mit 1233 Euro ebenfalls noch weit von Altersarmut entfernt.

Zudem haben 27 Prozent der Rentner zusätzlich eine Betriebsrente oder eine Zusatzversorgung aus ihrer Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Hinzu kommen oft Zusatzeinkünfte in Form von Zinsen, Mieten oder privaten Lebensversicherungen. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2008 verfügte ein Rentnerehepaar im Durchschnitt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben über ein monatliches Nettoeinkommen von 2271 Euro, Alleinstehende von 1292 Euro.

Aktuell gibt es Altersarmut am häufigsten bei Frauen und Invaliden. Während kinderlose Frauen im Alter mit einem Durchschnittsnettoeinkommen von 1203 Euro auf der sicheren Seite sind, kommen Frauen mit Kindern mit Durchschnittsbezügen von 860 Euro schon gefährlich in die Nähe der Armutsgrenze. Dort bewegen sich auch die durchschnittlichen Erwerbsminderungsrenten. Sie werden genau wie alle gesetzlichen Renten in den nächsten Jahrzehnten deutlich langsamer wachsen als die Löhne. Noch sind erst zwei Prozent der über 65-Jährigen auf die 2001 eingeführte Grundsicherung von 650 bis 750 Euro im Monat angewiesen.

Doch das dürfte sich ändern. Das für 2030 angepeilte Rentenniveau von 43 Prozent des letzten Nettos liegt so nahe an der Grundsicherungsschwelle von rund 40 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens, dass die Politik diskutiert, wie man sicherstellen kann, dass zumindest die, die ein Leben lang gearbeitet haben, eine gesetzliche Rente oberhalb der Grundsicherung erhalten.

Mögliche Reformen diskutiert die Regierung derzeit im „Regierungsdialog Rente“ mit Experten und Verbänden. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat eine Zuschussrente vorgeschlagen. Auf 850 Euro sollen danach Minirenten in Zukunft aus Steuern aufgestockt werden, wenn der Arbeitnehmer bis 2018 mindestens 40, danach 45 Jahre versichert war und Beitragszeiten von 30 beziehungsweise 35 Jahren nachweisen kann. Auch die Erwerbsminderungsrenten will von der Leyen leicht anheben.

Gewerkschafter warnen, dass die Zuschussrente die Hauptgefahrenquellen künftiger Altersarmut außen vor lässt. Dies sind große Lücken in den Erwerbsbiografien vor allem in den neuen Ländern, Hartz IV-Bezug, Niedriglöhne und Scheinselbstständigkeit. Selbst die FDP will inzwischen im Zuge der geplanten kleinen Rentenreform Scheinselbstständige verpflichten, für das Alter vorzusorgen.


Kommentare (2)

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Goecek

26.09.2011, 20:18 Uhr

Woher kommt die Summe von von 1.650,00€ Durchschittsrente
für Männer in Westdeutschland?
Dieser Wert zeigt mal wieder die Tatsache: Glaube keiner
Statistik die du nicht selber gefälscht hast!
In Wirklichkeit liegt die Durchschnittsrente gemäß wirklich seriöser Erhebungen etlicher Institutionen
viel tiefer. Ich muß sagen, ich habe das Handelsblatt
immer für seriös gehalten. Aber nach diesem Artikel
habe ich da meine Bedenken.

Floschen

27.09.2011, 13:48 Uhr

Nach meinem Kenntnisstand ist die Aussage meines Vorredners richtig. Ist die Durchschnittsrente wirklich so hoch? Oder ist sie nur bei Handelsblattlesern so hoch?

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